Die Dämonen in dir: Psychothriller-Romance
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Über dieses E-Book
Als Danielle aus dem Gefängnis entlassen wird, hilft ihr nur noch der Alkohol gegen die dunklen Schatten ihrer Gedanken. Ausgerechnet zu diesem ungünstigen Zeitpunkt lernt sie den Mann ihrer Träume kennen, der ihr die Welt zu Füßen legen will und ihr Hoffnung auf ein besseres und leichteres Leben gibt.
Doch schon bald stellt sich heraus, dass er nicht der Retter ist, für den sie ihn hält. Plötzlich muss sich Danielle entscheiden: Kämpft sie für ihre Freiheit oder lässt sie sich von den Dämonen verschlingen?
Ein packender Psychothriller über die dunklen Seiten des Lebens, die Grenzen des Vertrauens und die Macht des Überlebensinstinkts.
Kristina Gottsteinová
Kristina Gottsteinová wurde am 08. Februar 1997 im tschechischen Brandys nad Labem - Stará Boleslav geboren, bevor ihre Familie nach Österreich zog. Derzeit lebt sie mit ihrem Freund und ihren zwei Katzen Charlie und Baghira im grünen Herzen Österreichs - der Steiermark - , wo sie als Grafik- und Webdesignerin arbeitet. Zu lesen, fantastische Geschichten zu erfinden und auf Papier zu bringen war schon als Kind und Jugendliche ihr liebstes Hobby. Regelmäßig nahm sie mit Anderen an kleinen, geschriebenen Rollenspielen und Schreibwettbewerben, bevor der Wunsch nach einem Roman groß wurde. Ihr Debütroman Die Dämonen in dir spiegelt ihre Faszination für die Psychologie, True Crime und das Böse im Menschen wider.
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Buchvorschau
Die Dämonen in dir - Kristina Gottsteinová
Prodomalphase
1
Danielle
»Ich bin verlobt.«
Der Kartoffelchip, der sich den Weg zu meinem Mund bahnt, fällt in meinen Schoß und zerbröselt dort. Ruckartig setze ich mich aus der halb liegenden Position auf und drehe mich zu dem Verursacher der Reaktion um.
Chris, der als mein Sofapolster am Fernsehabend gedient hat, rutscht langsam hoch. Bedacht darauf, mich nicht zu verschüchtern, sieht er mir ernst in die Augen.
Ich schlucke hart. Mein Mund formt wie von selbst ein kleines »Oh«
Wir starren uns stumm an. Keiner wagt, etwas zu sagen. Oder sich gar zu bewegen. Mühsam versuche ich, zu ergründen, was sich in dem schlammig verwaschenen Braun seiner Augen widerspiegelt. Bedauern? Mitgefühl? Reue?
Ich habe keine Ahnung. Ich bin nicht gut darin, Menschen zu lesen.
Nein.
Das ist falsch.
Eigentlich lese ich sie wie ein offenes Buch. Wenn ich es möchte – meist langweilen mich die Beweggründe und Motive anderer zu sehr, um mich damit näher zu befassen.
Auch in diesem Moment ist es mir egal, was ich in Chris Gesicht erfassen könnte.
Er räuspert sich, hebt seine Hand und hält dann in der Bewegung inne. Er erinnert sich, dass es falsch ist, was wir hier treiben. Nein, anders. Er empfindet es als unangebracht, weil er knietief in einer Beziehung steckt. Es ist nicht meine Schuld, dass er es nicht mit seinem Gewissen ausmachen kann. »Hör mal, ich… Wir… also, das muss aufhö-«
Kopfschüttelnd unterbreche ich ihn. Unfähig, etwas von mir zu geben. Es ist nicht so, als wüsste ich nicht, dass er eine Freundin hat.
