Zäune vermitteln gesteckte Grenzen: und andere Kolumnen
Von Doris Mock-Kamm
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Über dieses E-Book
Um die Kirschen in Nachbars Garten zu kosten?
Die Kirschen in Nachbars Garten schmecken am besten. Ob man nun wirklich die Gelegenheit hatte, in Kindertagen über den Zaun zu klettern, um die süßen Früchte zu ergattern oder auch nicht, kaum einer kann sich davon freisprechen, nicht schon einmal neidvoll nach anderem Besitz geschielt zu haben. Das Ergattern verdeutlicht, ähnlich wie das Ersteigen, die Überwindung eines Hindernisses.
Doris Mock-Kamm
Doris Mock-Kamm, geboren 1957 in Ludwigshafen/Bodensee. Das Gedichtband birgt eine Auswahl ihrer Arbeiten, in denen sie das Leben mal mit lustiger, mal sarkastischer, mal nachdenklicher Form zeichnet und sich auch nicht scheut, eine klare politische Position zu beziehen.
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Buchvorschau
Zäune vermitteln gesteckte Grenzen - Doris Mock-Kamm
Als Kind hat man den Drang, hinter jeden Zaun
blicken zu wollen.
Als Erwachsener ist man froh, nicht alles sehen
zu müssen, was sich dahinter verbirgt.
Inhaltsverzeichnis
Abtritte oder die Scheißhäuser dieser Welt
Anderssein – Individualität im Kontrast zur konformen Gesellschaft
Bäume und Bücher – Geschichten erzählende Begleiter
Beschwerden nicht ohne Folgen
Butter bei die Fische
Dämmern zwischen Zweifel und Gewißheit
Dem Links-Rechts-Schema auf der Spur
Demokratisches Miteinander muß stets gepflegt werden
Der sechste Sinn alles andere als nur Humbug
Die gute alte Stube
Die Kirche im Dorf lassen
Einen an der Waffel haben
Einen Bärendienst erweisen
Einfach nur blöd in der Gegend herumstehen
Ein Loch ist im Eimer
Ente und Käfer – kein wenig nostalgische Schwärmerei
Erwachsensein
Faszination: Gratwanderung zwischen Begeisterung und Fanatismus
Feindbilder grassieren allerorten
Fremdeln ein vollkommen natürlicher Selbstschutz
Genußvoll Gewinne einfahren
Glauben vs. Aberglauben in Konflikt zum Wissen
Hassen und hetzen – in Deutschland längst wieder salonfähig
Höflichkeit – ein Übrigbleibsel der Sitte des Hofes
Homo sapiens mauschelt seit Urzeiten mit Muscheln
Ich habe fertig
In die Suppe spucken
In die Welt der Düfte versinken
Ist das wirklich dein Ernst?
Jacke wie Hose – keineswegs von Gleichgültigkeit geprägt
Keineswegs bereit mit anderen den Teller zu teilen
Kissen – nicht nur Trostspender beim Kuscheln
Kosmos und seine scheinbare Ordnung
Laß dir das eine Lehre sein
Lauschen – ein ungewollt oder zufälliges Unterfangen
Lügenpresse vs. Internetportale
Mein Schatz – oder welche Koseform auch immer
Mit dem linken Fuß aufstehen
Mobbing eines ganzen Staates
Nektar oder Ambrosia natürlicher Lebenssaft
Nur ein Käfig voller Narren
Ohne Fleiß kein Preis
Prokrastination – ein von der Politik gern angewandtes Mittel
Rot und Blau ist Kaspers Frau
Rüstig sein bis ins hohe Alter
Schal – alles andere als nur ein Stück Stoff
Schuster bleib bei deinen Leisten
Seifenkistenrennen ein Tränenmeer der Freude oder Trauer
Soziale Gemeinschaft überlebensnotwendig
Spazierengehen alles andere als veraltet
Sprichwörter und Redewendungen
Stenographie: Kurzschriftsystem im Abseits
Störfaktoren allenthalben vorhanden
Technik im alltäglichen Disput hektischer Zeiten
Tradition – Stillstand im schlimmsten Fall
Tücken der Karten und Navigationsgeräte
Urteilsvermögen zwischen Spontanität und Erfahrung
Vater und Mutter einer Idealisierung ausgesetzt
Vernunft bestimmt unser tägliches Handeln
Versöhnung in ihren Ursprüngen betrachtet
Vetternwirtschaft ein weltumspannender Auswuchs
Viel Bohei um nichts
Viel Brauchbares benötigt man eigentlich nicht
Von dir laß ich mir doch nicht ins Bockshorn jagen
