Als Angler in Norwegen: Fjord und Fisch und Fjell
Von Armin Hirsekorn
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Buchvorschau
Als Angler in Norwegen - Armin Hirsekorn
Liebe Leser
es war vor Jahren, nachdem uns mein Freund das Land der Fjorde und Fjells so nachdrücklich und bildhaft für eine Reise empfohlen hatte. Renate und ich machten uns erstmals 1991 ohne große Vorbereitungen auf den Weg und kamen nach Mitternacht mit der Fähre in Kristiansand an. Es regnete, - die Wolken schienen sich ausschütten zu wollen.
Bild 1: Noch liegt der Morgennebel über dem Fjord im Osten.
Wir verlassen das Schiff und nehmen - ohne präzisen Plan – die erstbeste Straße. Ab und zu weist uns der spärliche Schein einer Laterne den Weg. Plötzlich ein entferntes Wetterleuchten, wir fahren einem Gewitter entgegen. Irgendwo außerhalb der Stadt halten wir an, - unsicher, müde und deprimiert. Noch regnet es kräftig, und man kann eben erkennen, dass sich die Straße zu einer kleinen Parkfläche ausweitet. So gut es geht, schaffen wir etwas Platz im Auto, legen die Rückenlehnen um und versuchen zu schlafen. Auch das eintönige Geräusch der Regentropfen auf der Karosserie – im Zelt immer wieder wirksam – bleibt ohne jeden günstigen Einfluss. Die schmerzhaften Verspannungen in Rücken, Genick, Schultern und Gliedern beenden schon nach zwei Stunden einen unruhigen Halbschlaf.
Inzwischen hatte sich das Schwarz des Himmels in dunklem Grau aufgelöst. Nur für Sekunden verlassen wir das Fahrzeug, um die Glieder zu dehnen und sie in eine dem Leib angemessene Ordnung zu rütteln und um überrascht festzustellen, dass wir unmittelbar neben einer Tankstelle kampiert hatten.
Bild 2: Gleichzeitig im Westen schönster Sonnenschein.
Dann setzen wir unseren Weg fort, in Ungewissheit, wohin er uns führen würde, bis nach etwa zwei Stunden der Regen allmählich nachlässt. „Schau dort, macht mich Renate aufmerksam, „ein Parkplatz, zwei kleine Zelte, Fahrräder…
Inzwischen hatte ich mich auf der Autokarte orientiert, es sind nur noch wenige Kilometer bis zur nächsten Stadt, Evje. Wir halten an und steigen aus, die vom Regen peinlich sauber gewaschene Luft schlägt uns entgegen. Mit tiefen Atemzügen füllen wir unsere Lungen, schauen uns um und bleiben - wie zu Stein verwandelt – stehen.
Es ist unbeschreiblich! Ein gewaltiger See rechts von uns im Osten, eingehüllt in eine einzige dichte Masse von Nebel, aus deren Mitte nur die Schatten einer winzigen Insel und am Horizont die Konturen der Berge hervortreten. Und links, im Westen, öffnet sich das Gewässer zu einer majestätischen, tiefblauen Fläche, mit Ufern, an denen sich jedes einzelne Gehöft, inmitten grüner Wiesen, jedes Bootshaus, jede Berghütte, die mit Wald bedeckten Berge und in Schnee gehüllten Gipfel wie ziseliert dem staunenden Auge darbieten.
In tiefer Erschütterung steht Renate da und hat Tränen in den Augen. Der Kontrast von bleierner Schwere und heiterem Tagesaufbruch erschafft eine unbeschreibliche Harmonie und nimmt uns gefangen: hier der in Nebel gehüllte Morgen, immer noch schlaftrunken, und gegenüber ein in anmutigstem Sonnenschein aufziehender Tag, - beide Panoramen in ein und demselben Atemzug.
Plötzlich werden wir aus der andächtigen Stimmung gerissen: „Man sieht es Ihnen an, dass Sie eben erst in Norwegen angekommen sind!" Zwei junge Leute lächeln uns aus einem der Zelte freundlich an, ihre Fahrräder lehnen an einem Baum.
