Über dieses E-Book
In diesem Buch hat sie 35 Geschichten zusammengestellt. Sie schreibt autofiktiv, wobei das autobiografische stark überwiegt.
Der Zeitrahmen der Geschichten umspannt ihr gesamtes Leben, ihre Kindheit, ihre Jahre in verschiedenen Ländern Afrikas, in Brasilien, Ägypten und auch Zeiten in Deutschland. Immer wieder geht es um Begegnungen.
Die Sammlung dieser 35 Geschichten erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Wie der Titel 1956.1 bereits andeutet, soll es weitergehen mit dem Erzählen.
Marion Fischer
Marion Fischer, geboren 1956 in Neheim-Hüsten, jetzt Arnsberg, liebt seit ihrer Kindheit das Lesen und das Reisen. 1975 ging sie zum Studium der Afrikanistik und Geographie nach Marburg. Schon während ihres Studiums reiste sie u. a. nach Japan und nahm an mehreren Freiwilligeneinsätzen in Afrika teil. Nach Beendigung ihres Magister-Studiums erhielt sie ein Stipendium des DAAD für einen Forschungsaufenthalt in Burkina Faso, der den Ausschlag dafür gab, im Anschluss in der Entwicklungszusammenarbeit tätig zu werden. Sie lebte in verschiedenen Ländern Afrikas, in Brasilien, Deutschland und Ägypten. Seit 2018 ist sie, unterbrochen von Reisen und Freiwilligeneinsätzen, wieder in Marburg ansässig.
Ähnlich wie 1956.1 Das Nie-Vergessen
Ähnliche E-Books
Tagesbuch eines illegalen Einwanderers Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenRückkehr nach Europa Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDie UnWillkommenen Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDie Gerissene Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDie Erkundung Europas: Von Reisen in und um Europa Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenOdyssee nach Westafrika: Eine Suche nach unserem Platz in der Welt Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenIch bleibe Ich: Eine Autobiografie Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenMutti, sind wir Stasi?: Roman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDanke: Wie Österreich meine Heimat wurde Bewertung: 0 von 5 Sternen0 Bewertungenallerhand und überhaupt: humoristische und satirische Kurzgeschichten Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDie erste Reise: Weil sie den Blick auf die Welt, das Leben und auf einen selbst verändert – wie die erste Liebe Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenWüste Welt Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenTranssahara-Express 1979: Fahrt ins Chaos Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenMarokkanischer Whisky: Im Königreich der untergehenden Sonne Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenReiseskizzen: Abseits der Trampelpfade durch die halbe Welt Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenAmerika mit dem Fahrrad: Abenteuer zwischen Alaska und Feuerland Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenQueen July: Roman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDer letzte Jude von Tamentit Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenHüzün ... das heißt Sehnsucht: Wie wir Deutsche wurden und Türken blieben Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDER BLAUE MANN: Mein marokkanisches Märchen Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenTränen am Ararat: Die Reise - Aufarbeitung - Wieder Tränen Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenAbenteuer in Afrika Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenZweistromland: Roman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenVerloren im Salsa-Fieber: Ein Kommissar Ela/Singe Roman aus Berlin Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenAbou findet seine Menschen: Eine Katzengeschichte aus Syrien Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenZwei Leben Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDie Enkelin: oder wie ich zu Pessach die vier Fragen nicht wusste Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenJiyaneke din – ein anderes Leben Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenEin Teppich aus Andacht: Reisetagebuch Marokko Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenRückwärts auf den Stöckelschuhen, die Balance finden - Querdenkerin Bewertung: 0 von 5 Sternen0 Bewertungen
Biografien / Autofiktion für Sie
Der Mann ohne Eigenschaften Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDer Idiot: Roman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenKrieg und Liebe: Erich Maria Remarque und die Frauen Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenStolz und Vorurteil: Vollständige deutsche Ausgabe mit neuer Rechtschreibung Bewertung: 0 von 5 Sternen0 Bewertungen33 Länder, 33 Wochen, 33 Jobs: Als Jobhopper unterwegs von Aalborg bis Zagreb Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenHinter Frack und Fliege: Intime Geschichten um die Wiener Symphoniker 1977 bis 1988 Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenMontaigne Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenSeelenTanz: John Cranko und das Wunder des Balletts Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenGanz normale Tage: Geschichten von Träumen und Traumata Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDer Neurochirurg, der sein Herz vergessen hatte: Eine wahre Geschichte Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDIE SEELE IM JENSEITS. Erleuchtung geschieht, wenn von uns nichts als Liebe übrig ist Bewertung: 5 von 5 Sternen5/5Bahnwärter Thiel Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenMao Zedong. ›Es wird Kampf geben‹: Eine Biografie Bewertung: 4 von 5 Sternen4/5Im Familiengericht mit einem Narzissten: Russisches Roulette in deutschen Behörden Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenIch schwimme nicht mehr da, wo die Krokodile sind Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenWolfgang Borchert: Alle Werke, alle Schriften: Die Gesamtausgabe Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenMagellan Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDie Tochter des Bildhauers Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDer Trinker: - Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenAchterbahn - Eine Biografie Bewertung: 5 von 5 Sternen5/5Limonow Bewertung: 4 von 5 Sternen4/5Kundalini und die Lehren eines Meisters Bewertung: 4 von 5 Sternen4/5Warum nur einen lieben, wenn ich alle haben kann?: Bekenntnisse einer Nymphomanin Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenWie das Jugendamt wirklich tickt: Meine Erfahrungen mit dem Jugendamt Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenEiserner Wille: Mein Leben und die Lektionen von Cus D'Amato Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDraußen vor der Tür Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenYo es otro. Septología III-V: Septología III-V Bewertung: 0 von 5 Sternen0 Bewertungen
Rezensionen für 1956.1 Das Nie-Vergessen
0 Bewertungen0 Rezensionen
Buchvorschau
1956.1 Das Nie-Vergessen - Marion Fischer
Inhaltsverzeichnis
Bonbons
Wie meine Mutter mir das Lügen austrieb
Schwester Romana
Ugali
Ankommen
Tage in Diebougou
Ambroise
Der Pass
Der Schleier
Essen
Der Ausflug
In Verbindung bleiben
Jo
Das rosane Haus
Das Vertrauen
Silvestre
Das fremde Kind
Auf dem Dach
Viel zu nah
Das Erbe
Überblick oder das Oberstübchen
Der Schein
Der schwarze Minister
Ein dicker dunkler Stein
Tiwi
Wassergeister
Die rosarote Brille
Der Weg
Die Kur
Die Kakerlake
Schaukeln
Der Mietwagen
Der Nabel der Welt
Aufs Angenehmste
Während ich in Marburg auf meiner
Terrasse einen Rotwein trinke
Danksagung
Ich danke ganz herzlich:
Barbara Seifert für die Einführung ins Schreiben durch mehrere Schreibkurse und das Lektorat von Texten in der Schreibgruppe
Bodo und Ulrike Kirchhoff dafür, dass ich an ihren Schreibkursen teilnehmen durfte
Dr. Angela Schmidt-Bernhard für ihre Schreibkurse
Dr. Hilke Roeder für ihr akribisches Korrigieren meiner Texte
Nina Firl für die Unterstützung bei der Fertigstellung meines Buches
Rainer Güllich für die Unterstützung bei der Herausgabe des Buches durch BoD
Und vielen, vielen anderen, die mich immer wieder geduldig bei meiner Suche nach den richtigen Worten begleitet und sich meine Geschichten angehört haben!
Vorwort
Als ich 2020 in die Rente ging, dachte ich, es sei an der Zeit, einmal einige meiner Geschichten, die ich im Laufe meines Lebens erlebt habe, aufzuschreiben.
Die Zeit hätte nicht passender sein können, denn als ich in Rente ging, begann die Corona-Isolation und damit die Möglichkeit, meine Konzentration voll auf das Schreiben zu richten.
Hier also ein erster Wurf von Geschichten aus der Zeit von vor meiner Geburt bis heute.
Bonbons
Deutschland, vor meiner Geburt
Meine Mutter ist schon immer ein Schlitzohr gewesen. Es fiel ihr stets etwas ein, um zu ihrem
Recht zu kommen. Nichts, was ihren Mitmenschen geschadet hätte, nein. Ich kann nicht sagen, dass sie eine im üblichen Sinne emanzipierte Frau gewesen wäre. Sie hatte ihre eigenen Wege, zum Ziel zu kommen, ohne verbissen oder auch nur ernst zu werden, eher schien es ihr stets ein Späßchen zu sein.
Angefangen hat das wohl schon in ihrer Kindheit.
So erzählte sie gern, wie sie zu Bonbons gekommen ist.
Als kleines Mädchen wurde sie oft allein zum Bäcker geschickt, um Brot zu kaufen. Der Bäcker hieß Bauerdick, zu ihrer Zeit war es noch der alte Bauerdick. Er backte und seine Frau war im Laden und verkaufte. Es gab nicht nur Brot dort, sondern auch ein kleines Angebot anderer Lebensmittel. So u. a. schon zu Kinderzeiten meiner Mutter, also noch vor dem Krieg, Bonbons, viele bunte, einzeln in großen Gläsern, die dort verlockend aufgereiht standen. Die gab es sogar noch, als ich selbst dort einkaufen gehen musste, beim Sohn vom alten Bauerdick in den 60ern.
Meine Mutter hatte bei ihren Einkäufen die Erlaubnis, für sich selbst ein einziges Bonbon zu kaufen. Da sie aber schon immer Süßigkeiten über alles liebte, hatte sie einen Weg gefunden, zu mehr als einem Bonbon zu kommen. Sie könne sich einfach nicht entscheiden, sagte sie zur Bäckersfrau, sie könne sich nämlich nicht erinnern, wie welches Bonbon schmecke. Sie müsse unbedingt noch einmal verschiedene probieren. Die Bäckersfrau kannte sie schon und spielte das Spielchen mit. Das Ruthchen war ein nettes Mädchen, sie lächelte immer freundlich und hatte meist eine schöne weiße Schleife im Haar, was sie sehr wohlerzogen aussehen ließ. Sie reichte ihr also ein Bonbon nach dem anderen, die das Ruthchen mit großem Ernst und abwägenden Kopfneigungen lutschte, bis sie etwa fünf weggelutscht hatte und sie sich entscheiden musste, weil es doch sonst unverschämt gewesen wäre. Sie wollte es nicht übertreiben. Ich nehme das rote, sagte sie also, die ganze herrliche Süße noch in den Backen. Sehr gern, die Bäckersfrau packte ihr ein rotes Bonbon in ein Tütchen, reichte ihr das Brot und das Tütchen über den Tresen und nahm das abgezählte Geld entgegen. Meine Mutter bedankte und verabschiedete sich artig und ging zufrieden mit dem Einkauf nach Hause. In zwei Tagen, wenn sie ein neues Brot kaufen musste, würde das Spiel weitergehen.
