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Götter, Schwertkämpfer, Elfen: 8 Fantasy Abenteuer
Götter, Schwertkämpfer, Elfen: 8 Fantasy Abenteuer
Götter, Schwertkämpfer, Elfen: 8 Fantasy Abenteuer
eBook541 Seiten6 Stunden

Götter, Schwertkämpfer, Elfen: 8 Fantasy Abenteuer

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Über dieses E-Book

Dieser Band enthält folgende Fantasy Abenteuer:





Die Götter von Korosteen

Irrtoc der Wanderer

Sindbad und die Insel der Pelatoniden

Ravic und die ewige Schlacht

Das untote Land

Sindbads Schwur

Whuon der Schwertkämpfer

Dorian Pendergorm und der Magier Merlin





Manchmal habe ich das Gefühl, mein Leben habe erst an dem Tag begonnen, an dem ich Merlins Schüler wurde. Vorher war da nur Leere, eine unerklärliche Leere, die mich wohin trieb, ohne Ziel und ohne Grund. Ich bin Dorian Pendergorm, ein Name, der von dem Amulett in meiner Handfläche stammt. So nenne ich mich, denn wer ich war oder woher ich wirklich komme, das weiß ich nicht. Wie Arronord, der junge Ritter, stamme ich aus dem Nichts.

Doch all das änderte sich, als Merlin in mein Leben trat.
SpracheDeutsch
HerausgeberAlfredbooks
Erscheinungsdatum18. Dez. 2024
ISBN9783745239959
Götter, Schwertkämpfer, Elfen: 8 Fantasy Abenteuer
Autor

Alfred Bekker

Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. 1984 machte er Abitur, leistete danach Zivildienst auf der Pflegestation eines Altenheims und studierte an der Universität Osnabrück für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen. Insgesamt 13 Jahre war er danach im Schuldienst tätig, bevor er sich ausschließlich der Schriftstellerei widmete. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten. Er war Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen. Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', 'Da Vincis Fälle', 'Elbenkinder' und 'Die wilden Orks' entwickelte. Seine Fantasy-Romane um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' und die 'Gorian'-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt. Darüber hinaus schreibt er weiterhin Krimis und gemeinsam mit seiner Frau unter dem Pseudonym Conny Walden historische Romane. Einige Gruselromane für Teenager verfasste er unter dem Namen John Devlin. Für Krimis verwendete er auch das Pseudonym Neal Chadwick. Seine Romane erschienen u.a. bei Blanvalet, BVK, Goldmann, Lyx, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.

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    Buchvorschau

    Götter, Schwertkämpfer, Elfen - Alfred Bekker

    Alfred Bekker

    Götter, Schwertkämpfer, Elfen: 8 Fantasy Abenteuer

    UUID: 2a34ccc7-965e-44d2-97ea-dac5bb39d557

    Dieses eBook wurde mit Write (https://writeapp.io) erstellt.

    Inhaltsverzeichnis

    Götter, Schwertkämpfer, Elfen: 8 Fantasy Abenteuer

    Copyright

    Die Götter von Korosteen: Fantasy

    Irrtoc der Wanderer

    Sindbad und die Insel der Pelatoniden

    Ravic und die Ewige Schlacht

    Das untote Land

    Sindbads Schwur

    Whuon der Schwertkämpfer

    Dorian Pendergorm und der Magier Merlin

    Götter, Schwertkämpfer, Elfen: 8 Fantasy Abenteuer

    von Alfred Bekker

    Dieser Band enthält folgende Fantasy Abenteuer:

    Die Götter von Korosteen

    Irrtoc der Wanderer

    Sindbad und die Insel der Pelatoniden

    Ravic und die ewige Schlacht

    Das untote Land

    Sindbads Schwur

    Whuon der Schwertkämpfer

    Dorian Pendergorm und der Magier Merlin

    Manchmal habe ich das Gefühl, mein Leben habe erst an dem Tag begonnen, an dem ich Merlins Schüler wurde. Vorher war da nur Leere, eine unerklärliche Leere, die mich wohin trieb, ohne Ziel und ohne Grund. Ich bin Dorian Pendergorm, ein Name, der von dem Amulett in meiner Handfläche stammt. So nenne ich mich, denn wer ich war oder woher ich wirklich komme, das weiß ich nicht. Wie Arronord, der junge Ritter, stamme ich aus dem Nichts.

    Doch all das änderte sich, als Merlin in mein Leben trat.

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Bathranor Books, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

    Alfred Bekker

    © Roman by Author

    © dieser Ausgabe 2024 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

    Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

    Alle Rechte vorbehalten.

    www.AlfredBekker.de

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    Alles rund um Belletristik!

    Die Götter von Korosteen: Fantasy

    von Alfred Bekker

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    Die Götter von Korosteen: Fantasy

    von ALFRED BEKKER

    Ich umklammerte mein eigenes Schwert fest und trat neben Toric. Die Dunkelheit in der Mitte des Raumes schien uns keine Pause zu gönnen, denn urplötzlich schossen aus ihr Schattengreifer hervor, die nach unseren Körpern zu greifen versuchten. Die Kälte, die von diesen Schatten ausging, war unerträglich.

    „Was sollen wir tun, Iaranos?" rief ich verzweifelt.

    „Haltet sie ab, aber unterbrecht das Ritual nicht, antwortete Iaranos keuchend. „Ich brauche nur noch etwas mehr Zeit.

    Kapitel 1

    Bist du fremd in Korosteen?

    Ich hob die Augenbrauen und sah in das Gesicht eines Glatzkopfs, dessen Augen wie schmale Schlitze wirkten.

