Leben Ohne Prinzipien: Kommentierte Ausgabe, neu übersetzt
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Über dieses E-Book
"Leben Ohne Prinzipien"
In neuer Übersetzung.
Kommentierte Ausgabe:
- Ausführliche Anmerkungen zur Neuübersetzung,
- Hinweise zu historischen Hintergründen des Werkes
- und zu den Bedeutungen verschiedener Textabschnitte.
Henry David Thoreau
Henry David Thoreau (de son vrai nom David Henry Thoreau) est un philosophe, naturaliste et poète américain, né le 12 juillet 1817 à Concord (Massachusetts), où il est mort le 6 mai 1862. Son oeuvre majeure, Walden ou la Vie dans les bois, est une réflexion sur l'économie, la nature et la vie simple menée à l'écart de la société, écrite lors d'une retraite dans une cabane qu'il s'était construite au bord d'un lac. Son essai La Désobéissance civile, qui témoigne d'une opposition personnelle face aux autorités esclavagistes de l'époque, a inspiré des actions collectives menées par Gandhi et Martin Luther King Jr. contre la ségrégation raciale.
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Buchvorschau
Leben Ohne Prinzipien - Henry David Thoreau
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Quellenangabe
Leben Ohne Prinzipien
[Einleitung]
[Geschäftigkeit und Ansehen]
[Würdevolle Arbeit]
[Geld und Arbeit]
[Der Goldrausch]
[Das Gold der Heimat]
[Der Teufelskerl]
[Die Plünderung der Friedhöfe]
[Morallehrer und Bigotterie]
[Echte Menschen sind schwer zu finden]
[Oberflächlichkeit unserer Gesellschaft]
[Neuigkeiten und Belanglosigkeiten]
[Der Müll in unserem Denken]
[Die Selbstversklavung]
[Provinzialität]
[Rhetorische Fragen]
[der Preis des Handels]
[Regierungen]
[Schluss]
Literaturangaben
Weitere Veröffentlichungen
VORWORT
(Autorin: Christina Schieferdecker)
Liebe Leserin, lieber Leser,
die vorliegende Schrift "Leben ohne Prinzipien ist nicht so berühmt, wie
Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat, doch ist dies ungerechtfertigt.
Leben ohne Prinzipien" wurde von Henry David Thoreau vor seinem Tode in dieser Form verfasst und ist somit quasi sein Nachlass. Er schreibt darin über all das, was ihm in seinen letzten Lebensjahren am meisten beschäftigte. Im Zentrum steht dabei das Thema Arbeit. So schreibt er bereits in Absatz 4:
"Diese Welt ist ein Ort der Geschäftigkeit¹. Was für ein unendlicher Trubel! Fast jede Nacht werde ich vom Hecheln der Lokomotive geweckt. Sie unterbricht meine Träume. Es gibt keinen Sabbat. Es wäre herrlich, die Menschheit einmal in Muße zu sehen. Es ist nichts als Arbeit, Arbeit, Arbeit."
Henry David Thoreau hat nichts gegen Arbeit, doch sollte sie nicht seinen ganzen Tag beanspruchen.
Wenn ich sowohl meine Vor- als auch meine Nachmittage an die Gesellschaft verkaufen würde, wie es die meisten zu tun scheinen, bin ich sicher, dass es für mich nichts mehr gäbe, wofür es sich zu leben lohnen würde. [...] Ich möchte darauf hinweisen, dass ein Mensch sehr fleißig sein kann und dennoch seine Zeit nicht sehr gut verbringt. Es gibt keinen fataleren Stümper als den, der den größten Teil seines Lebens damit verbringt, seinen Lebensunterhalt zu verdienen.
²
Und so arbeitete Henry Thoreau immer dann, wenn ihm eine Arbeit Spaß machte, oder es einmal wieder nötig war, etwas zu tun, um etwas Geld zu verdienen. Dabei war er für jede Arbeit zu haben. So schrieb er am 20.04.1841 in sein Tagebuch:
"Große Gedanken heiligen jede Arbeit. Heute verdiente ich fünfundsiebzig Cent, indem ich Kuhdung aus einem Pferch hob³, und machte ein gutes Geschäft damit. Wenn der Grabende⁴ die ganze Zeit darüber nachdenkt, wie er rechtschaffen leben kann, können der Stechspaten⁵ und das Rasenmesser in das Wappen seiner Nachkommen eingraviert werden." (Thoreau und Torrey 1906, 1, 1837–1846:250–51)
Das eigentliche Problem ist, laut Henry Thoreau, jedoch nicht die Arbeit, sondern unser Bild von uns selbst und der Welt. Wir haben keine Prinzipien mehr. Wir glauben, es wäre wichtig, dies oder jenes zu tun, weil andere es uns sagen und werden dadurch zu unseren eigenen Sklaventreibern.