Und … Verdammt, ich habe ihr Parfüm gerochen - jedes Mal, wenn ich das Gesicht in ihrem Kissen vergrub, während ihr Freund mich in allen möglichen Stellungen genommen hatte. Habe die Fotos in ihrer Wohnung betrachtet, die von vielen glücklichen Jahren zeugen. Sogar jetzt lümmle ich auf ihrer Couch und kuschle mich an ihren Freund, während wir auf ihrem Fernseher etwas auf deren gemeinsamen Netflix-Account schauen.
Verzeihung, Verlobten.
Nein, ich habe von Anfang an gewusst, worauf ich mich hier eingelassen habe. Dass es ein Verfallsdatum hat. Chris und ich arbeiten schon seit einiger Zeit zusammen. Deswegen war es damals so gekommen, wie es gekommen war. Ich brauchte ein Ventil. Er ebenso. Wir nageln uns regelmäßig das Hirn raus. Danach geht jeder wieder professionell seinem eigenen Leben nach. Quasi eine berufliche Freundschaft Plus.
Dieser Schritt überrascht mich also nicht. Ich habe nie von ihm erwartet, dass er seine Verlobte – Liza – für mich verlässt. Daran hatten wir beide nie ein Interesse. Schließlich liebt er sie. Oder so. Betonte er zumindest. Oft. Das ignoriere ich dann immer.
Seine Worte lösen keinen Schmerz in mir aus, eher Übelkeit. Ich stehe auf, wische mir die Chipskrümel von Lizas Schlafshirt und fange an, die Kleidung, die in der ganzen Wohnung verstreut liegt, aufzusammeln.
Chris steht ebenfalls auf und läuft mir hinterher. »Dany, es tut mir echt leid. Ich weiß, das kommt jetzt … «
»Lass einfach gut sein«, presse ich zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor und unterbreche ihn damit erneut. Mein Herz ist nicht gebrochen. Ich empfinde auch kein Mitleid für die hübsche Blondine, die jetzt seinen Ring trägt und sicher damit herum prahlt. Ganz und gar nicht. Sie hätte besser auf ihren Mann aufpassen müssen. Oder eben davon ausgehen sollen, dass Kerle Schweine sind, die ihren Schwanz in jedes Loch stecken, das sich ihnen bietet.
So gern ich Chris habe – das ist leider ein Fakt.
Fieberhaft überlege ich, was man in so einer Situation sagt, ziehe währenddessen das übergroße Shirt aus und lasse es geistesabwesend auf den Boden fallen. Seine Wohnung – er darf aufräumen. Bevor seine Herzdame kommt und unangenehme Fragen stellt.
»Können wir vielleicht darüber reden?«, versucht er es erneut und beobachtet mich dabei, wie ich mir zuerst Höschen und BH anziehe, bevor das schmalgeschnittene, schwarze Businesskleid und die hohen Absatzschuhe folgen. Wieder schüttle ich den Kopf und fahre mir dann schnell durch meine Haare, entwirre die kleinen Knoten, und verziehe dabei das Gesicht, als es auf meiner Kopfhaut zwickt. »Es gibt nichts zu sagen, Chris. Alles gut. Gratuliere.«
Sowas sagt man doch, wenn sich ein Kollege und Freund, mit dem man ab und zu im Bett landet, verlobt, oder? Keine Ahnung.
Ich schlucke den aufkeimenden Ärger mit Gewalt hinunter - wie so oft schon in meinem Leben. Spüre, wie es tief in mir sticht. Ein Gefühl, das sich im Brustraum sammelt und die Gliedmaßen taub werden lässt.
Hilflos hebt er seine Arme und ein frustrierter Laut verlässt seinen Mund. Jetzt würde er wieder ein Schwall unnötiger, nett einstudierter Floskeln hervorbringen. Gerne hätte ich gesagt, dass Lizas kitschige Liebesromane auf ihn abgefärbt haben, aber Chris war schon immer so … so freundlich. Stets auf Harmonie bedacht. Er will nie etwas falsch machen und arbeitet hart dafür, dass ihn jeder mag. Anders als ich.
Umso mehr hatte mich sein Interesse an mir gewundert. Vielleicht will er das Abenteuer spüren, das ihm mit Liza verwehrt bleibt. Der Reiz des Verbotenen. Die Gefahr, erwischt zu werden.