„Guten Morgen, sind Sie auch in dieser Nacht mit der Fähre angekommen?" will ich wissen.
„Nein, am Abend, wir hätten es vor dem Regen nicht mehr bis hierher geschafft!"
Wir verabschieden uns, fahren weiter und halten diesen ersten norwegischen Tagesbeginn als unvergessliches Erlebnis in unserem Gedächtnis fest.
Seitdem verbringen wir jeden Sommer bis zu vier Monate in diesem Land. Und die am ersten norwegischen Morgen in uns ausgelöste Begeisterung hat sich unaufhörlich gesteigert. Unzählige Male standen Tränen in unseren Augen, wenn uns die immer wieder neuen, einmaligen Naturschönheiten gefangen nahmen.
Als Halbwüchsiger hatte ich vor vielen Jahrzehnten mit Weidenrute, Angelschnur, Flaschenkork, Angelhaken und Regenwürmern auf Plötzen gestippt. Nun, in Norwegen wurde ich zum Meeresangler, und auch Renate ließ es sich nicht nehmen mitzumachen. Inzwischen haben wir an den Küsten, in den Fjorden und auf Binnenseen so manchen Fisch gefangen, - dreißig unterschiedliche Arten. Angler, sagt man, haben immer Freunde. Unsere Kinder und Enkel, die Verwandten, Freunde und Bekannten lieben als unsere Gäste den mitgebrachten Fisch und freuen sich über ein Fischpäckchen als kleines Geschenk.
Ich wünsche allen Lesern - ob sie nun Angler sind oder nicht – viel Kurzweil und Freude beim Lesen dieser Seiten. Vielleicht kann der eine oder andere Hinweis bei der Vorbereitung und Durchführung einer eigenen Norwegenreise von Vorteil sein.
Anglerfreunde, die bereits umfangreiche Erfahrungen beim Meeresangeln und beim Angeln in Norwegen gesammelt haben, finden im vorliegenden Buch auf kurzweilige Art geschilderte Parallelen zu ihren eigenen Erlebnissen.
Aufgeschrieben und auf 11 Karten, 36 Bildern, 26 Zeichnungen und 5 Tabellen veranschaulicht ist, was ein naturverbundenes und noch abenteuerlustiges Ehepaar in langen achtzehn Sommern an Norwegens Fjorden, an der Küste und im Lande, auf den Bergen, an Binnenseen und Flüssen, mit norwegischen Menschen und (Angler-)Touristen sowie mit Seeteufeln, Dorschen und Lachsen, aber auch mit Ameisen, Hermelinen und Elstern erleben konnte. Durchaus ernst gemeint sind die Ratschläge im Umgang mit dem Boot, der Angelausrüstung und dem Fisch, aber auch mit dem Ehe- oder sonstigen Partner, beim Meeresangeln und beim Fischfang an den Binnengewässern.
Das Haus in Tingvatn
Der erste Tag nach meiner Ankunft in Tingvatn ist wie im Fluge vergangen. Am Abend nach meiner Abfahrt übernachtete ich bei unseren Freunden in Hamburg und traf am folgenden Tag gegen Mittag im dänischen Hafen Hirtshals ein. Der starke Wind wühlte die See mehr und mehr auf, und mir wurde speiübel. Ein gesunder Schlaf rettete mich vor den Attacken des Magens; ich schaffte es eben noch einzuschlafen, bevor er sich um und um krempeln wollte. So verschlief ich den schönsten Sonnenschein, und als ich aufwachte, hatten sich See und Magenwände geglättet. Nach der Ankunft in Kristiansand führte mich mein Weg siebzig Kilometer zwischen Fjorden und Bergen an der Küste nach Westen, dann ab Lyngdal dreißig Kilometer nordwärts.
Bild 3: Ferienhaus in Tingvatn, unmittelbar am Lygnafluss.
