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Die Goldschmiede im Sternenweg: Roman | Ein herzerwärmender Wohlfühl-Roman für gemütliche Stunden – nicht nur zwischen Weihnachten und Silvester!
Die Goldschmiede im Sternenweg: Roman | Ein herzerwärmender Wohlfühl-Roman für gemütliche Stunden – nicht nur zwischen Weihnachten und Silvester!
Die Goldschmiede im Sternenweg: Roman | Ein herzerwärmender Wohlfühl-Roman für gemütliche Stunden – nicht nur zwischen Weihnachten und Silvester!
eBook245 Seiten2 Stunden

Die Goldschmiede im Sternenweg: Roman | Ein herzerwärmender Wohlfühl-Roman für gemütliche Stunden – nicht nur zwischen Weihnachten und Silvester!

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Über dieses E-Book

Zusammen ist alles besser als allein

Im Sternenweg entdeckt Paula die alte Schmiede und ist sofort verzaubert. Doch die Nachbarschaft fordert Paulas Nervenkostüm heraus. Die Kinder von nebenan stellen ihr gefüllte Wassereimer vor die Tür, der ehemalige Bergarbeiter hört nicht auf zu plaudern, und die Lebkuchenbäckerin will ihr immer mehr Gebäck in die Tasche stapeln. Es scheint, dass Paula zur rechten Zeit am falschen Ort ist. Aber als das ganze Dorf einschneit und ihr altes Funkgerät die einzige Verbindung zur Außenwelt ist, merkt sie, dass sie gern gebraucht wird und hinter der manchmal gewöhnungsbedürftigen Fassade der Nachbarn sehr liebenswerte Seelen wohnen.

SpracheDeutsch
HerausgeberHarperCollins eBook
Erscheinungsdatum26. Sept. 2023
ISBN9783749905867
Die Goldschmiede im Sternenweg: Roman | Ein herzerwärmender Wohlfühl-Roman für gemütliche Stunden – nicht nur zwischen Weihnachten und Silvester!
Autor

Lena Hofmeister

<p>Lena Hofmeister wurde 1985 geboren und lebt in Frankfurt am Main. Neben ihrer Arbeit als Lektorin und Autorin hat sie jahrelang einen ganzen Wald an Zimmerpflanzen großgezogen – bis sie beschlossen hat, fünf buddelwütigen Katzen ein Zuhause zu geben.</p>

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    Buchvorschau

    Die Goldschmiede im Sternenweg - Lena Hofmeister

    Zum Buch:

    Vor Jahren hat Paula den kleinen Ort im deutschen Mittelgebirge verlassen, jetzt ist sie zurück in Lautenbach, weil ein Auftrag der Marketingagentur sie hergeführt hat. Prompt sind die alten Auseinandersetzungen mit ihren Eltern wieder spürbar, und doch hat sich vieles verändert im Dorf ihrer Kindheit. Paula fühlt nicht nur die alte Verbundenheit wieder, sondern auch die großen Träume, die sie verdrängt hatte. Auch die Begegnung mit dem THW-Mitarbeiter Eric, der ihr aus einer Schneewehe hilft, beeindruckt Paula. Kann es sein, dass Lautenbach am Ende der einzige Ort ist, an dem sie glücklich werden kann?

    Zur Autorin:

    Lena Hofmeister wurde 1985 geboren und lebt in Frankfurt am Main. Neben ihrer Arbeit als Lektorin und Autorin hat sie jahrelang einen ganzen Wald an Zimmerpflanzen großgezogen – bis sie beschlossen hat, fünf buddelwütigen Katzen ein Zuhause zu geben.

    Lieferbare Titel:

    Das kleine Café der Bücherträume

    Das kleine Waldcafé der Träume

    Die Goldschmiede im Sternenweg

    Originalausgabe

    © 2023 by HarperCollins in der

    Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH, Hamburg

    Covergestaltung von Büro Süd GmbH

    Coverabbildung von Sandra Cunningham / Trevillion Images,

    www.buerosued.de unter Verwendung von shutterstock

    E-Book-Produktion von GGP Media GmbH, Pößneck

    ISBN E-Book 9783749905867

    www.harpercollins.de

    Kapitel 1

    Der Bahnhof von Lautenbach war deutlich kleiner, als Paula ihn in Erinnerung hatte. Das alte Bahnhofsgebäude mit dem Schieferdach duckte sich neben dem ersten von zwei Gleisen, und Absperrband verschloss seine Tür. Früher hatte es hier einen Warteraum gegeben. Als Paula weggezogen war, um zu studieren, hatte sie von Plänen gehört, dass ein Fast-Food-Restaurant in das Gebäude einziehen solle. Offensichtlich war daraus nie etwas geworden.