Mit einer allzu großen Vertrautheit stolziere ich den Flur entlang und öffne die Haustür, ohne mich nochmals umzudrehen. Lizas Augen auf den zahlreichen Fotos verhöhnen mich, lachen mich aus. Und am liebsten würde ich jedes Einzelne von der Wand reißen und ihnen beiden in die Körper rammen. Mit ordentlich Temperament.
Okay, Danielle. Tief ein. Tief aus.
Kurz schließe ich die Augen, zähle leise die Atemzüge - bis ich mir sicher bin, dass ich weder meinem Kollegen auf die nackten Füße kotzen, noch einen Mord begehen würde. Dann drehe ich mich langsam um und schaue ihm mit einem aufgesetzten Lächeln ins Gesicht. Er ist angespannt. Verunsichert. Wie ein kleines Mäuschen, das gefangen gehalten wird zwischen den großen Pranken eines Tigers.
Meine Mundwinkel zucken bei der Verabschiedung. »Wir sehen uns dann morgen bei der Arbeit.« Der Tonfall ist tief, voller Hohn. Wohlwissend, dass er Angst davor hat, was ich mit dem Wissen um unsere Affäre anstellen kann. Mit ihm anstellen kann. Ich gebe ihm nicht die Möglichkeit, etwas darauf zu entgegen. Stattdessen drehe ich auf dem Absatz um und marschiere selbstbewusst mit gestrafften Schultern und hoch erhobenem Kinn zu meiner Karre. Er muss nicht sehen, wie sehr mich das Messer zwischen meinen Schulterblättern schmerzt und bei jedem Schritt meine Nervenenden reizt. Diesen Sieg gönne ich ihm nicht.
Zitternd schmeiße ich meine Handtasche auf den Beifahrersitz und knalle die Autotür hinter mir zu. Es kitzelt verräterisch hinter meinen Augen und ich blinzle hektisch, während ich ausparke und schließlich mit quietschenden Reifen davonfahre. Dir gönne ich gar nichts, du Arschloch.
Erst einige Querstraßen weiter fahre ich auf einen schmalen Seitenstreifen und stelle den Motor ab. Der Sand, welcher von meinen Reifen aufgewirbelt wurde, bildet bodennahen Nebel und für einen kurzen Moment fühle ich mich, als wäre ich in meiner eigenen, kleinen Blase gefangen. Eine Blase, in der ich von der Außenwelt abgeschirmt werde und einfach … ich sein kann. Erschöpft lasse ich die Stirn aufs Lenkrad sinken, atme ein weiteres Mal tief ein und wappne mich gegen die volle Wucht der Gefühle, die ich vor Chris so mühsam unterdrückt habe. Sie kommen und treffen mich härter als erwartet.
Blinde, rote Wut brandet in mir auf und mischt sich mit der fauligen Süße der Demut. Wie verdorbenes Obst, das die Fliegen anzieht, schmecke ich sie beinahe auf meiner Zunge. Mein Ego ist schwer angeschlagen, während mein Stolz blindlings um sich schlägt und ihm weh tun möchte. Dass er mich zuerst noch vögelt und seelenruhig zusammen mit mir einen Film schaut, bevor er die Karten auf den Tisch legt, macht mich rasend. Genauso wie die Tatsache, dass er den Schneid besitzt, mich abzuservieren. Nicht umgekehrt. Idiot. Arschloch. Wichser. Ruckartig setze ich mich auf, prügle mit der Linken auf das Lenkrad ein, das meinem Kopf bis vor kurzem Trost geschenkt hat. »Fuck, fuck, fuck!«
Schwer schlucke ich, als sich kalter Schweiß auf meiner Stirn und im Nacken bildet, und versuche, den Würgereiz von vorhin zu unterdrücken. Als würde mein Körper mühsam versuchen, diese Schande von sich abzukapseln und loszuwerden. »Ich bin der Gebieter über meine Gefühle und meinen Körper. Nicht umgekehrt«, murmle ich wie ein Mantra mehrmals in die Stille des Wagens und kämpfe um die Oberhand. Ich werde nicht kotzen. Und auch nicht weinen. Nein, nein, nein.
