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Im wilden Westen Nordamerikas 16: Das Gold der Apachen
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Im wilden Westen Nordamerikas 16: Das Gold der Apachen

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Über dieses E-Book

Old Shatterhand hat sich mit Sam und anderen Freunden verabredet, um für die Mescalero-Apachen ein geheimes Goldvorkommen in der Sierra Madre Mexikos aufzusuchen, das nur ihm und seinem viel zu früh verstorbenen Blutsbruder Winnetou bekannt war. Er möchte damit den Apachen helfen. Doch die Bande um Deadly Joe hat von dem Vorhaben erfahren.
Ein grausamer Kampf in den Schluchten der Sierra Madre bahnt sich an.
SpracheDeutsch
HerausgeberBlitz Verlag
Erscheinungsdatum30. Apr. 2024
ISBN9783957194473
Im wilden Westen Nordamerikas 16: Das Gold der Apachen

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    Buchvorschau

    Im wilden Westen Nordamerikas 16 - Axel J. Halbach

    1. Ein rascher Entschluss

    „Schockmillionendonnerwetterkreuzbomben­element – das ist nicht dein Ernst, du treuloser Lichtblick meiner altersschwachen Jahre! Gerade hatte sich der Himmel zu wundervollstem Blau geklärt und meine Gicht verkroch sich in den hintersten Winkel meines großen Zehs, da kommst du ... da sagst du ..."

    „Aber Onkelchen – ich habe doch wirklich vorgehabt, eine ganze Woche zu bleiben, um dir von meinen letzten Abenteuern zu berichten! Aber da kommt ..."

    „Da kommt! Da kommt! Ha! Ein Brief! Donnersturm und Hagelwetter! Immer ist es bei dir irgendein Brief, der deine Pläne ändert! Und dann noch von so einer ... so einer ... Rothaut ... aus dem ... aus dem ..."

    „Aus dem Wilden Westen, wolltest du wohl sagen, lieber Onkel! Du hast ja recht – er kam völlig unerwartet ... und mit einem Anliegen ... das ich nicht ..."

    „Heiliges Krematorium! Ich habe auch ein Anliegen! Und ich bin viel näher als der Wilde Westen und auch bei Weitem nicht so gefährlich! Bei allen Kürassieren, Kanonendonnern und Schrapnellen! Wie konntest du nur ... konntest du nur ..."

    „Zusagen, Onkelchen? Ja, es stimmt. Aber ich konnte wirklich nicht anders ... ich musste es einfach ... im Andenken und als Verpflichtung meinem nun schon vor fast zehn Jahren heimgegangenen Blutsbruder Winnetou gegenüber!"

    „Papperlapapp! Wann hast du einmal keine Ausrede? Geht alles auch später, wenn überhaupt nötig! Aber nein – eine vor Jahren heimgegangene Rothaut ist dir wichtiger als ein immer noch unter den Lebenden weilender, gichtgeplagter und einziger Onkel, dessen fast einzige Freude du noch bist, nachdem Anni eine Familie gegründet hat und nicht mehr meine tägliche Freude sein kann! Donnerschock und Schwerenot! Ich ... ich ..."

    „Ich verstehe dich ja, lieber Onkel! Aber es war diesmal wirklich nicht anders möglich! Ich habe mich deshalb sofort um eine Passage von Hamburg aus nach New Orleans in den Staaten bemüht und bekam den praktisch letzten freien Platz! Der Dampfer geht schon in wenigen Tagen – ich kann unmöglich länger als nur noch bis morgen bleiben, um dann von hier aus so rasch wie möglich nach Hamburg aufzubrechen! Deshalb habe ich ja auch mein Gepäck schon mitgebracht! Dein lieber Fritz kann mich dann mit der Kutsche zum nächsten Bahnhof bringen."

    „Kruzifix und Schlachtenlärm! Zwei Tage nur, zwei armselige, jämmerliche, erbärmlich kurze Tage! Und dann ... und dann ..."

    „Auch in nur zwei Tagen kann ich dir viel erzählen, das verspreche ich – auch wenn dann die Zeit womöglich noch schneller vergeht als sonst!"