    Ja, sagte ich schließlich. Ich war erst vor wenigen Stunden mit einem ventorianischen Segler hier im Hafen von Gonras angelangt.

    Ich war nicht zu ersten Mal im Lande Korosteen. Doch war ich bis dahin nur in den Hafenstädten im Süden gewesen, in Kalarasi oder Gonras.

    Ins Innere dieses seltsamen Landes mit seinen uralten Flußgöttern war ich nie gelangt.

    Ich kann nicht sagen, weshalb eigentlich.

    Vielleicht, weil meine geschäftlichen Unternehmungen mich nie dorthin führten, nichteinmal bis zum flußaufwärts gelegenen Larasor, wo der korosteenische Gottkönig residiert.

    Ich weiß nicht, ob das nur ein Vorwand oder der tatsächliche Grund ist.

    Vielleicht bin ich auch nur dem Geruch Moders und Fäulnis ausgewichen, der über diesem ganzen Land zu liegen scheint.

    Es ist wie ein Pesthauch, eine Ahnung von Vergänglichkeit und Tod und Jenseits und noch viel unvorstellbareren Dingen.

    Ich bin ein nüchterner Mensch und komme aus Rogii in Gunland. Aber das sind Namen, mit denen hier niemand etwas anzufangen weiß. Die Korosteener reisen nicht viel. Sie kommen kaum herum, sind nicht sehr am Handel interessiert und betreiben auch nur sehr eingeschränkte Seefahrt. Die Küste entlang bis zu den Städten Ventors, das ist alles.

    Bis Drur oder Ngor zu segeln, das bedeutet für sie schon eine Weltreise. Wenn ich einem von ihnen zu erklären versuchte, wie weit man zu segeln hätte, bis man die Küste Gunlands erreichen würde, so übersteigt das ihr Vorstellungsvermögen.

    Man hört es deiner Sprache an, daß du nicht von hier bist, sagte der Glatzkopf in diesem Moment zu mir.

    Ich kann mich in der Sprache der Korosteener eingermaßen verständlich machen, ohne behaupten zu wollen, perfekt zu sein.

    Du bist ein Schmuggler, nicht wahr? meinte mein Gegenüber. Es klang nicht unbedingt unfreundlich.

    Und was bist du? versetzte ich. Gehörst du vielleicht zur Geheimpolizei des Gottkönigs?

    Er lachte schallend.

    Nein.

    Die Taverne, in der wir uns befanden war erfüllt von schweren Opiumschwaden. Schemenhafte Gestalten schwankten durch das Halbdunkel. Ich blickte mich um und sah dann wieder zu meinem Gegenüber.

    Es schien, als habe er mich ganz gezielt angesprochen.

    Du siehst aus wie ein ventorianischer Schmuggler. Und du redest auch wie einer.

    Hatte es Sinn, dagegen etwas einzuwenden?

    Hatte es Sinn, ihm zu sagen, woher ich wirklich kam? Seine Welt reichte nur bis Ventor, vielleicht noch zu den Küsten von Glendia.

    Und was den Schmuggler anging, so hatte er in gewisser Weise Recht. Ich hatte mich tatsächlich schon als solcher verdingt, aber das lag schon etwas zurück. im Augenblick war ich vollends heruntergekommen.

    Meine Geschäfte waren schlecht gegangen und jetzt besaß ich kaum mehr, als ich am Leibe trug.

    Ich brauche einen Mann, der ein Schiff führen kann!

    Ich habe kein Schiff, erklärte ich. Nicht mehr...

    Ich habe auch nicht von einem Schiff gesprochen, sondern von einem, der es führen kann! Das ist etwas anderes.

    Ich nickte.

    Da hatte er Recht.

    Es ist eine Menge Geld drin!

    Und wo ist der Haken?

    Es gibt keinen, außer der Tatsache, daß ich einen Mann brauche, der Mut hat.

    Dann kannst du mit mir nicht rechen! sagte ich. Ich bin ein erbärmlicher Feigling und stehe dazu! schließlich ist das einer der Gründe, weshalb ich noch am Leben bin!

    Er lachte erneut. Aber es war ein heiseres, freudloses Lachen, das mich nachdenklich machte.

    Dann nannte er mir eine Summe.

    Ich war beeindruckt.

    Du kommst nicht aus Korosteen, sagte er. "Ich nehme daher an, daß du nicht an die Götter dieses Landes glaubst...

    Ich nickte.

    Das ist richtig.

    Und an welche Götter glaubst du?

    Ich machte eine wegwerfende Geste.

    Wer will wissen, welche Religion recht hat? Ich bin viel herumgekommen und kenne soviele verschiedene Glaubensrichtungen, die für sich genommen jeweils sehr einleuchtend und richtig zu sein scheinen, daß es mir schwerfällt, mich endgültig festzulegen...

    In Wahrheit glaubst du an gar nichts!

    Ich zuckte mit den Schultern.

    Ich glaube an mich selbst, ich glaube an das Klimpern von Gold- und Silbermünzen in meinem Beutel und daran, daß jeder Stein irgendewann einmal zu Boden fällt, wenn man ihn in diue Luft wirft...

    Nun, wenn du nicht interessiert bist, kesrog!

    Kesrog hatte er mich genannt. Das war ein korosteenisches Wort mit weitgespannter Bedeutung. Es stand für Händler, Hund, Seefahrer, Ungläubiger und Ausländer und war ganz gewiß nicht freundlich gemeint.

    Ich dachte an das Geld und daran, daß ich es bitter nötig hatte, mal wieder etwas zu verdienen.

    Nicht so schnell! Wohin soll die Reise denn gehen? fragte ich.