Man sagt, Amerika sei die Arena, in der die Schlacht um die Freiheit ausgefochten werden soll; aber es kann nicht Freiheit im rein politischen Sinne sein, die gemeint ist. Selbst wenn wir einräumen, dass der Amerikaner sich von einem politischen Tyrannen befreit hat, so ist er doch der Sklave eines wirtschaftlichen und moralischen Tyrannen.
⁶
Und in Walden schreibt er:
"Es gibt so viele begierige und feine Herren⁷, die sowohl den Norden als auch den Süden versklaven. Es ist schwer, einen Aufseher aus dem Süden zu haben; es ist schlimmer, einen aus dem Norden⁸ zu haben; aber am schlimmsten von allem [ist es], wenn du dein eigener Sklaventreiber ist." (Thoreau und Carew 1854, 10)
Thoreau ist es wichtig, dass Arbeit würdevoll und notwendig ist. Er lässt sich in "Leben ohne Prinzipien" immer wieder über die verschiedenen Formen der würdelosen Arbeit aus und den Wert des Menschen, denn diese erniedrigende Arbeit entwertet ihn letzten Endes.
Alle drei oben erwähnten Schriften (einschließlich der hier vorliegenden) gibt es von mir neu übersetzt, einzeln, oder zusammen in dem Buch "Mensch sein, statt Untertan", mit zusätzlichen Texten zum geschichtlichen Hintergrund und einem Text über Henry Thoreau von seinem langjährigen Freund, Ralph Waldo Emerson.
Während ich übersetzte, entdeckte ich, wie schlampig viele Übersetzungen waren und wie ungenau. Deshalb war es mir ein Anliegen, meine Übersetzungen möglichst transparent und nachvollziehbar zu gestalten. Auch war es mir wichtig, Henry Thoreau allen verständlich zu machen. Deshalb enthalten alle Texte nicht nur Anmerkungen zu Übersetzungen, Wortspielen und andere sprachliche Anmerkungen, sondern auch viele Hinweise zu Hintergründen und möglichen Bedeutungen von Aussagen und Sätzen.
Es wird weitere Übersetzungen von mir geben. Die Aussagen Henry Thoreaus sind einerseits über 100 Jahre alt, andererseits aber auch hoch aktuell. In einer Zeit, in der Stress und Burnout zu Volkskrankheiten geworden sind und die meistern Menschen bequemer weise gehorchen, statt selbst zu denken und einen eigenen Weg zu gehen, sind sie eine wohltuende Hinterfragung unseres Lebensstils.
Leben wir schon, oder arbeiten wir noch?
Haben wir vor lauter Geschäftigkeit überhaupt noch Zeit zu leben? Wissen wir noch, was das ist: leben?
Christina Schieferdecker
¹ "Business ist einerseits
Geschäfte machen, es ist aber auch - abgeleitet von
to be busy - beschäftigt sein, etwas unternehmen. Im Deutschen spiegelt deshalb
Geschäftigkeit diese Doppeldeutigkeit etwas wieder, auch wenn es altmodisch klingt.
Unternehmertum" würde auch ganz gut als Übersetzung passen.
² Leben ohne Prinzipien, Absatz 12
³ Im Original: "heaving manure out of a pen.
Manure" ist Mist oder Dung, "pen" ist ein kleiner Stall oder ein Pferch. Damit der darauffolgende Satz Sinn macht, war es wahrscheinlich getrockneter Kuhdung, den er von der Weide holen sollte. Kuhdung ist ein guter Dünger, kann man aber auch zum Heizen verwenden. Wenn er getrocknet ist, dann "klebt er am Boden, weshalb Henry Thoreau ihn wahrscheinlich mit einem Spaten oder einem Rasenmesser (Thoreau verwendet
turf knife", was auch ein Kantenschneider oder eine kleine Gartenschaufel sein könnte) teilweise vom Boden trennen musste.
⁴ Im Original: "ditcher (auch
digger), das ist jemand, der mit einer Schaufel oder einem Spaten etwas ausgräbt. Die offizielle Übersetzung ist
Grabengräber".
⁵ Im Original: "ditching spade, also
Grabspaten"
⁶ Leben ohne Prinzipien, Absatz 39
⁷ Im Original: "master, was die Bezeichnung für den
Herren der Sklaven war und deshalb beim Wort
master auch immer die Bedeutung
Sklavenhaltung" mitschwingt.
⁸ Thoreau schreibt hier eigentlich "southern" (südlich) und "northern" (nördlich), doch hört sich