Waffen vermögen keine Ängste beseitigen
Waltzing Matilda allgegenwärtig
Wand und Wandern – keine zwei Paar Stiefel
Was soll der ganze Zinnober
Wenn Witze Wissen vermitteln
Wer wird denn gleich in die Luft gehen
Wetter mit gravierenden Unterschieden
Wirres Zeug verfängt sich in Gedanken
Zäune vermitteln gesteckte Grenzen
Zuckerbrot und Peitsche
Zutexten lassen – ein nerviges Unterfangen
Abtritte oder die Scheißhäuser dieser Welt
Ideenreichtum jagt Schlichtheit
Sein eigenes stilles Örtchen zu besitzen, ist für viele Menschen nicht möglich. Gemeint ist nicht der Rückzugsort, der Ort der Stille, das verwunschene Gartenhäuschen, die Ecke der Terrasse, an der der Wein rankt, das blaue Bänkchen, auf dem man über das Tal blickt, die versteckte Laube im Stadtpark neben dem angelegten Goldfischteich. Gemeint ist das Örtchen, das noch nicht allzu lange in fast allen Häusern leicht zugängig zu finden ist und das früher als 1,5 qm Häuschen, gern mit einem ausgeschnittenen Herz hinter dem Haus stand.
Der Abtritt ist natürlich das Abseitsgehen, das Verlassen der Bühne und wird auch in der Umgangssprache als der Übergang vom Leben zum Tod beschrieben. Der Abort ist ein abgelegener Ort, das Klosett ist die Abkürzung von watercloset, also von Wasser und entferntem Raum, closet aus dem Lateinischen clausus.
Toilette kommt aus dem Französischen, das Wort Toile ist eigentlich ein gemustertes Seidengewebe in Leinwandbindung, toilette ist die Verkleinerungsform, und es ist das Tuch, auf das man die Waschutensilien legt. Pissoir, Latrine, WC, Klo, Lokus, Pinkelbude, Null-Null, Klöchen, Pissbude, Scheißhaus, Lokalität, Örtlichkeit, Thron sind einige Begriffe mehr, wenn sie nach einem dieser Orte gefragt werden, so hat der Fragende ein gewisses Bedürfnis.
Sicher ist es für Sie nichts Neues, daß es bei diesen Be dürfnisanstalten weltweit die unterschiedlichsten Variationen gibt. Und zwar nicht nur, was die Größe eines solchen Örtchens betrifft, sondern auch in Bezug auf die Ausstattung. Die Blogger Julien und Sally zeigen auf ihrem Blog 365 Klos dieser Welt. * Sozusagen eine winzig kleine Auswahl aus der Welt hier „sein Geschäft zu erledigen".
Die Ausstattungen und dies nicht nur in der heutigen Zeit, sondern bereits seit Jahrhunderten, reichen von vergoldeten, aus feinster Emaille hergestellten Kloschüsseln, bis zum einfachen Eimer. Das Inventar der stillen Örtchen wird großzügig mit den verschiedensten Accessoires ausgestattet. So gibt es natürlich die mannigfaltigste Auswahl bei den Klopapierhaltern oder den Klobürstenständern, die so individuell wie die Besitzer sein können.
Und so kurz mal dazwischen gefragt: Wer erinnert sich noch an die sehr oft gehäkelten Töpfchen, die auf der hinteren Autoablage ihren angestammten Platz hatten und jedem nachfolgendem Auto verzückende Momente der kreativen Möglichkeiten aufzeigten und unter denen immer eine volle Rolle Toilettenpapier spazierengefahren wurde?
Apropos, selbstverständlich ist Toilettenpapier nicht Toilettenpapier, es gibt die 2-lagigen, 4-lagigen, mit Düften behandelte, etwa mit Lavendel, gemusterte, überhaupt farblich gestaltete, mit Geldscheinen, Herzchen, sogar in einigen Natioalflaggenfarben, mit Sprüchen versehene, also auch hier was das Herz begehrt, um sich im stillen Örtchen wohlzufühlen.
Das Wohlfühlen unterstreicht ebenso die Ablage für Zeitschriften, Bücher, Comics, die in einigen WCs zu finden sind, und ganz ehrlich, wer kennt nicht den ein oder anderen, der stundenlang das Klosett besetzt hält, nur weil er dort tief versunken im Blätterwald das Geschehen um ihn herum vergessen hat? Das stille Örtchen eröffnet für kreative Köpfe einen umfassenden Ideenreichtum, der zuweilen sofortigst an die Kacheln, Wände verewigt wird.