    „Kanonenrohr und Säbelrasseln – das soll ein Trost sein? Ich bin zutiefst schockiert! Aber wenn schon ... wenn schon – dann berichte mir doch noch einmal, warum diese Reise zu den wilden Rothäuten dir so ungeheuer wichtig ist! Was hat dir diese ... diese dir überhaupt nicht bekannte ... wie heißt sie noch? ... Flatternde Nebelkrähe überhaupt geschrieben, dass du alle anderen Pläne Knall auf Fall, holterdiepolter über den Haufen werfen willst?"

    „Trauriger Adler, nicht Flatternde Nebelkrähe, lieber Onkel! Ich will dir gerne noch einmal alles von Anfang an berichten! Höre aber gut zu – ein drittes Mal gibt es nicht!"

    Dieses Gespräch – der kundige Leser weiß es längst – fand zwischen mir und meinem Onkel Friedrich Holunderbusch statt, seinerzeit Hauptmann bei den preußischen Kürassieren, später Förster in Waldeshausen bei Kötschenbroda und nun schon seit einer Reihe von Jahren im Ruhestand und leider durch seine gichtgeplagten Füße mehr als wünschenswert an seinen Lehnstuhl gefesselt. Nachdem seine Tochter Anni – sein einziger Sonnenschein, wie er immer wieder betont – nach Familiengründung das Forstgebäude verließ und mit mittlerweile zwei Kindern sowie einem dritten unterwegs auch ihre Besuche dort einschränken musste, war nur noch Onkels ehemaliger Forstgehilfe Fritz Pfeifendeckel Mitbewohner des großen und deshalb jetzt doch sehr leeren Hauses.

    Fritz kümmerte sich rührend um seinen ehemaligen Chef – aber natürlich konnte er Anni nicht ersetzen. Letztlich brachten meinem Onkel deshalb nur die Erzählungen meiner aufregenden und abenteuerlichen Erlebnisse in weit entfernten fremden Welten Abwechslung in seinen sonst doch oft sehr eintönigen Tagesablauf. Seine Enttäuschung über meinen jetzt notgedrungen arg verkürzten Aufenthalt war umso verständlicher, als er meinen Abenteuern immer förmlich entgegenfieberte und deren Geschehnisse so miterlebte, als ob er sich selbst mitten im Schlachtgetümmel befand. Apropos Schlachtgetümmel: Seine einst militärische Vergangenheit lässt sich – wie schon mehr als deutlich geworden ist – an seinen Kraft­ausdrücken ablesen, deren Repertoire sich ständig erweitert. Das wird mit Sicherheit immer so bleiben.

    Ja – nun war es also an mir, ihm noch einmal so kurz, aber auch so diplomatisch und verständlich wie möglich zu erklären, warum ich meine Pläne zu seinem Nachteil ändern musste. Hier war es wichtig, sehr vorsichtig und schrittweise vorzugehen ...

    „Onkelchen – ich habe dir früher viel von meinem Blutsbruder Winnetou, dem damaligen Oberhäuptling aller Apachen, erzählt ..."

    „Klar! Edler Wilder! Guter Mensch! Aber schon lange tot! Ermordet! Tausend Donner und Millionen Blitze – ist lange her, bedauerlich, doch nicht zu ändern!"

    „Es ist lange her und nicht zu ändern, da hast du natürlich recht – und doch holt einen die Vergangenheit manchmal wieder ein und wird zur Gegenwart! Höre zu! Damals fielen auch Intschu Tschuna, der Vater von Winnetou, und Nscho-tschi, Winnetous Schwester, dieser Mörderbande zum Opfer ..."

    „Verbrecher, elende! Bei allen tausend Teufeln! Mögen sie in der Hölle, im heißesten Fegefeuer, schmoren!"

    „Da befinden sie sich schon lange! Heute dreht es sich darum – ich teilte mit Winnetou ein Geheimnis, von dem nur der jeweilige Stammeshäuptling und sein designierter Nachfolger wissen durften. In diesem konkreten Fall galt das auch noch für Klekih Petra, dem Erzieher von Winnetou, der auf seinem Totenbett mich, Old Shatterhand, zum Nachfolger Winnetous bestimmte ..."

    „Heiliges Kanonenrohr – das hast du mir nie erzählt! Dann bist du auch ein Häuptling der Apachen?"