    Den Inu flußaufwärts.

    Bis Larasor?

    Nein, weiter.

    Inuakatan?

    Noch weiter.

    Ich runzelte die Stirn. Keinesfalls kann ich behaupten, von dieser Aussicht begeistert gewesen zu sein. Ich dachte an die feuchten Wälder zu beiden Seiten des Inu-Flusses. Diese dampfenden Regenwälder begannen bereits unweit der Stadttore von Gonras.

    Mir kam wieder dieser Geruch von Fäulnis und Moder in die Nase, obwohl es in Wahrheit an diesem Ort nur nach Opium roch und wir noch keinen Fuß in diesen unheimlichen, wimmelnden Wald gesetzt hatten.

    Aber, wenn man es recht betrachtete, dann hatte ich kaum die Möglichkeit, nein zu sagen. Ich hatte mich in Wahrheit längst für die klimpernden Münzen (oder besser: die Aussicht darauf) entschieden, auch wenn ich mir das selbst in diesem Augenblick noch nicht so recht eingestehen mochte.

    Was willst du dort, so tief in den Wäldern? fragte ich.

    Kein Mensch, der bei Verstand ist, segelt den Inu so weit hinauf! Und in Gedanken setzte ich hinzu: Kein Mensch, der bei Verstand ist, segelt den Inu überhaupt auch nur eine Meile hinauf!

    Deine Aufgabe wäre nur das Führen des Schiffes. Der Rest geht dich nichts an!

    Das war unmißverständlich.

    Warum nimmst du einen Ausländer und keinen Kapitän aus Korosteen?

    Er druckste herum.

    Dann kam es heraus. Ich hatte mir schon etwas in dieser Richtung gedacht.

    Religiöse Tabus, murmelte er. Er sagte das auf eine Art und Weise, die mir ganz offensichtlich deutlich machen sollte, daß er nicht gewillt war, mehr zu dieser Sache zu sagen.

    Der Glatzkopf schwieg dann auch beharrlich.

    Schließlich fragte er: Was ist nun? Schlägst du ein?

    War das noch wirklich eine Frage, die ernsthaft zu stellen sich gelohnt hätte?

    Ich hatte mich längst entschieden.

    Kapitel 2

    Das Schiff machte nicht unbedingt einen vertrauenserweckenden Eindruck. Aber es war flußtauglich. Und das war ja auch schon etwas.

    Die Mannschaft schien kaum etwas von der Schiffahrt zu verstehen. Sie bestand ausschließlich aus Fremden. Außer dem Initiator dieses Unternehmens (der übrigens den Namen Iaranos trug) war kein Korosteener unter ihnen. Es waren einige ventorianische Seeleute darunter und ein paar grimmig aussehende Barbaren aus dem wilden Kwinua.

    Sie alle waren hervorragend bewaffnet und schienen sich besser auf den Umgang mit Schwert oder Bogen zu verstehen, als auf die Handhabung der Takelage.

    Ich bereute schon, mich auf diese Sache eingelassen zu haben, als wir den Hafen von Gonras flußaufwärts in Richtung Larasor verließen. Nicht lange und die feuchten Wälder hatten uns von allen Seiten eingeschlossen.

    Eine wimmelnde, grüne Masse schien uns zu umgebend, amorph, gestaltlos und vielgestaltig zugleich. Die Luft war drückend und die Schreie von grotesken Kreaturen, die während der gesamten Spanne ihres Lebens diese grüne Nacht nie verließen, gellten durch das Halbdunkel.

    Unvorstellbar hoch erhoben sich die Bäume in den Himmel, der von ihren ausladenden Kronen verdunkelt wurde.

    Gigantische Farne und Schachtelhalme wuchsen hier. Alles schien so viel größer zu sein, als man es aus anderen Längern her gewohnt ist.

    Verschiedentlich versuchte ich Iaranos, meinen Auftraggeber, nach dem Ziel dieses Unternehmens zu befragen.

    Aber er blieb stets wortkarg und sagte mir kaum mehr, als ich ohnerhin schon von ihm erfahren hatte. Es ging in die Wälder nördlich von Inuakatan. Aber was er dort suchte, war mir schleierhaft.

    Die Tatsache allerdings, daß er diese gutbewaffneten Krieger mitgenommen hatte, sprach in gewisser Weise für sich.

    Er schien damit zu rechnen, daß es zu Auseinandersetzungen kam.

    Mit wem auch immer.

    Und er schien mir von einer tief empfundenen Ungeduld erfaßt worden zu sein, deren Ursprung mir nicht erklärlich war.

    Iaranos fieberte förmlich einem bestimmten Zeitpunkt oder einem Ereignis oder sonst irgendetwas entgegen, von dem ich unmöglich vermuten konnte, worum es sich dabei handelte.

    Seine Züge waren die gesamte Fahrt über angespannt. Und während das Schiff fast lautlos mit einem milden, günstigen Wind, der von der Seite durch das Unterholz kam, über das trübe, undurchsichtige Wasser glitt, schienen Iaranos'

    Gedanken ganz woanders zu sein. Weit weg. Sehr weit weg...

    Kapitel 3

    Bevor wir Larasor erreichten, waren bereits zwei der an Bord befindlichen Männer tot. Es waren zwei der Kwinu-Barbaren, die miteinander in Streit geraten waren.

    Es war zu einer Messerstecherei gekommen. Der eine war sofort tot, der andere einige Stunden später verblutet.

    Diese Männer kannten keine Disziplin.

    Marodeure waren das, Halsabschneider, Halunken...

    Ich wandte mich an Iaranos.