Immer wieder zwangen mich die überwältigenden Landschaftsbilder zum Halten, - wollte ich nicht Gefahr laufen, dass mein Auto mitsamt seinem Insassen an einem Felsvorsprung oder in einem Abgrund zerschellt. In einem Fjord zu landen, wäre mir ebenso übel bekommen, saß ich doch in keinem Amphibienfahrzeug. Auf meinem Wege nach Lyngdal und Tingvatn wurde ich immer wieder an das Schlüsselerlebnis unseres Norwegenaufenthaltes im ersten Jahr erinnert.
Gegen einundzwanzig Uhr kam ich bei schönstem Sonnenlicht im Ferienhaus an. Aus einem der Fenster im oberen Stockwerk winkte mir ein etwas klein geratener, alter Herr - mit imponierender, schlohweißer Künstlermähne - einen freundlichen Willkommensgruß zu. Viel Zeit, einander kennen zu lernen, hatten wir nicht, dazu war ich zu müde von den Strapazen der Reise. Nur das Allernotwendigste wurde ausgepackt, ehe ich unter die Dusche ging und sofort in einen tiefen, traumlosen Schlaf versank.
Heute, nach dem Frühstück, ging ich zum ersten Mal einkaufen. Ja, ich ging. Wenige hundert Meter weiter erreicht man ein Landkaufhaus und die Post. Über all dem Notwendigen, das zu tun ist, wenn man sich für einige Wochen in einer neuen Wohnung einrichtet, ging der Tag zu Ende. Morgen muss ich mich um einen Bootsliegeplatz an der Küste für unser Schlauchboot kümmern. Viktor, den ich noch vorzustellen habe, will mir dabei helfen.
Renate fehlt mir, nicht dass ich allein nicht zurecht käme. Ich bemühe mich, unsere bewährten Traditionen im Lebensstil, so gut es geht, umsetzen.
„Du fährst allein, ich komme hinterdrein!"
Nun bin ich schon fünf Tage von Dresden weg und seit drei Tagen in Norwegen. Ich habe mich etwas eingelebt, aber vieles von dem, was ich mir vorgenommen hatte, noch nicht in Angriff nehmen können. Die Zeit war ausgefüllt mit ersten Ausforschungen in Haus, Wohnung, Umgebung und mit der Eingewöhnung in den gänzlich anderen Tagesablauf. Er umfasst viele, auch ungewohnte Pflichten, um die sich sonst mein geliebtes Eheweib mit viel Aufopferung kümmert. Bis zu ihrer Ankunft muss ich mich selbst für einige Wochen nach besten Kräften bemühen.
Die Idee für diesen Aufenthalt kam mir nach dem Urlaub im vergangenen Jahr, im Zusammenhang mit Renates Ausscheiden aus dem Arbeitsprozess. Der Fischer, mit dem ich damals zum Meeresangeln auf hoher See gewesen war, machte mich auf das Häuschen aufmerksam und mit dem Bielefelder Besitzer bekannt. Dieser konnte nicht damit rechnen, die Wohnung wochenweise über den Sommer zu vermieten, und so kam ihm die Variante mit uns für fünfzehn zusammenhängende Wochen - bei angemessenem Preis - entgegen.
Dann überraschte uns ein glänzendes Arbeitsangebot für Renate, und sie wollte sich eine interessante und verantwortungsvolle Aufgabe nicht entgehen lassen. Folglich also ihre Order: „Du fährst allein, und ich komme im August hinterher!"
Die mir überlassene Wohnung im unteren Stockwerk besteht aus dem kleinen Flur, einem ebenso großen Abstellraum, dem riesigen Wohnzimmer mit Küchenecke, einem kleinen Schlafzimmer mit Liege und dem Badezimmer.