»Shit«, murmle ich schließlich und reiße doch die Autotür auf. Erschöpft falle ich vornüber, verliere das Gleichgewicht und lande auf den Knien. Sie brennen von den vielen Steinchen, die sich in meine Haut bohren, doch es ist mir egal – ich erbreche mich bereits auf die Erde.
Einige wenige Autos fahren vorbei. Sie werden langsamer bei dem Anblick einer Frau, die sich die Seele aus dem Leib kotzt, bleiben jedoch nicht stehen.
Wichser. Sie sind alle nicht besser als ich und tun trotzdem so.
Seufzend sperre ich die Eichentür hinter mir zu und lasse die Schlüssel achtlos auf das schmale Sideboard daneben fallen. Der verführerische Duft von angeschwitzter Zwiebel und Rotwein schlägt mir entgegen und verleitet meinen gereizten Magen zu lautem Knurren. Müde kicke ich die blöden Schuhe von den Füßen und verziehe das Gesicht, als ich barfuß auf den kühlen Fliesen stehe. Sie schmerzen von unzähligen Blasen und der unnatürlichen Haltung, die das Business so mit sich bringt. »Scheiß Outfit«, murmle ich und humple wie eine alte Frau den Flur entlang in die Küche.
Am Durchgang bleibe ich stehen und betrachte Beth schweigend beim Kochen. Oder was immer sie da mit dem Holzkochlöffel in der Hand tut, den sie zu irgendeinem grauenhaften Popsong von Taylor Swift gemeinsam mit ihren Hüften schwingt, während sie gemeinsam etwas von verlorener Liebe singen.
Wir sind Freunde, seit wir beide die Junior High besucht haben. Zuerst hatten wir uns nicht verstanden … Na ja, was heißt hier verstanden? Wir hatten uns in der Schule ignoriert. Füreinander waren wir non-existent in unseren eigenen Welten. Bis zu diesem einen Tag, an dem ich sie heulend im Klo vorgefunden und nicht sofort aus der Kabine auf den Flur gekickt hatte. Seit diesem Tag sind wir unzertrennlich geworden, haben herausgefunden, wie sehr wir uns in unserer beschissenen Jugend brauchten und dass all die Freunde trotz andersartigen Dunstkreis doch gleich waren. Nicht echt. Wir waren beide immer schon Einzelkämpfer gewesen, aber dann war da auf einmal diese eine Person, die einem ohne Hintergedanken die Hand entgegenstreckte und sagte: »Ich weiß, es ist alles scheiße. Aber lass uns diese Scheiße gemeinsam anpacken.« Auf einmal boten wir gemeinsam der Welt die Stirn - obwohl wir unterschiedlicher nicht sein können. Wir sind wie Yin und Yang. Sie lieb, offen und herzlich. Ich hart, zurückgezogen und zynisch.
Sie hell, ich dunkel.
Wir bedingen einander, brauchen einander, um richtig zu funktionieren.
Was für ein bescheuertes Klischee.
Ich räuspere mich, als mir ihre kleine Showeinlage zu bunt wird, und Beth zuckt überrascht zusammen. Mit Ärger in den eisblauen, zu schmalen Schlitzen verengten Augen fährt sie zu mir herum und deutet anklagend mit dem Kochlöffel auf mich. Ein paar Stückchen Zwiebel kleben auf dem Holz. »Herrgott, Dany!«, ruft sie aus. »Musst du dich anschleichen wie eine verdammte Katze?!«
Unbeeindruckt zucke ich mit den Schultern und lehne mich mit verschränkten Armen an den Türrahmen. »Sorry.«
Bethany poltert bei meiner halbherzigen Entschuldigung. Manchmal ist sie ein richtiges Drama-Lama - wie sie es ausdrücken würde. »Ich hätte einen Herzinfarkt kriegen können!«
»Du bist achtundzwanzig. Du kriegst sicher keinen Herzinfarkt.« Schon gar nicht wegen der Tatsache, was für ein Gesundheits- und Sportfreak sie ist.