    Mir scheint, du hast die falschen Leute mitgenommen!, schimpfte ich zornig. Was glaubst du, wieviele von uns Inuakatan unter diesen Umständen lebendig erreichen werden!

    Ich spuckte wütend aus.

    Iaranos blickte mich mit abwesenden, melancholischen Augen an.

    Es gab keine anderen Männer für diese Sache! meinte er tonlos. Das wirst du noch begreifen, Kesrog!

    Ein ungutes Gefühl machte sich in mir breit.

    Ein Gefühl, daß mich bis zum Ende dieser Reise nicht mehr verlassen sollte.

    Hätte ich gewußt, was auf mich zukam, ich wäre in Larasor ausgestiegen. Oder in Inuakatan. Oder wo immer sich mir eine Chance dazu geboten hätte.

    Kapitel 4

    Wie soll man eine Stadt wie Larasor, beschreiben? Der Hafen ist ein einziges wimmelndes Etwas, aber es scheint eine Art Lethargie über der ganzen Stadt zu liegen.

    Ich kann es nicht erklären, aber es ist anders, als in Gonras oder Kalarasi.

    Vielleicht liegt es daran, daß hier die Korosteener mehr unter sich sind. Es gibt sehr viele Tempel hier, obgleich es noch lange nicht soviele sind, wie in Inuakatan. Aber das wußte ich noch nicht, als wir in Larasor an Land gingen.

    Hier war die Residenz der Gottkönige, die in einem riesigen Palast zu residieren pflegten, etwas abseits der wimmelnden Straßen. Ich weiß nicht, ob das stimmt, ich habe es nicht mit eigenen Augen gesehen. Man hat es mir nur erzählt.

    Der Palast des Gottkönigs ist für gewöhnliche Sterbliche tabu.

    Auf einem der Märkte kaufte ich eine kleine Schlange aus Messing, nicht größer als ein Daumennagel.

    Als Iaranos dieses Amulett bei mir später bemerkte, erbleichte er.

    Dann riß er es mir vom Hals und warf es ins Wasser.

    Ich protestierte.

    Es bringt Unglück! erklärte er.

    Aber das wollte ich nicht so einfach gelten lassen.

    Ich finde es schön! Und es ist verdammt noch mal meine Angelegenheit, was ich um den Hals trage! Ich spuckte ärgerlich aus. So verschiedenes ging mir hier gegen den Strich und hatte sich in mir aufgestaut.

    Sein Gesicht war sehr ernst.

    Unangemessen ernst, wie mir schien. Ich war mir keines Verbrechens und keines Frevels bewußt.

    Kesrog, sagte er und es ärgerte mich, daß er mich noch immer mit diesem Wort bezeichnete. Ich weiß, du bist ein Fremder hier...

    Es vergeht kaum eine Stunde, in der du mir das nicht immer wieder vor Augen führst! erwiderte ich.

    Du weißt nichts unseren Göttern...

    Das ist richtig.

    Iaranos verzog das Gesicht.

    Das, was du gerade um den Hals getragen hast und was du für schön gehalten hast, war eine Abbildung von Rama'ymuh...

    Das sagt mir nichts.

    Wie sollte es auch!

    Dann erkläre es mir!

    Du würdest es nicht verstehen! Du würdest über mich lachen, wie du über alle Korosteener heimlich lachst!

    Ich werde nicht lachen. Aber ich habe dieses Amulett für teures Geld erworben, weil es mir gefiel. Und ich habe ein Recht darauf, zu erfahren, weshalb du es nicht an Bord dulden wilst!

    Pah! Er holte etwas Geld hervor und warf es mir hin. Ich zögerte, ehe ich mich dann doch bückte, um es einzustreichen.

    Ich mußte etwas warten, schließlich bin ich kein gieriger Bettler, der sich für eine Münze in den Staub wirft.

    Erkläre es mir, sagte ich. Ich werde nicht lachen.

    Es gibt keinen Ventorianer, der nicht über unsere Götter und all die Dinge lacht, die es ihrer Meinung nach gar nicht gibt, obwohl jeder Korosteener weiß, daß sie existieren! Daß sie genauso existieren, wie wir beide hier existieren!

    Ich bin kein Ventorianer!

    Wenn nicht, dann so etwas ähnliches. Es spielt keine Rolle.

    Du bist nicht sehr fair, Iaranos. Und vielleicht auch ein wenig hochmütig, findest du nicht?

    Er zuckte mit den Schultern.

    Hör zu, sagte er dann in einem etwas versönlicherem Tonfall. "Es gibt verschiedene Arten zu Leben. In Korosteen lebt man für das Jenseits, für die Ewigkeit, für die Seele...für die Toten. Daher, wo du kommst, ist es umgekehrt.

    Man lebt für den Augenblick und das Glück des Moments. So denkt man in Ventor und wahrscheinlich auch im Rest der Welt."

    ...von dem Du sicher einen großen Teil kennst! schloß ich bissig.

    Kein Kesrog ist in der Lage, uns wirklich zu verstehen! sagte er. Er behauptete es einfach.

    Er stellte es dar, als wäre es eine Tatsache, ohne daß es dafür meiner Ansicht nach irgendwelche Anhaltspunkte gab.

    Wer oder was ist Rama'yumuh? fragte ich.

    Sein Gesicht war finster geworden, als er mir antwortete.

    Rama'ymuh ist der Gott der Schlangen und Kriechtiere. Er ist der Bringer der Kälte und kommt aus dem Reich der Toten, dem Limbus -

    Kapitel 5

    Ich bin ein nüchterner Mensch, vielleicht erwähnte ich das schon. Ich bin dem verpflichtet, was tatsächlich existiert, nicht irgendwelchen Hirngespinsten, mit denen sich die Menschen allerorten selbst Angst einjagen.