Stehe ich am frühen Morgen fröstelnd auf, macht mir im Bad die Fußbodenheizung warme Füße. Meine erste Aktivität - noch vor der Morgenwäsche unter dampfender Dusche mit toll funktionierender Mischbatterie - ist der Blick aus dem Schlafzimmerfenster. Dort fließt der Lyngdalselva, - aufgefüllt mit dem abklingenden Hochwasser dieses Frühjahrs. Der Fluss teilt sich hinter dem Haus und umschließt eine kleine Insel mit einem Biberbau, dessen Standort durch angenagte und gefällte Baumstämme markiert ist. Gestern. im Morgengrauen, sah ich einen fetten Biber schwimmend den schmalen Gewässerarm zur Insel überqueren, die Schnauze knapp über dem Wasserspiegel.
Das Wohnzimmer ist mit einer schwachen Luftheizung ausgestattet. Schafft sie es nicht, dem Raum eine angemessene Temperatur zu spenden, kann man den kleinen Eisenofen zusätzlich befeuern. Genügend Holz liegt in der Garage.
Das praktische Kücheneck ist vom übrigen Wohnzimmer durch eine in Fächern unterteilte Theke abgetrennt. Ausgestattet ist sie mit einem Elektroherd samt Absaugschacht, Backröhre, Hängespind, Kühlschrank, Kaffeemaschine, Geschirr, Besteck, Töpfen, Pfannen, Tisch und vier Stühlen. Setze ich Kochwasser auf, verschwindet der Wasserdampf, wie von magischen Kräften gezogen, in dem blechernen Kasten über dem Herd.
Vor vier Jahren hatte Viktor das Haus erworben. Seitdem ist viel daran restauriert worden. Es steht in unmittelbarer Nähe der Landstraße, in seiner näheren Umgebung gibt es noch etliche Holzhäuschen. Begleitet von dem langgestreckten Lygnasee, führt die Straße zur Kleinstadt Eiken.
Der Hausarbeit hatte ich in meiner bisherigen privaten und beruflichen Karriere noch nicht eine einzige positive Seite abgewinnen können, nun muss ich sie mir schönreden, - „mich motivieren, wie die Sportmoderatoren sagen. Sie – ich spreche von der ehrenvollen Tätigkeit unzähliger Hausfrauen - beansprucht einen erheblichen Teil meiner schönen Ferienzeit. Gestern Mittag gab es Pasta aus der Tüte mit angebratenen Würstchen und einer Orange als Nachtisch. Am Abend wanderte die erste Forelle in die Pfanne, Viktor fing sie im Gletnevatnet, einem Bergsee, von dem ich noch berichten werde. Schon nach vier Minuten musste ich den Fisch aus dem Fett nehmen, weil er außen verbruzelte, während innen noch das Fleisch an der Gräte fest hing. Ich hatte keine Zitrone im Haus, konnte aber mit etwas Gewürzessig trotzdem „Säubern - Säuern - Salzen
, wie es die Fischköche in ihrer „drei S-Regel" vorschreiben.
Die ersten Tage hatte ich hier noch nicht eine Minute Regen und wenn Wolken, dann nur, weil der Himmel sich nicht in so langweiligem Blau zu präsentieren gewillt war. Abends schlafe ich unter dem eintönigen Rauschen eines klaren Gebirgsflusses, der unter meinem Schlafzimmerfenster vorbeiflutet, ein, und morgens weckt mich sein geschwätziges Plätschern. Zweihundert Meter hinter diesem Wasser steigen die Wände des Tales bis zu dreihundert Meter steil auf.
Dort oben war ich bisher noch nicht, aber auf der gegenüber liegenden Seite, im Hochland, an einem wundervollen Bergsee, wohin mich Viktor, mein Hauswirt, zum Forellenangeln mitgenommen hatte. Wir stippten mit Würmern aus dem Misthaufen des Bauern Gletne, dem wir für 250,- Kronen die ersten Angelkarten dieses Jahres abgekauft hatten. Die Wurmköder und eine Tasse frisch gebrühten Kaffee bekamen wir als Zugabe. „Aber heeße musser sein", sagen die Kaffeesachsen, unser Getränk wurde eiskalt, während uns der alte Bauer mit den unzähligen Tipps ausstattete, die wir zu beachten hätten, um die Forellen von der Köstlichkeit seiner Mistwürmer zu überzeugen. Groß war die Ausbeute nicht, nur Viktor fing einen schönen Portionsfisch. Ich hatte Pech, doch bleibt mir die Hoffnung für die nächsten Wochen, - falls ich gelehrig genug sein würde.