»Ich könnte und ich hätte beinahe!« Wieder dieses wilde Gefuchtel mit dem bescheuerten Holzlöffel.
Genervt verdrehe ich die Augen und stoße mich ab. »Jetzt komm mal runter.« Wieso sind wir nochmals Freunde? Manchmal vergesse ich, wie sehr sie mich mit ihren Allüren reizt. Vergessen ist die Erinnerung an diese Wir-gegen-den-Rest-der-Welt-Romanze.
Sie presst die Lippen aufeinander und wendet sich prompt wieder der Bolognese zu. Einer Frau zu sagen, dass sie mal runterkommen soll, ist nie eine fabelhafte Idee, aber ich bin müde und habe keine Lust jetzt auch noch mit ihr zu streiten. Ohne ein weiteres Wort dreht sie die Lautstärke ihrer kleinen Musikbox hoch.
Das ist ihre Masche. Benehme ich mich blöd, straft sie mich mit Schweigen. Nicht nur mit Blicken und Worten, sondern leider auch mit dem Essen, das mein Körper in diesem Moment am meisten begehrt. Mein Magen knurrt wieder. Kein Essen für mich, wenn ich nicht spure. Ich würde kein Hetero-Mann sein wollen. Obwohl im Stehen pinkeln können sicher eine feine Sache ist.
Kopfschüttelnd vertreibe ich diesen Blödsinn aus meinen Gedanken, trete zähneknirschend auf sie zu und schlinge meine Arme um sie. Vorsichtig lege ich das Kinn auf ihrer schmalen Schulter ab und blicke hinunter in die Pfanne, in der irgendein perverser, vegetarischer Hackfleischverschnitt mit dem Rotwein beschäftigt ist.
Ihre Haltung ist steif und abweisend. Meine Abfuhr hat sie nicht nur etwas wütend gemacht. „Hey… es tut mir ja wirklich leid…", murmle ich gerade so laut, dass ich mir sicher bin, sie würde mich verstehen, und schließe ergeben die Augen. Mir ist bewusst, dass ich ein Arschloch bin – deswegen bin ich ihr für jede Sekunde dankbar, die sie freiwillig als meine Freundin und Mitbewohnerin mitmacht. Etwas, das ich nie als Selbstverständlichkeit wahrgenommen, ihr aber nie gesagt hatte. Ihre rosarot schimmernden Haare kitzeln mich an der Wange, als sie den Kopf leicht schief legt.
»Schon okay…« Ihre Antwort ist kaum zu verstehen bei dem nächsten grässlichen Song, doch mehr würde ich jetzt nicht bekommen. Mehr brauche ich gerade auch nicht, das sich ein leichtes Lächeln auf meinem Gesicht ausbreitet. Denn jeder, der sich mit Frauen auskennt, weiß: Die Worte schon okay ist das universelle Codewort für Ich bin immer zwar furchtbar angepisst, aber ich bin dir nicht böse genug, um dir das Essen vorzuenthalten. Wer jetzt empört nach Luft schnappt, der ist einfach nur ein mieser Lügner – wir alle haben das schon mindestens ein Mal verwendet. Ich gebe es nur wenigstens offen zu.
Und als ich sie loslasse, um nach der Lade mit dem Besteck zu greifen, und dabei das kleine Schmunzeln sehe, das sie vor mir zu verstecken versucht, weiß ich wieder, wieso wir Freunde sind.
Wir sind zwar unterschiedlich wie Tag und Nacht, aber wir werden immer füreinander da sein.
Egal, welchen Scheiß ich baue, und wie sauer sie in Folge dessen sein wird.