    Aber die Furcht, die ich in Iaranos' Augen gesehen hatte, war höchst real, höchst wirklich und so packte auch mich ein Hauch jenes Entsetzens, das seine Seele so fest im Griff zu halten schien.

    Wir verließen Larasor, nachdem wir reichlich Nahrungsmittel eingekauft hatten, um uns flußaufwärts in Richtung Norden nach Inuakatan - zu begeben.

    Inuakatan war die alte, vormalige Hauptstadt Korosteens und dort residierte auch immer noch die Priesterschaft und ihre Führung. Und wie ich mir in Gonras hatte erzählen lassen, wurde dort verschiedentlich auch noch zu Gottheiten gebetet, die die Regierung des Königs zu Larasor längst verboten hatte. Unheilige, nichtmenschlkiche Geschöpfe sollten das sein, bar jeden Gefühls und jeder Menschlichkeit.

    Aber sie schienen mir zu einem so todessüchtigen Volk wie dem von Korosteen durchaus zu passen.

    Was läßt sich über den weiteren Verlauf unserer Reise wichtiges vermerken?

    Der Inu ist ein breiter Fluß, ein sehr breiter sogar. An manchen Stellen gleicht er mehr einem See. Es gibt Inseln, zumeist wild überwuchert von der alles verschlingenden Vegetation. Manche Tierarten haben sich in der Dichte dieser Wälder gehalten, die anderswo längst ein Opfer der menschlichen Gier nach interessanten Trophäen wurden.

    Zu beiden Seiten des Flusses sahen wir immer wieder Dörfer von Fischern und Bauern.

    Und je näher wir Inuakatan kamen, desto öfter konnten wir eine Totenprozession sehen. Die Leichnahme wurden in die Blätter einiger Riesenpflanzen gewickelt und dann dem Inu übergeben.

    Man überantwortet sie Inukalon, dem Gott des Flusses, der Geburt, der Ernte und des Todes, erläuterte mir Iaranos auf meine Frage hin.

    Es scheinen hier viele Menschen zu sterben, sagte ich vorsichtig.

    In Larasor habe ich die Leute reden hören, daß flußaufwärts eine Seuche wüten soll...

    Ich schluckte.

    Die Pest?

    Ich weiß es nicht. Aber es sterben viele Menschen daran, wie du siehst.

    Er hatte es gewußt.

    Er hatte gewußt, daß hier oben der Tod reiche Ernte hielt und das er ihm vielleicht sogar selbst zum Opfer fallen konnte.

    Und dennoch war er von Larasor aufgebrochen. Er hatte sich nicht davon abhalten lassen.

    Er mußte einen guten, einen wirklich guten Grund dafür haben, den Inu weiter hinaufzufahren.

    Diese Nächte in den Inu-Wäldern werde ich nie vergessen.

    Sie sind gespenstisch und vielleicht ein Vorgechmack auf das Reich der Toten, auf die Gefilde des Flußgottes Inukalon, oder den Limbus, aus dem Rama'ymuh kommt. Ein gestaltloses und zugleich vielgestaltiges Gewimmel aus Finsternis und den verschiedensten Formen von Leben.

    Des Nachts gab es kein Weiterkommen. Es war notwendig irgendwo anzulegen. Aber die meisten von uns fanden nur wenig Schlaf, schon der fauligen Hitze wegen.

    Dieses Land ist wie eine einzige Totengruft! meinte ein ventorianischer Schwertkämpfer zu mir. Sein Name war Toric.

    Er schien mir um einiges besonnener und bedachter zu sein, als die anderen Männer an Bord, die mir zumeist einen recht abgestumpften, dumpfen Eindruck machten.

    Ich stimmte seiner Bemerkung zu, während wir beide an der Reeling des Flußschiffes standen und hinaus, in die Finsternis blickten.

    Langsam begreife ich auch, weshalb gerade hier die Götter und Fabelwesen aus dem morastigen Boden wachsen, wie anderswo landwirtschaftliche Nutzpflanzen...

    Ich bin gespannt, gegen wen Iaranos uns kämpfen lassen wird..., brummte Toric.

    Er hat es euch nicht gesagt?

    Nein.

    Und es hat keiner von euch gefragt?

    Er zahlt gut. Sehr gut. Er hat uns den Mund mit Goldstücken gestopft, das ist die Wahrheit.

    Ich hoffe für euch, daß diese Goldstücke nicht schon bald euer Grabschmuck sein werden...

    Kapitel 6

    Die Zustände, die wir bei unserer Ankunft in Inuakatan vorfanden waren furchtbar. Der Fluß war voller eingewickelter Leichen, die aussahen, wie schwimmende Kokons. Sie alle nun der Obhut Inukolons.

    Die Seuche hatte sie dahingerafft wie die Fliegen.

    Ich warnte Iaranos davor, überhaupt in der Stadt anzulegen.

    Wenn sich jemand von uns ansteckt, dann ist im nu die gesamte Mannschaft dahingerafft! gab ich zu bedenken.

    Aber Iaranos bestand darauf und war auch durch noch so überzeugende Argumente nicht davon abzuhalten.

    Die Götter werden darüber entscheiden, ob sie uns als ihre Opfer auswählen...

    Die Auffassung gefiel mir nicht.

    Genau betrachtet war sie sogar lebensgefährlich, aber es gab nichts, was ich im Moment dagegen tun konnte. Er hatte dieses Unternehmen bezahlt und führte es. Der Einzige, der überhaupt verstand, was ich meinte, war Toric, der Ventorianer.