    Sie zerrte am Griff ihres Koffers, bis er ausfuhr und sie das Gepäckstück hinter sich herziehen konnte. Während sie den Bahnsteig hinunterging, blickte sie sich suchend um. Ihre Eltern hatten versprochen, sie abzuholen. Sie würden das doch nicht etwa vergessen haben?

    Der Bahnhof lag am Rand des Tals, in dem Lautenbach sich erstreckte, und so klein er Paula nach den Jahren, die sie in der Stadt verbracht hatte, auch vorkam, die Berge ringsum schienen gewachsen zu sein. Kluftig und bedeckt von dunklen Tannenwäldern ragten sie in den klaren Winterhimmel.

    Der Harz war natürlich nicht das beeindruckendste Gebirge, das Paula je gesehen hatte, es fehlten die verschneiten, jungen Gipfel, die sie von ihren Skiurlauben in den Alpen kannte. Aber nach ihrer Zeit in Frankfurt strahlte er für sie dennoch eine raue Wildheit aus, die sie nicht mehr gewohnt war.

    Auch die Kälte kam ihr beißender vor. Die Finger, die den Griff des Koffers hielten, schmerzten nach kurzer Zeit. Paula wünschte, sie hätte Handschuhe eingepackt.

    Sie erreichte den Weg, der am Bahnhofsgebäude zur Straße führte. Der Koffer sprang und holperte über Kopfsteinpflaster, und Paula fluchte, als er umkippte. Immerhin trug sie flache Schuhe und musste nicht auch noch mit Absätzen auf dem unebenen Boden kämpfen.

    Endlich erreichte sie den kleinen Parkplatz vor dem Bahnhof. Zwischen Grünstreifen mit kahlem Gestrüpp darauf stand dort ein einziges Auto. Als Paula sich näherte, öffnete sich die Fahrertür.

    »Da bist du ja! Komm, beeil dich! Du musst doch frieren!«

    Paula beschleunigte ihre Schritte. »Du hättest mir sagen können, dass du auf dem Parkplatz wartest!«

    Ihre Mutter war sichtlich gealtert. Die Frau, die Paula damals eröffnet hatte, dass sie ihr nicht die Meisterprüfung zur Goldschmiedin bezahlen würde und darauf bestehe, dass Paula etwas Anständiges lernte, hatte ihre Falten noch unter deutlich weniger Make-up zu verstecken versucht. Die Hände, die Paulas Mutter zur Begrüßung nach ihr ausstreckte, waren knotiger geworden, darüber konnten auch die perfekt manikürten Fingernägel nicht hinwegtäuschen.

    Doch auch die Wut, die zwischen ihnen stand und die Paula seit Jahren von Lautenbach ferngehalten hatte, war ein wenig abgekühlt. Also ergriff sie die Hände und ließ sich zwei dicke Schmatzer auf die Wangen drücken. Der vertraute Geruch nach dem bevorzugten Parfüm ihrer Mutter hüllte sie ein.

    Zufrieden schob Marion ihre Tochter ein Stück von sich. »Gut siehst du aus! Du hast was aus dir gemacht.«

    Paula hatte es nicht geschafft, den Hosenanzug für den Geschäftstermin morgen so in den Koffer zu bekommen, dass er nicht knitterte, und ihn kurzerhand auf der Fahrt getragen. Der Kunde war wichtig, das hatte ihr Chef ihr mehrfach eingeschärft. Er besaß mehrere Touristenattraktionen in ganz Deutschland, und auch wenn diese hier nur ein altes Bergwerk war, versprach der Kontakt weitere Aufträge.

    »Danke«, sagte sie, obwohl ihr ganz andere Worte auf der Zunge lagen. Ihr Traum war es gewesen, ihren eigenen Schmuck herzustellen und zu verkaufen. Stattdessen entwarf sie jetzt die Marketingkampagnen anderer Leute.

    Ihr Koffer landete im Kofferraum, und wenig später saß Paula auf dem Beifahrersitz und wärmte sich die Hände an der Autoheizung.

    »Ich hatte ganz vergessen, wie kalt die Winter hier sind«, sagte sie.