    „Nein. Es war wohl Klekih Petras Wunsch, aber das wäre nie gut gegangen. Ich lehnte dankend ab und ein junger Apache namens Einsamer Büffel wurde der neue Häuptling, allerdings nicht aller ­Apachenstämme, sondern nur der Mescalero-­Apachen. An ihn gab ich das Geheimnis weiter, das ich mit Winnetou geteilt hatte."

    „Schockschwerenot – und was ist das nun endlich für ein Geheimnis, von dem jetzt dauernd die Rede ist?"

    „Warte nur ab! Ich erhalte nun also das von dir schon erwähnte Schreiben vom Traurigen Adler ..."

    „Ha! Von der Flatternden Nebelkrähe!"

    „Richtig! Und erfuhr, dass der Einsame Büffel durch einen Unfall ums Leben gekommen ist, ohne vorher seinem Nachfolger – eben dem Traurigen Adler – das Geheimnis mitgeteilt zu haben ..."

    „Pech, bei allen Kruzitürken, wirklich! Dann ist das Geheimnis eben weg, vollkommen, für immer, nicht zu ändern!"

    „Eben nicht, Onkelchen – ich lebe ja noch und weiß, worum es sich handelt!"

    „Bei allen Säbeltigern und Kürassieren – du behältst es einfach für dich! Ist immer besser!"

    „Das kann ich nicht! Schon allein Winnetous und der Apachen wegen nicht."

    „Tausend Donner – dann sage es mir doch endlich! Bin gespannt wie eine antike Steinschleuder!"

    „Nun gut. Du weißt – ich erzählte es dir früher schon – Winnetou hatte, wie sicherlich auch andere Indianerstämme, Kenntnis von Goldvorkommen in der Sierra Madre, von denen außer ihm niemand wusste, und nur dann, wenn ein ganz bestimmter, dringender Bedarf vorhanden war, ist er alleine – oder auch mit mir zusammen – dorthin aufgebrochen, um sich ein paar Nuggets zu holen."

    „Ha! Gold! Geld! Dachte ich mir’s doch – was dreht sich in dieser Welt nicht um dieses Teufelszeug? Und jetzt ..."

    „Jetzt bin ich der Einzige, der noch weiß, wo dieses Gold zu finden und zu holen ist."

    „Schlecht, Karl, sehr schlecht sogar! Gold! Das bringt nur Unglück, beim heiligen Kanonendonner! Sag einfach, du hast es vergessen, und die Sache ist erledigt!"

    „Das kann ich nicht, wirklich nicht. Hier zu helfen, das bin ich einfach den Apachen und dem Andenken an Winnetou schuldig!"

    „Hach! Immer dieses preußische Ehrgefühl! Und wenn überhaupt – warum dann alles jetzt, gleich, sofort, mit dem vermaledeiten nächsten Dampfer? Genügt auch, wenn diese Wilden ihr Gold etwas später kriegen! Haben es schließlich fast zehn Jahre lang nicht gebraucht!"

    „Vielleicht nicht, vielleicht auch doch, das weiß ich nicht. Jetzt aber ist tatsächlich Not am Mann ..."

    „Ha! Mein Neffe! Wie immer der edle Retter! Und warum ist es – zum Teufel! – wieder einmal so eilig?"

    „Der Indianer – Manitu sei’s geklagt – ist heute schon lange nicht mehr der eindrucksvolle ­Machtfaktor, der er einmal war. Die Apachen waren einst im Südwesten der Vereinigten Staaten das zahlreichste, in viele Unterstämme gegliederte Volk. Ihr Lebensraum waren die Wüsten und Steppengebiete der Staaten Arizona, New Mexico und Texas. Bei Verfolgung zogen sie sich in die nördlichen Berge von Sonora und Chihuahua zurück, ebenso in die unzugängliche Sierra Madre. Das war für sie das Kernland ihrer Heimat. Durch die unaufhaltsame Ausbreitung der Weißen wurden sie aber immer weiter nach Westen zurückgedrängt ..."

    „In der Tat, bedauerlich, bei allen Heiligen und die es noch werden wollen! Aber was hat das mit deiner unüberlegten Eile zu tun?"