    Die Kwinu-Barbaren dachten im Grunde ganz ähnlich wie Iaranos - mit dem Unterschied, daß die Götter, zu denen sie beteten und vor denen sie in Furcht oder Ehrfurcht erzitterten, andere Namen trugen.

    Ich war froh, als wir Inuakatan hinter uns gelassen hatten und weiter flußaufwärts kamen.

    Mit Iaranos ging etwas vor sich, das spürte ich sehr deutlich. Er wurde schweigsamer und in sich gekehrter. Seine Grundstimmung wahr nie besonders hell und freundlih gewesen, jedenfalls während der gesamten bisherigen Zeit unsere Reise nicht, aber nun wurde sie noch düsterer.

    Nach einigen Tagen erreichten wir ein kleines Dorf von Flußfischern, daß einben schier unausprechlichen Namen trug.

    Iaranos wies uns an, dort festzumachen.

    Die Fischer bedachten uns mit mißtrauischen Blicken.

    Einige von ihnen schienen bei Iaranos' Anblick von regelrechtem Entsetzen gepackt.

    Die Leute hier scheinen dich zu kennen! meinte ich.

    Er sah mich nachdenklich an und murmelte dann: Dieses Dorf ist meine Heimat.

    Ihr seht nicht aus wie ein Fischer!

    Ich bin auch schon lange keiner mehr. Ich war lange in den größeren Städten und bin dort zu Geld gekommen. Aber meine Wurzeln liegen hier.

    *

    Wir hatten das Schiff kaum festgemacht, da sahen wir uns einer Schar offensichtlich feindseliger Dorfbewohner gegenüber. Viele von ihren waren Bewaffnet und schon im nächsten Moment prasselte ein Hagel von Pfeilen und Speeren auf uns hernieder.

    Einige von ihnen fuhren in das große Segel und rissen es ein, andere streckten zwei der Kwinu nieder und töteten sie.

    Wir waren in einer denkbar schlechten Lage. Deckung bot das Schiff nur spärlich.

    Was wollen die von uns? rief Toric völlig verständnislos. Was haben wir diesen Leuten getan?

    Das war eine berechtigte Frage, aber wir mußten die Beantwortung wohl oder übel ersteinmal zurückstellen, um unser Leben zu retten.

    Vermutlich war der einzige, der uns eine halbwegs befriedigende Antwort darauf geben konnte. Ich beschloß, ihn zu fragen, wenn wir diesem Schlamassel hier entgehen sollten.

    Schließlich hatte ich wenig Lust, als schwimmender Kokon den Inu hinunterzutreiben - sofern unsere feinde uns diese Ehre bereit waren anzutun! Und wenn, dann wollte ich gerne den Grund dafür wissen!

    Ein wütender Kampf entbrannte. Wir hatten keine Gelegenheit mehr, das Schiff loszumachen und davonzusegeln. Einige der Dorfbewohner waren an Bord gekommen und bedrohten uns.

    Ich bin eigentlich kein Kämpfer.

    Sofern es irgendeine andere Möglichkeit gibt, ziehe ich sie der Schlächterei vor - aber im Augenblick schien das nicht der Fall zu sein.

    Ich sah Haß in ihren Augen, eine Art des fanatischen Hasses, wie sie mir noch nie begegnet war. Die Augen der Männer blitzten und waren weit aufgerissen, so als stünden sie unter Drogen.

    Es war ein gespenstischer Anblick.

    Einem getöteten Kwinu-Barbaren nahm ich das Schwert aus der erschlafften, leblosen Hand und wehrte mich, so gut ich konnte. Die Dorfbewohner steckten das Schiff in Brand. Bald fing das Segel Feuer und loderte hell auf.

    Es knisterte und ich wußte, daß dies den unweigerlichen Verlust des Schiffes bedeutete - unserem einzigen Fortbewegungsmittel für die einzige Straße in diesem Teil Korosteens, dem Fluß Inu.

    Ich sah hinüber zu Iaranos, der wie ein wildes Raubtier, das man in die Enge getrieben hat gegen seine Landsleute kämpfte. Er hieb unbarmherzig auf sie ein und stieß dabei dumpfe Schreie aus.

    Die Übermacht war zu groß, wir hatten auf Dauer keine Chance, zumal uns der Boden bald buchstäblich unter den Füßen wegbrennen würde. Ein Pfeil sauste mir dicht über den Kopf, einem Speer konnte ich nur um Haaresbreite ausweichen...

    Unsere Lage war verzweifelt und innerlich verfluchte ich bereits mein Schicksal - und Iaranos, der meiner Ansicht nach die Verantwortung für das trug, was jetzt geschah.

    Ein Kämpfer nach dem anderen sank tot zu Boden, die Planken des Schiffes färbten sich rot.

    Ich sah Toric, der an Land gesprungen war.

    Er winkte mir zu, bevor er erneut von Leuten aus dem Dorf umringt wurde.

    Komm! rief er.

    Ich sprang ebenfalls hinüber. Einerseits, um Toric zu helfen, andererseits, weil mir klar war, daß meine Überlebenschancen an Land sicher nicht geringer waren, als auf dem brennenden Flußschiff.

    Dann hörte ich ihre Rufe, wie Kriegsschreie ausgestoßen und mit fanatischer Inbrunst über die Lippen gebracht.

    Rama'ymuh! Rama'ymuh!

    Sie riefen Namen des Bringers der Kälte, wie Iaranos ihn genannt hatte.

    Ich schauderte.

    Mein Gefühl sagte mir, daß ich hier in etwas hineingezogen worden war, mit dem eigentlich nichts zu tun haben wollte. Es mußte etewas Alptraumhaftes, Furchtbares, Unausprechliches sein...