Egal, welches Chaos sie anstellt und wie miesepetrig ich hinterher wäre. Am Ende des Abends wissen wir beide – wenn es etwas gibt, auf das wir zählen können, dann ist es sie und ich gegen den Rest dieser verfickten Welt.
Sie wird immer dieser eine Mensch sein, der mir nicht nur den Tag, sondern auch das Leben rettet.
2
Alden
Aus Ärgernis wird Rebellion.
Aus Rebellion wird Schmerz.
Aus Schmerz wird Gefühllosigkeit.
Meine Glieder sind mittlerweile in einem Stadium jenseits jeglicher Empfindung angekommen. Sie sind taub und kalt, verkümmert durch das Verweilen in immer derselben Position. Die wenige Bewegung, die mir bleibt, verschafft keine Erleichterung mehr – im Gegenteil. Jeder Muskel meines Körpers schreit und protestiert, wenn ich nur etwas an meiner Lage ändere.
Also knie ich da. Meine Schienbeine ruhen auf kaltem, nassem Gestein; das Kinn auf der nackten, klammen Haut der ausgemergelten Brust. Die Augen halte ich geschlossen, als könnte ich damit die Schwärze, die um mich herum herrscht und mir in die Knochen kriecht, aus den Gedanken aussperren. Das Gehirn spult immer wieder dieselben Szenen ab, bevor ich es verhindern kann. Geißle mich selbst mit all den strahlenden Augenblicken. Den Momenten voller Glück und Liebe.
Hätte ich die Kraft, würde ich jetzt schreien. Um mich schlagen. Weinen. Immer war ich da gewesen. Hatte sie getröstet. Im Arm gehalten, zugesprochen. Geliebt, verdammt. Mit jeder Faser meines Körpers und Geistes.
Ein Geräusch vor mir lässt mich aus der Trance hochschrecken und die Augen aufreißen. Das Lächeln, das sich tief in die Gedanken gebrannt hat, verblasst und ich versuche es mit dem letzten Quäntchen meines Seins festzuhalten.
Es ist ungewöhnlich, etwas anderes zu hören, als die Feuchte des Gesteins, die sich gemeinsam mit dem Moos durch das Gefängnis arbeitet, und das leise Kratzen von Krallen auf eben jenem. Denn dies hier sind Schritte, die ich schon lange nicht gehört hatte. Sie hallen befremdlich laut von den kahlen Wänden wider und kreieren somit ein wirres Stakkato der Absurdität. Es schmerzt in den empfindsamen Ohren. Doch ich kenne diese Schritte – unter tausenden höre ich sie heraus. Sie erdröhnen im Gleichtakt meines Herzschlages. Sie sind der Grund, wieso ich noch nicht gestorben bin – der Grund, wieso ich noch nicht aufgegeben habe. Sie sind alles für mich.
Stille.
Ich weiß, du bist da. Spüre dich mit jeder Faser meines Körpers. Zwei Magnete, die sich gegenseitig anziehen. Du stehst vor der Tür. Und überlegst, ob du zu mir kommen oder es doch lieber lassen sollst. Nach all der Zeit, die du mich hier drin verrotten hast lassen, schießt es mir durch den Kopf.
Überlegst du, ob ich deiner würdig bin? Bin ich es? Bin ich es nicht? Ich weiß es doch auch nicht! Wieso quälst du mich so?
In die Stille der drückenden Schwärze flehe ich. Doch was? Wen? Die Götter? Dich? Bitte lass mich nicht hier. Nimm mich mit. Erfülle mich mit all dem Guten und ich werde das Böse von dir fernhalten.
Schwer knarzt die Tür. Ein schmaler Lichtstreifen fällt in die Zelle und färbt die Dunkelheit in die unterschiedlichsten Grau- und Grüntöne. Faszinierend und schmerzhaft zugleich. Die ungewohnte Helligkeit sticht in meine Netzhaut wie tausend kleine Nadeln. Die längst vergessenen Nervenfasern melden sich voller Protest. Die Augen beginnen zu tränen und ich blinzle heftig gegen den Schmerz an, versessen darauf zu sehen. Den Raum, in den ich gesperrt wurde. Die Natur, die mich langsam zu verschlingen droht. Und nicht zuletzt: Dich. Die schmale Silhouette der Frau, die einst so vertraut und mittlerweile so unbekannt ist.