    „Die ursprüngliche Heimat speziell der Mescalero-­Apachen liegt in New Mexico zwischen dem Rio Pecos und den Sacramento Mountains. Sie betrieben nie Ackerbau. Ihre wichtigste Nahrungsquelle war immer die Jagd – die Büffeljagd –, hinzu kam die Sammlung essbarer Pflanzen und Früchte. Es versteht sich, dass dies zu nomadischer Lebensweise führt und einen entsprechend großen Lebensraum voraussetzt. Und eben dieser ist heute nicht mehr vorhanden! Schon 1873 wurde den ­Mescaleros ein eigenes Reservat zugewiesen – die Bosque Redondo Reservation am Rio Pecos, zwar innerhalb ihres ehemaligen Stammesgebiets, aber natürlich viel, viel kleiner! Eine trockene Hochlandwüste mit ­schütterem Baum- und Strauchbewuchs nördlich von Phoenix und zum Teil, vor allem im Osten, sehr gebirgig ..."

    „Unglaublich, beim Teutates! Und auf dieser Basis können sie ..."

    „... nicht leben, jedenfalls bei Weitem nicht so wie früher, auch dann nicht, wenn man berücksichtigt, dass der frühere Lebensraum der Mescaleros nie dicht bevölkert war."

    „Teufel auch! Und nun wollen sie mit dem geheimen Gold ihr Land zurückkaufen!"

    „Nein – das ist für immer vorbei, unmöglich. Das Gegenteil ist der Fall! Die Weißen drängen in Washington immer stärker auf eine Erweiterung ihrer Farmflächen nach Westen und haben es tatsächlich erreicht, dass die dortige Regierung erwägt, das Reservat der Mescaleros noch weiter zu verkleinern!"

    „Bei allen tausend Kürassieren und Feld­haubitzen! Da kann auch Gold nicht helfen!"

    „Vielleicht doch! Wie mir Trauriger Adler geschrieben hat, haben sie einen mit dem Schicksal der Mescaleros vertrauten und dem Stamm gegenüber positiv eingestellten Anwalt in Phoenix beauftragt, rechtlich gegen diese Forderung einer bestimmten Gruppe von Weißen vorzugehen, und tatsächlich stehen die Chancen offenbar nicht schlecht, dass den Apachen Recht gegeben und der Antrag in ­Washington zu Fall gebracht wird."

    „Heureka! Dann ist doch alles in Ordnung!"

    „Eben nicht – und hier kommt das Gold ins Spiel! Der Anwalt setzt sich sehr – und offenbar ja auch mit Erfolg – für die Mescaleros ein, aber natürlich nicht umsonst! Bisher war es den Apachen nicht möglich gewesen, seine Geldforderung zumindest in Raten zu begleichen und nun will der Anwalt, wenn er nicht bald innerhalb einer bestimmten Frist einen deutlichen Abschlag erhält, das Mandat niederlegen – und die Gegner der Apachen bekommen doch noch, was sie wollen!"

    „Panzerkreuzer und Kanonenboot! Und deshalb ..."

    „Genau deshalb ist diese Eile nötig! Erst mit diesem Gold, zu dem nur ich ihnen noch verhelfen kann, und das so rasch wie möglich, können die Ansprüche der Mescaleros noch erfolgreich verteidigt werden!"

    „Verstehe jetzt, Karl, verstehe vollkommen – auch wenn höchst bedauerlich für mich! Was hast du mir alles über Winnetou und die tapferen Apachen erzählt – und so endet dann ein einst stolzer und mächtiger Indianerstamm in einem kümmerlichen Reservat! Alle Donner! Das ist tragisch – wie für Napoleon sein Waterloo!"

    „Du sagst es! Es hat allerdings einen Mescalero gegeben, der sich diesen Tatsachen nicht gebeugt hat – Geronimo!"

    „Geronimo? Wer ist denn das? Den hast du noch nie erwähnt!"

    „Geronimo wäre unter anderen Umständen möglicherweise der eigentliche Häuptling der Mescaleros, vielleicht sogar der Oberhäuptling aller Apachenstämme geworden! Er ist berühmt geworden, weil er sich nicht mit dem Leben in einem ärmlichen Reservat abfinden wollte, und floh mit seinen Anhängern über die mexikanische Grenze in die südliche Sierra Madre, wo er bis heute als Widerstandskämpfer dem US-Militär die Stirn bietet!"