    Aber im Augenblick verstand ich nicht das Geringste.

    Und im Moment standen die Chancen nicht schlecht, daß man mir den Garaus machte, ohne daß ich je erfahren würde weshalb...

    Rama'ymuh!

    Mein Wissen über die Religion Korosteens reichte nicht aus, um zu verstehen, weshalb die wie rasend wirkenden Dorfbewohner jetzt den Namen des Gottes der Schlangen und Kriechtiere und des Bringers der Kälte auf den Lippen führten.

    In den Dschungel! rief Toric. Das ist unsere einzige Chance!

    Was wird aus den anderen?

    Toric ließ sein Schwert kreisen. Sein Geschäft war das Schädelspalten und das verstand er vorzüglich, wie er mir in diesem Moment erneut vor Augen führte.

    Sollen sie zum Teufel gehen!

    Es war wie durch ein Wunder, das wir uns vor den Fischern aus dem Dorf retten konnten. Dichtes Pflanzenwerk und ein unglaubliches Getümmel aus den verschiedensten Formen von Leben umgab uns.

    Wir hatten unsere Verfolger noch keineswegs abgeschüttelt.

    Irgendwo in unserem Rücken hörten wir ihre Stimmen und die Schläge ihrer langen Messer, mit denen sie sich ihren Weg bahnten.

    Sie waren im Vorteil, den sie waren an die Verhältnisse hier gewöhnt. Aber für Toric und mich war alles neu. Nie hatte ich zuvor auch nur einen Schritt vor die Tore einer korosteenischen Stadt getan oder hatte mich vom Ufer des Inu ins Landesinnere begeben!

    Es gab kaum eine Möglichkeit sich zu orientieren. Wenn wir Pech hatten, dann liefen wir im Kreis oder direkt in die Arme unserer Verfolger. Mit den Schwerten mußten wir uns Weg durch das Grün bahnen. Überall bewegte sich etwas, seltsame, nie gehörte Geräusche ließen uns zusammenzucken.

    Als die Nacht hereinbrach, hatte es keinen Sinn mehr, weiterzuziehen. Wir suchten uns also einen Platz zum Lagern.

    Ein Feuer zu entzünden wagten wir nicht, um unsere Verfolger nicht unnötig auf uns aufmerksam zu machen.

    So saßen wir dann in der Finsternis den Dschungels. Ein Rest des fahlen Mondlichts drang durch die Kronen der Urwald-Riesen.

    Ich frage mich, was diese Wilden auf einmal gegen uns hatten! meine Toric. "Da muß doch etwas dahinterstecken!

    Hast du diesen Glanz in ihren Augen gesehen!"

    Es war wie ein plötzlicher Anfall von Wahnsinn! meinte ich. Aber wodurch wurde er ausgelöst?

    Die Stunden gingen dahin, ohne daß wir in dieser Nacht viel Schlaf fanden. Immer wieder schreckten uns Bewegungen und Geräusche auf.In diesem wimmelnden Chaos aus purem Leben gab keine Nachtruhe.

    Aber dann glaubten wir einemal - es muß bereits irgendwann nach Mitternacht gewesen sein - Schritte zu hören. Und das bedeutete für Toric und mich möglicherweise Lebensgefahr.

    Wir schreckten hoch und griffen zu den Schwertern. Jeden Moment erwarteten wir den Angriff aus der Finsternis.

    Wir sahen sich bewegende, zurückweichende Blätter und Stauden und hörten verschiedene Geräusche, die nicht in den Kanon dessen paßten, was bisher in diesem Urwald an unsere Ohen gedrungen war. Jemand bahgnte sich da seinen weg durch das grün.

    Dann tauchte ein schwarzer Schemen auf. Kaum erkennbar, daß es sich um einen Menschen handelte.

    Toric hob sein Schwert.

    Glücklicherweise erkannte er die schattenhafte Gestalt noch rechtzeitig. Es war Iaranos.

    Wir hatten dich schon aufgegeben! meinte ich. Was ist aus den anderen geworden?

    Tot!, meinte Iaranos düster.

    Alle?

    Ich weiß es nicht, ich habe niemanden mehr gesehen! Ich hatte Glück, in den Dschungel zu entkommen! Eine weile haben sie mich noch verfolgt, abner ich bin hier geboren! Ich weiß, wie man sich im ewigen Grün verbergen kann!

    Nach kurzer Pause meinte ich: Findest du nicht, daß du uns ein paar Antworten schuldig bist?

    Du bist ein Kesrog. Dasselbe gilt für Toric!

    Nein, diese Ausflüchte lasse ich jetzt nicht mehr gelten Iaranos! beharrte ich. Außerdem verbitte ich mir in zukunft, daß du mich mit diesem Wort belegst!

    Es ist nuneinmal so, erwiderte er überheblich. Ihr seid Kesrog und nichteinmal die Götter selbstr können daran etwas ändern!

    Mir gefiel das nicht und ich hatte das Gefühl, daß es Toric ebenso erging. Wir waren bereits einmal fast getötet worden, weil wir nicht wußten, in welche Sache wir uns ohne unser Wissen durch Iaranos hatten verwickeln lassen.

    Und beim nächsten Mal hatten wir vielleicht weniger Glück.

    Toric setzte ihm plötzlich die Schwertspitze an den Hals.

    Ich denke, es ist Zeit, daß du uns reinen Wein einschenkst! meinte er. "Ich möchte meinen Kopf noch länger zwischen den Schultern tragen!

    Iaranos lachte freudlos.

    Deinen Kopf? Du machst dir Sorgen um deinen Kopf?