Überall diese noch so teuren oder schlichten Toiletten, die wir in unserm Leben zu Gesichte bekommen, sollten wir nicht vergessen, daß Millionen Menschen nicht die Möglichkeit haben, ein stilles Örtchen mit vier Ecken aufzusuchen und demzufolge die hygienischen Zustände zu schwerwiegenden Krankheiten führen können. Deshalb fordert Jack Slim: „Die Scheiße muß beim Namen genannt werden." **
Vielleicht sollten wir öfters bedenken, daß nicht nur die Bühne, auf der die Menschheit sich im Rampenlicht tummelt, sondern auch der Abtritt ein Raum darstellen sollte, der dazu beiträgt, uns wohl zu fühlen, und beklatschen, bejubeln wir nicht nur die Darsteller, sondern die Menschen, die dafür sorgen, daß die Abtritte und Scheißhäuser sauber bleiben.
* http://www.ersieweltreise.de/365-klos/
** https://www.welt.de/vermischtes/article149039308/Fehlende-Klos-ein-heimlicher-Killer.html
Anderssein – Individualität im Kontrast zur konformen Gesellschaft
Qual oder Chance anders zu sein?
Beides kann sich bedingen, muß aber nicht. Für manchen bleibt das Anderssein eine lebenslange Qual, für andere die Möglichkeit, sich zu einer starken Persönlichkeit zu entwickeln. Wobei die Persönlichkeit nicht unbedingt im positiven Sinne zu sehen ist. Genausogut kann die Qual einen „Schutz" bedeuten. Daran erkannt man schon, jeder ist anders, und zwischen diesen Lebensmodellen gibt es noch viele mehr.
Obwohl alle Menschen biologisch gleich sind, das heißt, unser Körperbau und die Funktionalität sind im Wesentlichen keine großen Unterscheidungsmerkmale, haben wir dennoch unsere eigenen Charakteristiken. Sei es der Körperwuchs, die Farbe des Haares, der Augen, der Haut, die Gesichtsform oder andere äußerliche Unterschiede. In den ersten Lebensmonaten und Jahren nehmen wir dies als einfache Tatsache wahr, bis wir durch andere oder uns selbst erkennen, daß das Gegenüber rote Haare hat. Wir bemerken, der große Bruder mag keine Bananen, die Oma lispelt, die neuen Schuhe gefallen auch Tante Rosa, einige sagen, wir ähneln Onkel Rolf und so weiter. Jetzt beginnen wir, andere zu erkennen und hinterfragen unsere Erkenntnis mit Hilfe der anderen oder durch uns selbst.
Viele „andere im obigen Text, aber ohne die keine Reflektion eben durch „andere
, egal ob ich mich selbst als anders definiere oder durch andere als anders reflektiert werde. Zur Qual des Anderssein wird es erst, wenn es als negativ oder positiv hevorgehoben wird.
Man muß, und man kann nicht immer nachvollziehen, warum das Anderssein
von dem einen als gut, vom anderen als schlecht bezeichnet wird. Dies bleibt seine Ansicht, seine Meinung, seine Erkenntnis und sei jedem gestattet. Allerdings nur bis zu der Grenze, an der Abgrenzung, Ausgrenzung beginnt. An der Grenze, an der das Anderssein als abartig, nicht hinnehmbar verteufelt wird.
Manch einer versucht, deshalb sich zu ändern, läßt sich formen, um dieser Ausgrenzung zu entkommen, andere akzeptieren diese Diskriminierung irgendwann und vermögen an der Ausgeschlossenheit zu einer Persönlichkeit heranwachsen, die aufgrund ihrer Erfahrungen und Qualen anderen gegenüber empathisch auftreten. Für andere führen diese Abgrenzungsqualen zum geschultesten Förderer von jeglicher Art der Diskriminierungsformen. Beide sind Opfer durch Anderssein, beide haben diese Abgrenzung als Chance benutzt, der eine zum positiven Verständnis, der andere, um das positive Verständnis abzulehnen.
Diejenigen, die die Qualen nicht als Chance, sondern als Schutz betrachten, schlenkern für jedes Ausgrenzungsgefühl an einen anderen Standpunkt und begrüßen den Hinweis auf das Anderssein als „Geschenk, ihren Standpunkt zu verändern. Diese Menschen sind sogenannte „Fähnchen im Wind
. Oftmals sind sie auch diejenigen, die sich permanent nicht geliebt und geachtet fühlen und sich hinter Fassaden verstecken, sei es hinter „Führern oder „Ideologien
.