Abends fiel ich todmüde ins Bett. Am nächsten Tag lernte ich während einer etwa hundert Kilometer langen Rundfahrt mit meinem Hauswirt die Küstenlandschaft kennen und erstand wichtige Orientierungskarten. Sie sind teuer, doch in der stark gegliederten Fjord- und Berglandschaft von nicht zu unterschätzendem Wert.
Mein erster Angelversuch am Fjord, an der Jäsundbrücke, war erfolglos für mich. Viktor fing einen mehr als halben Meter langen Hornhecht. Das ist ein ganz verrücktes Tier, dünn und lang, mit einem Schnabelmaul wie der Storch und spindeldürren, giftgrünen Gräten, die sich nach dem Braten leicht aus dem Fleisch lösen. Es schmeckt nicht übel, ist aber enorm trocken.
Heute Morgen machte ich mich nach meiner Hausarbeit über einen Brief an meine Kinder her, brachte ihn zur Post und dehnte meine Fahrt zu einer Entdeckungsreise bis Eiken aus, immer entlang der Lygna. Was muss das in ein bis zwei Wochen schön hier sein? Jetzt – kaum einige Tage über Mitte Mai hinaus - ist alles in der Natur noch sehr viel weiter zurück als in Dresden.
Als ich wieder zurückkehrte, wurde ich von meinem Hausherrn abgefangen und musste erzählen. Jedes meiner Worte war ihm das Stichwort für ein schwejksches Bombardement. Schon früh hatten wir uns für halb zwei zur Informationstour nach Lindesnes verabredet, nun aber gelang es mir eben noch mit aller Mühe, jede Treppenstufe aus seiner Wohnung im Obergeschoß einzeln – wenn Viktor eben mal Luft holte – hinab zu steigen. Als ich in Anbetracht dieser Behinderung auf der letzten Stufe die Verabredung um eine halbe Stunde hinausschob, hätte ich mich fast bei seiner Antwort vor Lachen ausgeschüttet: „Ja, da haben wirr uns mal wiederr verplauderrt, wie zwei rrichtige Waschweiberrr!"
Bild 4: Tingvatn liegt im Tal des Lygnaflusses.
Viktor ist von Geburt mehr Pole als Deutscher, er stammt aus Danzig. Der Bruder seines Vaters lebt schon seit den zwanziger Jahren in Deutschland und hat ihm und seiner Mutter die Genehmigung für die Einreise nach Deutschland beschafft. Danach meinte der gut betuchte Onkel zu seiner Schwägerin und dem Neffen: „Zurechtkommen müsst ihr schon allein! Viktor kam zurecht, bediente zeitweise drei Arbeitsstellen, arbeitete im Hauptberuf als Uhrmacher und beschäftigte sich daneben mit Spezialaufträgen zur Reparatur historischer Chronometer bei spleenigen Sammlern und in etlichen Adelshäusern. Er blieb Junggeselle und ließ sich von der Mutter umsorgen. Man lebte sparsam und legte sein Geld in der Wirtschaftswunderzeit gewinnbringend an. Zeitweise verdoppelte es sich innerhalb kurzer Zeit. Ob die im Ort ansässigen Norweger ihn zu Recht den „Millionär
nennen, kann ich nicht mit absoluter Bestimmtheit sagen, doch da er mir diesen seinen Spitznamen selbst verriet – und dabei nicht gänzlich seinen Stolz verhehlen konnte -, vermag ich mit einiger Sicherheit die richtigen Schlüsse zu ziehen.