    Ihre Mutter lächelte. »Keine Sorge, die nächsten Tage sollen ein bisschen wärmer werden. Um die null Grad. Dann kriegen wir vielleicht endlich auch Schnee. Die letzte Zeit war zu kalt dafür. Aber kein Schnee an Weihnachten, das wäre traurig.«

    Paula nickte. Eine Woche Geschäftstermine, dann Weihnachten. Danach ging es wieder nach Hause. Das konnte sie schaffen. Sie hatte ihre Eltern so lange nicht gesehen, inzwischen konnten sie den alten Groll sicher begraben. Vielleicht würde sogar eine Entschuldigung von ihrer Mutter herausspringen dafür, dass sie ihr ihren Lebenstraum ruiniert hatte.

    Die besten Voraussetzungen für ein ruhiges und besinnliches Weihnachtsfest in der Familie.

    »Wir haben so lange nichts mehr von dir gehört. Erzähl doch mal, wie ist es in der großen Stadt?«

    »Groß«, antwortete Paula knapp. Doch wenn sie eine Versöhnung wollte, dann musste sie ihrer Mutter wohl oder übel entgegenkommen. Ihre Ankunft hier war der erste Schritt gewesen, es war klar, dass sie würde weitergehen müssen. »Ich bin letztes Jahr noch mal umgezogen«, fügte sie hinzu. »Jetzt habe ich eine nette Altbauwohnung ganz in der Nähe der Arbeit.«

    »Oh, du musst uns mal einladen!«

    Ja, vielleicht würde Paula das sogar tun. Vorausgesetzt, der Besuch in Lautenbach lief gut.

    Als wäre der Gedanke ein Stichwort gewesen, nahm Marion den Blick kurz von der Straße, um ihre Tochter anzulächeln. »Ich wette, du bist inzwischen froh, nicht hier in diesem verschlafenen Nest Goldschmiedin geworden zu sein.«

    Paula nahm die Hände von der Heizung. Mit einem Mal war ihr warm genug. Wie es aussah, war ihr Groll doch noch nicht weit genug abgekühlt. Es hatte nur einen Funken gebraucht, um ihn wieder aufflammen zu lassen, und die Tatsache, dass ihre Mutter noch immer nicht bereute oder zumindest verstand, was sie ihrer Tochter damals verwehrt hatte, reichte aus.

    »Du hattest nicht das Recht, das für mich zu entscheiden!«

    Paulas Mutter lächelte weiter. »Es ist mein Geld, Liebes. Ich entscheide, wofür ich es ausgebe.«

    Oh, wie sehr Paula diese Art der Argumentation hasste. »Es ist mein Leben!«

    »Und? Du hast eine schöne Altbauwohnung in Frankfurt und einen Job bei einer angesehenen Marketingagentur, der dich in interessante Gegenden verschlägt. Was willst du mehr?«

    »Ich weiß nicht«, entgegnete Paula eisig. »Vielleicht das tun, was ich eigentlich tun wollte.«

    »Ach Liebes, jetzt sei doch nicht so. Du bist gerade erst angekommen. Wir wollen jetzt nicht direkt streiten.«

    Paula verbiss sich die Antwort, die ihr auf der Zunge lag. Stattdessen lehnte sie sich in ihrem Sitz zurück und schwieg. Sie hatte nicht vorgehabt, gleich am ersten Abend das kritische Thema anzusprechen. Aber ihre Mutter hatte es ja mal wieder nicht lassen können. Vielleicht hätte sie doch ein Hotelzimmer nehmen sollen. Vielleicht hätte sie zwischendurch öfter herkommen sollen, nur um nicht zu vergessen, wie frustrierend Gespräche mit ihrer Mutter sein konnten.

    »Dein Vater macht Lasagne«, plapperte Marion unbeeindruckt weiter. »Lass uns den Abend genießen. Ich freue mich so sehr, dass du wieder hier bist. Und ich bin stolz auf dich. Du hast wirklich etwas aus dir gemacht.«

    Paula antwortete nicht mehr. Es war nur eine Woche. Sie konnte vor Weihnachten wieder heimfahren, wenn sie wollte. Anstatt auf ihre Mutter konzentrierte sie sich auf das, was jenseits des Autofensters lag.

    Lautenbach war ein malerisches kleines Städtchen. Schmale Gassen, durch die das Auto gerade so hindurchpasste, und Fachwerkhäuser, deren obere Stockwerke sich einander entgegenneigten. Auch die Fassaden der etwas moderneren Häuser waren mit Schiefer vertäfelt. Man schaute durch hölzerne Fensterkreuze in die Welt hinaus.

    Sie ließen die Stadtmitte hinter sich und fuhren auf der anderen Seite des Ortes wieder den Hang hinauf. Paulas Eltern wohnten in einer Sackgasse. Hinter dem Haus erhob sich direkt der Wald.