    Worum sonst?

    Du solltest dich lieber um deine Seele sorgen, Ventorianer!

    Toric verzog den Mund.

    Ich glaube nicht daran, daß es soetwas gibt!

    Ja, meinte Iaranos schneidend. Weil du eben auch ein Kesrog bist!

    Toric verstärkte den Druck seiner Schwertspitze.

    Du hast die Wahl... zischte er. Mag sein, daß mit deiner Seele dann noch alles in Ordnung ist, aber deinen Kopf kannst du gleich in den Arm nehmen, wenn du nicht endlich anfängst zu reden!

    Iaranos schluckte.

    Gut, sagte er schließlich. Warum nicht? Ich glaube nicht, daß ihr diese Geschichte versteht, aber ich kann sie euch ja trotzdem erzählen, wenn ihr sie unbedingt hören wollt!

    Kapitel 7: Das Erbe von Inuakatan

    Iaranos setzte sich schwerfällig auf einen umgefallenen Baumstamm. Seine Augen wanderten in die Ferne, als ob er sich nach einem kaum mehr fassbaren Grund jenseits des unheimlichen Dschungels umblickte. Toric ließ das Schwert nur zögerlich sinken, jeder Muskel seines Körpers war bereit, auf die nächste Bedrohung zu reagieren. Ich selbst spürte die Kühle auf meiner Haut, ein treffendes Zeichen für die Dringlichkeit und Gefährlichkeit der Geschichte, die wir gleich hören würden.

    Die Geschichte von Rama'ymuh beginnt nicht mit meinem Leben und wird auch nicht mit meiner Erzählung enden. Sie reicht zurück in die tiefsten Abgründe der Menschheitsgeschichte, weiter als das Gedächtnis der Menschen im Stande ist, sich anzunehmen. Rama'ymuh ist kein Gott, wie ihr ihn kennt. Er ist eine Macht, eine Präsenz, die in den Wurzeln und im Herzen dieses Landes verwurzelt ist.

    Seine Stimme war monoton, voller Resignation, aber auch durchdrungen von einer seltsamen Ehrfurcht. Meine Augen verengten sich, ich wusste schon jetzt, dass dies keine einfache Beichte werden würde.

    Ihr seht die toten Bäume und das faulige Wasser, die schwärenden Wunden in der Natur. Das ist das Werk von Rama'ymuh und seinen Anhängern. Sie glauben, dass durch Tod und Verfall neues Leben entstehen kann, doch was sie tatsächlich heraufbeschwören, ist nur Endlosigkeit und Verzweiflung.

    Toric und ich warfen uns flüchtige Blicke zu, Kommunikationsmittel zwischen noch unvertrauten Verbündeten. Wir wollten wissen, wie tief Iaranos in diesen dunklen Kult verstrickt war.

    Iaranos fuhr fort.

    Ich wuchs in dem Dorf auf, das ihr angegriffen habt. Meine Eltern waren einfache Fischer, aber tief in sich trugen sie die alte Religion. Eine Religion, die mit Blut und Ritualen über Generationen weitergegeben wurde. Als junger Mann wurde ich in diese Kulte eingeführt, aber ich flüchtete, weil ich nicht an die finsteren Mächte glauben wollte, von denen sie sprachen.

    Und warum dann jetzt? fragte ich scharf, mein Misstrauen konnte ich kaum verbergen.

    Iaranos seufzte schwer, als ob die Last der ganzen Welt auf seinen Schultern ruhte. Weil ich einen Fehler gemacht habe. Ich habe an Ritualen teilgenommen, verbotene Rituale. Und ich habe einen Preis bezahlt, der über mein eigenes Leben hinausgeht.

    Er zog ein antikes Amulett aus seiner Tasche, ein kleines, schwarzes Schlangenabbild. Ich bin tatsächlich für den Tod vieler Menschen verantwortlich. Denn ich, und nur ich, habe den Bann gebrochen, der Rama'ymuh band. Durch ein Ritual, das längst in Vergessenheit geraten war.

    Das erklärt immer noch nicht, warum wir hier sind und warum dein eigenes Dorf versuchte, uns zu töten, drängte ich, meine Geduld am Ende.

    Ihr seid hier, weil der Gottkönig glaubt, dass nur durch meine Rückkehr und durch ein weiteres Ritual, das Gleichgewicht wiederhergestellt werden kann. Ihr seid meine Schutzwächter, ob ihr das wollt oder nicht. Und das Dorf... hat nicht versucht, uns zu töten. Sie haben versucht, mich aufzuhalten. Sie fürchten, dass meine Rückkehr nur weiteres Unglück bringen wird.

    Plötzlich kam mir ein schrecklicher Gedanke. Du wirst für ein weiteres Ritual gebraucht. Ein Ritual, das vielleicht noch unvorstellbarere Konsequenzen hat.

    Iaranos nickte. In Inuakatan gibt es eine alte Tempelanlage, versteckt im Dickicht des Waldes. Dort wird das Ritual stattfinden. Und glaubt mir, auch ich fühle mich dabei wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird.

    Toric und ich saßen still da, jeder in tiefes Nachdenken versunken. Was wir tun sollten, war ungewiss, aber eins war klar: Wir hatten keine Möglichkeit nach Gunland oder Ventor zu fliehen. Wir waren gefangen in diesem Land der Götter und des Verfalls, und das einzige, was wir tun konnten, war weiterzumachen, mit Iaranos an unserer Seite.

    Am nächsten Morgen brachen wir auf, uns der unheimlichen Bestimmung zu stellen, die uns erwartete. Der Dschungel nahm uns wieder auf, die

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