Nach dem Tode seiner Mutter, vor zwei oder drei Jahren, erwarb er dieses Haus und legte sich eine junge Freundin zu. Es war die Frau im Hintergrund, als ich vor einem Jahr mit ihm am Telefon den Preis für unsere Bleibe vereinbarte.
„Nein, sag’ dreieinhalbtausend!" tönte die Stimme aus der Tiefe des Raumes. Mag sein, hätte die Dame für meine Ohren unhörbar geflüstert, wäre mir der halbe Tausender wahrscheinlich nicht erspart geblieben. Irgendwann trennte sich Viktor von seiner Freundin und ist gegenwärtig auf der Suche nach einer neuen, - seine Lebensgeister sind dazu noch frisch genug. Er scheint mich für eine Koryphäe auf dem fraglichen Gebiet zu halten. Ich will offen lassen, aus welchem Grund, doch hüte ich mich, ihm Ratschläge bezüglich der Anbahnung einer künftigen Lebensgemeinschaft zu geben.
Ich war also - wie ich bereits festgestellt hatte - noch auf der Treppe, und mir blieb etwa eine Stunde Zeit für einen kleinen Imbiss und um mich für die Ausfahrt fertig zu machen. Dann steuerte Viktor seinen Mercedes über Lyngdal in Richtung zum Meer. In Lillehavn blieben wir hängen. Einige deutsche Angler standen am Kai mit ihren Vier-Meter- Ruten und einer schweren Schwimmermontage am Ende der monofilen Schnur. Den mit frischen Garnelen beköderten Haken hatten sie auf sechs Meter Tiefe gestellt. Das Angeln mit der Pose am Meer war bis zu diesem Augenblick von mir keine ganz ernst genommene Angelmethode, nun bedauerte ich meine Ignoranz. Ich versuchte es im Wurf mit leichten Pilkern, dann mit dem Grundblei. Zweimal verlor ich die Bleimontage. Auch mit dem Pilkern vom Kai aus war mir Petrus nicht wohl gesonnen. Unsere Nachbarn am Kai fingen innerhalb von eineinhalb Stunden zehn Köhler, Viktor und ich gingen leer aus.
Im letzten Jahr war mein erstes Hochseeangeln auf Karmöy das große Erlebnis, welches ich nach der Heimkehr mit Begeisterung meinen Freunden und Bekannten geschildert hatte. Zurückgekehrt von einer Reise, hat man die überwältigenden Ereignisse frisch und deutlich im Gedächtnis. Was man zu Hause erzählt, ist davon geprägt, und die großen Abenteuer überstrahlen das erlebte Einerlei, den kleinen Ärger und die Mühen. Dass aber Tage und Wochen vergangen waren, an denen man dem Fisch frustriert hinterher gelaufen war, ohne auch nur einen Fischschwanz zu Gesicht zu bekommen, ist vergessen. Auf die Kinder, Enkel, Kollegen und Nachbarn musste meine begeisterte Schilderung wirken, als brauchte man in Norwegen nur einen Fuchsschwanz ins Wasser zu hängen - wie in dem berühmten Märchen - und sofort würde aller Fisch im Kilometerradius voller Entzücken herbeieilen und anbeißen. Weit gefehlt, wie jede Profession muss auch das Angeln mühevoll erlernt sein, und an jedem neuen Ort sind die Erfolg versprechenden Methoden und Erfahrungen andere.
Gegen neun Uhr waren wir wieder in Viktors Haus, tranken ein Bier und einen Aquavit und gingen schlafen. Während ich in den ersten Nächten gut geschlafen hatte, musste ich mich in dieser Nacht erst noch für einige Zeit an meinen Laptop setzen. Vielleicht war’s der Aquavit?
Viktor und Olaf
Ich hatte bisher noch keine langweilige Minute. Vorgestern fuhren Viktor und ich zum Meer, um Kap Lindesnes zu besuchen und um uns um einen Liegeplatz für das Schlauchboot zu bemühen.