    Als sie in den Sternenweg abbogen, schaute Paula sich neugierig um. Da war die Lebkuchenbäckerei, die sie in ihrer Kindheit schon geliebt hatte. Der alte Volker führte sie bestimmt nicht mehr, aber offensichtlich hatte sich ein Nachfolger gefunden.

    Paulas Mutter bemerkte den Blick. »Irgend so ein Schwuler hat die Bäckerei übernommen.«

    Paula schnappte nach Luft. »Mama, du kannst nicht einfach rumlaufen und Leute schwul nennen!«

    »Der ist aber einer«, behauptete Paulas Mutter stur. »Die Rosi hat ihn auf dem Weihnachtsmarkt mit einem aus dem Nachbarsdorf gesehen. Das war sehr unanständig, hat sie gesagt.«

    »Oh Gott, Mama, wir leben im 21. Jahrhundert.« Das war etwas, das Paula ganz sicher nicht vermisst hatte: der Dorfklatsch. Sie erinnerte sich noch gut an die Gespräche im Supermarkt. Ich hab gehört, du willst in die Stadt ziehen? Das freut mich aber für dich.

    Teilweise hatte Paula noch nicht einmal die Namen der Leute gekannt, die sie angesprochen hatten. Alles wahrscheinlich Freunde ihrer Mutter oder Freunde dieser Freunde.

    Einige Häuser weiter führte Paulas Mutter ihren Kommentar fort. »Die Margarete ist letztens gestorben. Erinnerst du dich? Margarete Künzel. Der Lothar wohnt jetzt ganz allein in dem maroden Haus. Das tut ihm nicht gut, muss ich sagen. Es wird Zeit, dass der ins Heim zieht.«

    Mit dem Ehepaar Künzel hatte Paula sich immer gut verstanden, als sie jünger gewesen war. Sie hatten einen süßen kleinen Yorkshireterrier gehabt, und hin und wieder hatte Paula ihn ausführen dürfen. »War die Beerdigung schon?«

    »Ja, ist schon zwei Monate her. Ich hätte es dir ja erzählt, aber du rufst so selten an.«

    Paula ignorierte den unterschwelligen Vorwurf. »Es tut mir sehr leid für den Lothar.«

    »Ja«, stimmte ihre Mutter sofort zu. »Schrecklich, das. Aber sie hatte ein langes erfülltes Leben, würde ich sagen. Die ist über achtzig geworden!«

    Am nächsten Haus blieb Paulas Blick lange hängen. Im Vorbeifahren drehte sie sich in ihrem Sitz, um sich noch nicht davon lösen zu müssen. Die Farbe der Fachwerkfassade blätterte ab, der kleine Vorgarten war verwildert, das alte Schaufenster staubig und stumpf. Doch im oberen Teil des Hauses brannte Licht.

    »Jemand hat die Goldschmiede übernommen?«

    Karl-Heinz Jansen, ihr alter Lehrmeister, war eine Woche vor Paulas Meisterprüfung mit einem Herzinfarkt ins Krankenhaus gekommen und kurz darauf verstorben. Die Erinnerung an die Sirene des Krankenwagens mitten in der Nacht, der nur ein paar Häuser von ihrem Elternhaus entfernt hielt, kam mit Wucht zurück. Paula hatte damals schnell Schuhe und Jacke übergestreift, war in den kalten Januar hinausgelaufen und hatte versucht zu erfahren, was passiert war. Man bringe den älteren Herrn ins Krankenhaus, hatten die Sanitäter ihr gesagt. Nicht mehr, da sie ja nicht zur Familie gehörte. Hilflos hatte sie auf der dunklen Straße gestanden und dem blauen Blinken hinterhergesehen.

    Mit Karl-Heinz Jansen waren auch ihre Träume gestorben.

    Die Meisterprüfung anderswo zu machen, das wäre teuer geworden. Ein guter Vorwand für Paulas Mutter zu unterbinden, was sie sowieso nie gutgeheißen hatte.

    »Ach ja«, drang Marions Stimme durch den Nebel der Erinnerung. »Das ist irgendeine Fremde, ich glaube, aus der Pfalz, oder so. Sie redet nicht viel mit den Nachbarn, aber hin und wieder kommen Handwerker, die irgendwas renovieren.«

    Eine Mischung aus Neid und Erleichterung durchzuckte Paula. Das hätte sie sein können, sie hätte dieses Geschäft übernehmen können. Gleichzeitig war sie froh, dass die alte Schmiede nicht einfach so verfiel. Hier hatte sie die glücklichsten Jahre ihres Lebens verbracht. Hoffentlich kümmerte sich die neue Besitzerin gut darum.