Wie meine Mutter mir das Lügen austrieb
Deutschland, 1967
In meinem 11. Lebensjahr wurde ich meiner Kindheit abrupt entrissen. Von da an war es aus mit dem freien Leben in der Natur und den Abenteuern in Wäldern und auf Feldern mit den Jungs aus unserer Straße. Auch gab es keine Zeit mehr für meine bisherige Lektüre über Entdecker und Meuterer, Piraten und Freiheitskämpfer. Ich kam auf ein Mädchengymnasium, St. Ursula, das aussah wie eine Festung, mit hohen Mauern drum herum.
Eines Tages nun hatte meine Mutter mir aufgetragen, auf dem Rückweg nach dem Nachmittagsunterricht, das hieß zwei Stunden „Handarbeit", beim Bäcker vorbeizugehen und Gebäck mitzubringen, da eine Nachbarin zum Kaffee vorbeikommen wollte.
Der Handarbeitsunterricht war mir ein Graus, nicht nur, weil mich die kleinteilige Arbeit mehr als nervös machte – meine Finger fingen nach einer Weile sogar an zu zittern –, sondern auch weil ein harter Konkurrenzkampf zwischen meiner Handarbeitslehrerin und meiner Mutter über meinen Kopf hinweg tobte. Meine Mutter war Schneiderin und arbeitete akribisch genau und mit klaren Vorstellungen darüber, wie etwas gemacht werden musste. Ebenso meine Handarbeitslehrerin Fräulein Müller, ein sogenanntes altes Mädchen, das ihre ganze Leidenschaft in die richtige Erziehung von uns armen Dingern steckte.
Jedenfalls mochten sie sich nicht und so ribbelte und trennte ich auf, was das Zeug hielt, bis ich endlich gegen Bezahlung in Form von Schokolade meinen kleinen Bruder dafür einspannen konnte, die jeweils neue Version der Nadelarbeiten zu produzieren. An diesem Nachmittag war es besonders unangenehm gewesen, ich musste meinen himmelblauen, meiner Meinung nach gelungenen Topflappen wieder ganz aufribbeln und war einfach nur sauer!
So ging ich wütend und über Rachegedanken brütend geradewegs am Bäcker vorbei, meinen Auftrag völlig vergessend.
Als ich zu Hause ankam, erzählte ich erst einmal meiner Mutter, was dem Topflappen passiert war, woraufhin auch sie vor Wut tobte. Nachdem wir beide eine Weile geschimpft hatten, kam die Frage nach dem Kuchen.
Äh, der Bäcker hatte Inventur und geschlossen, log ich spontan, um nicht noch mehr Ärger zu haben.
Das ist aber dumm, meinte meine Mutter. Gleich kommt Frau Krautstein zu Besuch!
Noch zu backen, war zu spät, es klingelte schon an der Tür. Frau Krautstein wurde hereingebeten, der Kaffee gekocht, für mich ein Kakao, und meine Mutter entschuldigte sich, dass es keinen Kuchen gab. Der Bäcker habe Inventur gehabt. Frau Krautstein schaute sie erstaunt an und sagte, sie sei doch eben erst dort gewesen, da sei er aber schnell fertig geworden mit der Inventur.
Autsch! Meine Mutter warf mir einen vernichtenden Blick zu, sagte aber nichts. Erst als der Besuch wieder gegangen war, kam das Verhör. So etwas! Die eigene Mutter anzulügen und so weiter und so weiter … Sie war sehr ernst.
Am Ende sprach sie gar so etwas wie einen Fluch gegen mich aus. Ich dürfe nie wieder lügen, wann immer ich lügen würde, ich würde erwischt werden. Das solle ich mir gut merken.
Ich habe es mir gemerkt. Ich habe fast nie gelogen in meinem Leben. Nur in äußersten Notfällen oder aus Höflichkeit. Bis heute fürchte ich ihren Fluch.
Schwester Romana
Deutschland, 1972
Auf dem Gymnasium St. Ursula hatten wir eine Deutschlehrerin namens Schwester Romana. Eigentlich kannte ich sie kaum, trotzdem habe ich sie nie vergessen. Sie war von einem unbestimmten mittleren Alter, relativ groß, breit und sah eher aus wie ein Mann. Sie trug eine Brille und Schwesterntracht. Auch an