Du kannst es kaum fassen, dass du etwas Verbotenes getan hast. Ich sehe es doch an der Art, wie deine wundervolle Hand von der Tür zurückschreckt, als hättest sie dir einen Stromschlag versetzt. Schmerzt es? Hast du dich verbrannt? Tausend Fragen schwirren mir durch den Kopf, doch du trennst mich wieder von der Außenwelt.
»Nein«, keuche ich. Meine eigene Stimme ist mir fremd. Sie ist brüchig und kratzig. Ich habe sie schon zu lange nicht mehr benutzt. Wozu auch? Nicht einmal das Vieh interessiert sich für die Geschichten, die ich über dich zu erzählen habe, sondern nur für das Fleisch, aus dem ich bestehe. In die Schwärze, die mich wieder umgibt, kreische ich mit aller Kraft, die ich aufbringen kann: »Bitte, geh nicht. Rette mich!« Rette mich, damit ich dich retten kann.
Ich falle nach vorn, komme hart auf dem feuchten Boden auf, doch mein Körper realisiert es nicht. Er ist darauf konzentriert, was vor mir liegt. Du bist noch da. Er spürt das leise Summen unserer Anziehung. Du kannst dich nicht von mir lösen. Niemals. Ich weiß es.
Stöhnend strecke ich den Arm aus und greife mit steifen Fingern in die Finsternis. Sie klammern sich an etwas Warmes mit struppigem Fell, das ein leises Quietschen von sich gibt, gefolgt von dem Bruch kleiner Knochen. Es ist laut. So laut. Angewidert zucke ich zurück. Mein Körper erwacht langsam zu Leben und in diesem Moment verdamme und liebe ich dich gleichzeitig.
Die Schritte entfernen sich wieder.
Der auflodernde Schmerz bleibt.
Doch du wirst wiederkommen.
Und wenn nicht, dann werde ich dich finden.
Das verspreche ich dir.
3
Danielle
Das Bett quietscht und ich frage mich, ob die Nachbarn unter uns die Geräusche von Lust und Leidenschaft hören. Und ob es sie genauso scharf macht, wie es mich scharf machen würde. Ob das zerknitterte, schrullige Pärchen, das unter dem Typ, den ich bestiegen hatte, so voller Geilheit ist, dass sie nicht anders können, als über sich herzufallen und sich das Gehirn raus zu vögeln. Vielleicht dabei sogar einen Schlaganfall erleiden oder sowas. Ein seltsamer Gedanke beim Sex.
»Hey, bist du noch da?«, ächzt der Niemand unter mir und legt behutsam seine großen, rauen Hände auf meine nackten Oberschenkel. Sein Blick ist verschleiert in einer Mischung aus Lust und Verwirrung. Seine dunklen Augen zucken immer wieder zu meinen milchig weißen Brüsten, die sich, der Anstrengung wegen, heben und senken. Ich bin sowas von aus der Form und sollte dringend mit Beth reden. Ihre Trainingspläne schaffen es sicher, mich schnell wieder so hinzubiegen, dass ich nicht beim Sex schnaufe wie ein alter Ochse auf dem Acker.
Scheinbar bin ich so in meinen Gedanken versunken, dass ich in der kreisenden Bewegung meiner Hüften innegehalten habe. Tja, blöd für ihn.
Seine Hand fuchtelt vor meinem Gesicht und ich verziehe es zu einer Grimasse. Was bildet sich der Typ ein? Mister Noname darf froh sein, dass ich ihn abgeschleppt habe – er ist definitiv nicht in der Position, irgendetwas zu fordern. Egal, ob im direkten oder übertragenen Sinne.