Der Wert des Andersseins ist trotz vieler Aufklärungsarbeit und vorgelebter Möglichkeitsformen immer noch nicht gänzlich in den Gesellschaften angekommen.
Gesellschaften, die in der Entwicklung des Menschen vom Kleinkind zum Erwachsenen nicht bewußt auf die persönliche Entwicklung jedes Individuums, sein Recht auf Anderssein eingehen, dürfen sich nicht wundern, wenn Troglodyten (Höhlenmenschen), wie in Platons Werk „Politeia" beschrieben, die Mehrheit des Volkes stellen.
Bäume und Bücher - Geschichten erzählende Begleiter
Seelenverwandtes sammelt und trifft sich gern
Natürlich stammt das Wort Buch vom Baum Buche ab, wie sollte es anders sein? Konnten doch die Buchstaben sehr gut auf diesem Material eingeritzt werden, selbst im Begriff Buchstabe kann man die Artverwandtschaft Stab, Holz nachvollziehen. Vielleicht wurden Aufzeichnungen auch auf Eschenholz geritzt, gleichwohl hat sich aber im Sprachgebrauch das Buchenholz durchgesetzt.
Dieser Text möchte aber nicht auf wissenschaftliche Abhandlungen darüber ausschweifen. Fakt ist, unsere Vorfahren schrieben unter anderem auf Holz, beziehungsweise ritzten. Fakt ist auch, daß die einzelnen Blätter eines Buches wieder einen Hinweis auf das Gewächs Baum ergeben. Sinnbildlich kann man demzufolge den Gedanken nicht verwerfen, daß der Baum als die am längsten lebende Pflanzenart das Wissen über Jahrhunderte weitergeben kann und deshalb die Namensgebung am besten veranschaulicht.
Desweiteren werden Bäumen in den Mythologien verschiedenartige Kräfte zugesprochen, teilweise in esoterische Richtung, aber auch in Bezug auf Heilwirkungen. In Büchern finden sich also alle nur möglichen, erdenklichen Gedankengüter. Vielleicht deshalb die Aussage: Papier ist geduldig?
Der Hinweis darauf, nicht alles was so geschrieben wird, entspricht der Wahrheit, oder wird tatsächlich, im Falle von Planung, Gesetzesentwürfen in die Tat umgesetzt. Nichtsdestotrotz erleben wir in großen Bibliotheken ähnliche Gefühle wie an bestimmten Plätzen im Wald, eine tiefe wissende Ruhe, flirrende Emotionen, bedrückende Kraft. Erinnern wir uns, so sind die Flut der Bücher und damit der Zugang zu ihren Inhalten gar nicht so viele Jahre her. Noch bis etwa Mitte des letzten Jahrhunderts waren Bücher teils unerschwinglich und nicht in jedem Haushalt zu finden. Dies lag mitnichten immer nur am Desinteresse der Menschen, sondern eben auch an den materiellen Möglichkeiten. Bücher waren bisweilen Wertanlagen.
Dies war sicherlich mit ein Grund, warum einige Bücher nicht nur einmal, sondern mehrere Male gelesen wurden, und man viel eher Menschen fand, die über den Inhalt eines Buches mit anderen zu vertiefenden Diskussionen führten. Mit zunehmenden Auflagenzahlen verringerte sich aber das Interesse einer intensiveren Auseinandersetzung mit den Inhalten. Außer bei gewissen beliebten Buchreihen, die teilweise gar verfilmt wurden und einen regelrechten Hype durch sämtliche Generationen und Gesellschaftsschichten auslöste. Und Menschen, die diesem „Fieber" nicht verfallen waren, wurden unverständliche Blicke zugeworfen.
Obwohl Bücher sozusagen zur Massenware geworden sind, gibt es unter ihnen einige, die wahre Schätze und für den einen oder anderen nicht mit Gold aufzuwiegen sind. Dies sind die Bücher, in denen man die Seitenstelle, auf der ein prägnanter Satz steht, kennt, bei denen man die Aussage eines Abschnittes als persönliche Emotion fühlt, bei denen man sogar den Geruch der Umgebung in sich aufnehmen vermag. Der Verlust eines solchen Buches schmerzt ebenso sehr wie der aus Kindertagen in Erinnerung bleibende Baum, der gefällt wurde.