    »Bleibt es eine Goldschmiede?«, fragte sie.

    »Die Rosi behauptet, ja. Die Cousine von der Rosi hat beim Bäcker letzte Woche ein bisschen mit der Neuen reden können.« Paulas Mutter steuerte das Auto in die Einfahrt ihres eigenen Hauses, und die Schmiede verschwand hinter der Hecke rund um das Grundstück. Paula wandte sich wieder nach vorne. Eine neue Goldschmiedin direkt neben ihrem Elternhaus. Wenn das nur sechs Jahre früher passiert wäre.

    Das Brummen des Motors erstarb, und Paula stieg aus, holte ihren Koffer aus dem Kofferraum.

    »Dein altes Zimmer ist jetzt mein Büro«, sagte ihre Mutter. »Aber das Bett steht noch drin. Ich hab’s dir hergerichtet.« Sie eilte über den Kiesweg von der Garage zur Eingangstür. Diesmal beschloss Paula, den Koffer einfach zu tragen.

    Direkt an der Eingangstür schlug ihr der Duft von Lasagne entgegen. Paula atmete tief ein. Wenn ihr Vater kochte, war es immer lecker.

    »Thomas!«, rief ihre Mutter. »Rate mal, wer da ist!«

    Paulas Vater erschien mit einem Lächeln in der Küchentür.

    Sie ließ ihren Koffer stehen und lief ihm entgegen. Ihn hatte sie tatsächlich vermisst. Während er sie in eine feste Umarmung schloss, lehnte sie den Kopf an seine Schulter. Er hatte ein wenig zugenommen in den letzten Jahren, war wie ein Kissen, in das sie hineinsinken konnte. Als Kind hatte sie sich immer gerne bei ihm angekuschelt, während er ihr Geschichten erzählt hatte.

    »Hallo, Liebes«, brummte er. »Willkommen zurück im Sternenweg.«

    Kapitel 2

    Der nächste Morgen empfing Paula mit Sonnenschein, der sie an der Nase kitzelte. Sie kniff die Augen fester zu und drehte sich zur Wand. Wo kam die blöde Sonne denn her? Ihr Apartment lag im Schatten der Frankfurter Wolkenkratzer.

    Und Moment, wenn die Sonne schon schien, kam sie dann nicht viel zu spät zur Arbeit?

    Schlagartig saß Paula aufrecht im Bett.

    Im nächsten Moment atmete sie lang aus.

    Sie war nicht in Frankfurt. Sie war gestern zu ihren Eltern gefahren, und nun lag sie auf der Klappcouch, die ihre Mutter anstelle des Bettes in Paulas altes Zimmer gestellt hatte. Sie musste heute nicht ins Büro.

    Während sich Paulas Herzschlag langsam wieder beruhigte, ließ sie den Blick durch ihr ehemaliges Zimmer schweifen. Daran, dass diesmal ihr Kinderzimmer gewesen war, erinnerte praktisch gar nichts mehr. An der gegenüberliegenden Wand stand ein Schreibtisch, daneben ein paar Regale mit Ordnern. Sie waren mit »Steuererklärung« beschriftet oder mit »Krankenkasse«.

    Die Wand gegenüber der Tür bestand aus einer Dachschräge mit etwa fünfzig Zentimeter hohem Kniestock, nur durchbrochen von einem Dachflächenfenster. Davor hing immer noch der lila Vorhang, den Paula sich als Teenager selbst ausgesucht hatte. Immerhin etwas Vertrautes.

    Sie tastete nach ihrem Handy auf dem kleinen Beistelltisch neben der Couch. Es war bereits kurz vor zehn. Offensichtlich hatte die Fahrt gestern sie mehr geschlaucht als gedacht.

    Es bedeutete außerdem, dass sie noch ein paar Minuten hatte, bis ihr Wecker klingelte, der sie daran erinnern sollte, sich auf den Kundentermin vorzubereiten. Dass sie so lange schlafen würde, war nicht geplant gewesen. Sie war zum Mittagessen mit den Kunden verabredet. Ein Frühstück lohnte sich jetzt wohl nicht mehr, aber ein Kaffee klang nach einer guten Idee.

    In der Küche war niemand, als Paula dort noch im Schlafanzug hineinlugte. Die Stimme ihrer Mutter erklang aus dem Wohnzimmer, offensichtlich sprach sie mit irgendwem am Telefon. Gut, vielleicht bedeutete das, dass Paula ihre Ruhe hatte,

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