Schrecken breitet sich auf dem kantigen, mit dunkelbraunen Locken umrahmten Gesicht aus. Die halbgeschlossenen Lider schnellen in die Höhe, als die plötzlich umgeschlagene Stimmung langsam in sein vernebeltes Hirn sickert. Er weiß, dass er mich nicht wütend machen darf. Zu spät. Respektloses Verhalten ist mir zuwider. Es geht Hand in Hand mit dem Verlust von Kontrolle.
Zornig presse ich meine Lippen zu einem schmalen Strich und ich schlage seine Pranke weg. Meine Oberschenkel sind wie ein Schraubstock, fixieren ihn. Er zappelt unter mir wie ein Fisch, der verzweifelt nach Wasser schnappt und stattdessen Luft erwischt. Ich lasse der Wut, die sich fest in mir verankert hat, freien Lauf, balle die freie Hand zur Faust und ramme sie ihm mit voller Wucht ins Gesicht. Schade drum. Um die gerade Nase. Um die großen Augen. Den sexy Schmolllippenmund. Ein Knacken dringt an meine Ohren und diese rohe Gewalt berauscht mich. Blut quillt aus seiner Nase und er schreit vor Schmerz auf. Der jämmerliche Laut, der aus seiner Kehle kommt, vertreibt die Enge in meiner Brust. Ein seltsamer Frieden breitet sich in mir aus und ich lächle. Strahle. Selten habe ich so lachen müssen über den Ausdruck in seinen Augen wie in diesem Moment. Als Nächstes packe ich seinen Hals. Rote Male vermischen sich mit der Farbe des Blutes auf meiner Hand. Er fleht. Er bettelt. Er röchelt. Er …
Eine lästige Melodie reißt mich aus meinem Traum und lässt mich knallhart auf den Boden der Realität zurückkehren. Erschrocken fahre ich hoch und taste fahrig nach dem Handy, das vor sich hin bimmelt und dessen Bildschirm immer wieder lästig aufblinkt. Es rutscht mir aus den zitternden Fingern und ich angle fluchend am Boden danach, während der Wecker immer lauter wird. »Verdammt nochmal…«
Zum Glück ist Beth schon wach. Sie geht vor dem Frühstück immer joggen und … Fuck, was war das für ein Traum?! Fahrig wische ich mir über das Gesicht und lasse mich halb frustriert, halb erschöpft wieder in das verschwitzte Kissen sinken.
Kurz hebe ich den Arm, um aufs Smartphone zu sehen, und betätige den Standby-Knopf. Sieben Uhr zwanzig. Ein neuer Tag. Eine neue Überwindung. Stumm starre ich hinauf zur Decke, in dessen Ecken einige Spinnen sitzen und geschickt ihre Beute jagen, und zähle die Sekunden. Mein Kopf dröhnt, als hätte ich gestern Nacht zu viel Alkohol getrunken. Habe ich das? Keine Ahnung. Diese beschissene Migräne. Stöhnend bedecke ich die Augen mit einem Arm und verdränge die Bilder, die sich in einem Gedankenkarussell verfangen haben. Mein eigener Körper verstört mich.
Zwischen meinen feuchten Beinen spüre ich mein rasendes Herz, das mich lockt und herausfordert, während meine Brustwarzen brennen und sich der Bettdecke schmerzhaft bewusst sind. Was zur Hölle?!
Unentschlossen greife ich mit einer Hand nach unten, die andere tastet am weißen Lack des Nachtkästchens entlang und zieht schlussendlich die einzige Schublade auf. Mit einer traurigen Selbstverständlichkeit legen sich die Finger um das kühle Silikon. Eine beunruhigende Erregung durchfährt meinen Körper, bereit, sich auf dieses Spiel einzulassen. Wann war ich das letzte Mal so erregt gewesen? War es so lange her, dass ich sowas als Wichsvorlage benutze? Ernsthaft? Die Bilder fordern mich auf, spielen mit meinem Verstand und ich halte angewidert von mir selbst inne. Verdammt, das ist doch sowas von beschissen gestört. Mit einem