Wenn man mit dem Finger auf der Landkarte entlang der Straße von Lyngdal nach Spangereid fährt, berührst man am Ende des Grönsfjorden, der sich zwischen Korshamn und Lindenes in das Land erstreckt und in den Lenefjorden übergeht, die Jäsundbrücke. Rechts, unmittelbar vor der Brücke, liegt ein hügeliges Grundstück. Dort, in seinem Holzhaus, wohnt ein Bekannter von Viktor, Kai Olaf. Als wir den jungen Mann – unrasiert, mit eigenwilliger Irokesenfrisur und eisernem Ohrring - aus dem Hause klingelten, machte er ein etwas abweisendes Gesicht, doch als er Viktor erkannte, wuchs sein Entgegenkommen.
Er kam näher - mit einer Nuckelflasche voller Milch in der Hand - und wir begrüßten ihn. Neben ihm her hoppelte ein kleines Lämmchen. Viktor erklärte ihm unseren Wunsch in einem Gemisch von Deutsch und Norwegisch. Ich warf einige englische Brocken dazwischen. Auch Olaf sprach englisch: „Ja, natürlich können sie das Boot mehrere Wochen auf meinem Grundstück liegen lassen, vor dem Bootshaus ist Platz genug!" Bei seiner Antwort schob er dem Lämmchen den Gumminuckel ins Maul.
Ich wurde konkret: „Und was müsste ich ihnen für fünfzehn Wochen Liegeplatzmiete zahlen?"
Er unterbrach seine Fütterung, richtete sich auf, machte mit der Linken eine abwinkende Handbewegung und hielt beide Handflächen in einem Abstand übereinander, der etwa einer Schnapsflasche entsprach. Danach widmete er sich wieder seinem Schäfchen.
Fünfzehn Kilometer weiter erreichten wir das Kap Lindesnes. Die Südspitze Norwegens besteht aus nackten Felsen, auf denen sich bei dem Wind vom Skagerrak kaum ein Pflänzchen halten kann. Nur wenige Gräser fristen ihr Dasein in den Spalten des Granits. Der Leuchtturm sowie einige Wirtschafts- und Wohngebäude widerstehen der frischen Brise und den stürmischen Winden. Noch trafen wir am Kap keinen Bus mit Touristen, doch wenige Wochen später mag das anders sein. Schon jetzt zählte ich in Lyngdal auf jedes norwegische Fahrzeug ein deutsches. Man könnte jede Wette eingehen, dass beim Einkauf der Nachbar an der Kasse irgendwo zwischen Oder und Rhein beheimatet ist. Ein Glück, dass wir in Tingvatn etwas abgelegen wohnen…
Vom Kap ging es wieder zurück nach Lillehavn, wo wir vor Tagen so viel Pech beim Angeln hatten. Vielleicht hätten wir gewarnt sein müssen, weil diesmal niemand dort saß, nicht ein einziger Angler. Doch mit Befriedigung nahmen wir die besten Plätze in Beschlag und warfen unsere Montage mit Meerespose aus, mit Krabben als Köder. Der Erfolg war nicht überwältigend: in vier Stunden ein Pollack und ein kleiner brauner Algendorsch.
Bild 5: Ausfahrt zum Fischen in Richtung Korshamn
Vom Meer, über Spangereid und Lyngdal hat man bis zu unserem Ferienhaus eine Fahrt wie durch einen paradiesischen Garten: zuerst am Ufer der Fjorde, über Brücken, zwischen Felsen, bergauf und bergab, durch kleine Ortschaften und dann dreißig Kilometer im Tal, entlang der Lygna. Todmüde kamen wir gegen elf Uhr in Tingvatn an. Kaum eine Viertelstunde später schon fiel ich, wie ein Baum, von der Axt gefällt, in mein Bett und schlief auf der Stelle ein.
Gestern dann fuhr ich wieder hinunter zum Meer, um das Boot aufzubauen. Es war schon recht komisch: von Tingvatn bis etwa sieben Kilometer hinter Lyngdal schien die Sonne aus tiefstem Blau, dann kam ich über