    „Tapfer! Ein echter Winnetou! Aber ..."

    „Aber, natürlich, er steht dennoch auf verlorenem Posten, ganz klar. Den Zeitenläufen kann niemand entgehen oder sie gar umkehren. Du siehst, Onkelchen, ich habe jetzt wirklich keine Zeit mehr zu verlieren – und ich freue mich auch darauf, nach einer ganzen Reihe von Jahren wieder in den ­Wilden ­Westen zu kommen, um dabei hoffentlich auch einige meiner alten Freunde wiederzusehen."

    „Du hast ihnen geschrieben?"

    „Ich habe Sam Hawkens telegrafiert, ihn werde ich auf jeden Fall treffen. Ich hoffe aber, dass er auch noch zu anderen Verbindung hat und sie zu unserem vereinbarten Treffpunkt zusammenrufen kann. Ich konnte natürlich nur eine ungefähre Zeit angeben, aber irgendwie wird sich das wohl machen lassen. Das hoffe ich jedenfalls sehr."

    „Sapperlot – deine alten Freunde! Sam ist ja wohl derjenige, der immer sagt: wenn ich mich nicht irre, hihihi? Und für den du immer ein Greenhorn geblieben bist?"

    „Genau! Du hast ein gutes Gedächtnis! Tatsache ist, dass er es zusammen mit Winnetou war, die mir die nötigen Fertigkeiten als Westmann beigebracht haben! Ein Original wie den Sam findet man wohl nirgends wieder – von Indianern einst skalpiert, schmückt er seinen kahlen, blutroten Schädel mit einer völlig unmöglichen Perücke, sein Gewehr Liddy ist so krumm, dass man damit um die Ecke schießen kann, und sein inzwischen wohl längst heimgegangenes Maultier Mary war schon damals so alt, dass es gar keine Mähne mehr hatte und dessen Schwanz nur noch aus einem nackten Stummel bestand, an dem sich zehn oder zwölf Härchen langweilten ..."

    „Meiner Treu! Da schlag doch einer dem Fass die Krone ins Gesicht! Was da in deinem Wilden ­Westen so alles herumläuft! Und dann kanntest du doch auch noch so einen Humpel-Franzosen aus Moritzburg, gar nicht so weit von hier ..."

    „Kein Franzose – du meinst den lieben Hobble-Frank, dem ein Indianer in den Fuß geschossen hatte und der seitdem immer leicht humpelte ..."

    „Richtig! Seltsame Freunde hattest du! Und war das nicht auch dieser Humpel-Frank, der bei vielem, was er sagte, immer alles verdrehte?"

    „Ja – auch an das erinnerst du dich! Etwas seltsam waren sie tatsächlich alle – vielleicht bin ich es inzwischen auch geworden! Der Westen, seine Gefahren und seine Einsamkeit haben wirklich sehr ungewöhnliche Typen hervorgebracht. Wenn ich da an Tante Droll denke ..."

    „Hoppla! Ich dachte, ich wäre dein einziger Verwandter! Und nun hast du auch noch irgendwo eine Tante?"

    „Keine Sorge! Auch diese Tante ist ein Westmann, ein Vetter von Hobble-Frank übrigens. Eigentlich heißt er Sebastian Melchior Pampel. Seinen Spitz­namen erhielt er aufgrund seines langen, frauen­haften Gewandes und seiner hohen Stimme."

    „Da brat mir einer einen Storch oder etwas Besseres! Namen haben diese Burschen, da ist so ein Spitzname direkt eine Erholung!"

    „Das ist noch gar nichts! Der Hobble-Frank wurde Heliogabalus Morpheus Edeward Franke getauft!"

    „Beim heiligen Odysseus – wenn ich nun so hieße? Nicht auszudenken! Da sind mir fast tausend Schrotkörner lieber! Damit ist nun aber wohl Schluss mit deinen doch teilweise sehr merkwürdigen Freunden!"

    „Eigentlich nicht, auch wenn ich mit den anderen nicht so häufig zusammen war. Da sind zum Beispiel Dick Stone und Will Parker, die viele Jahre mit Sam Hawkens zusammen den Wilden Westen durchstreiften und deshalb auch als Das Kleeblatt bekannt wurden."

    „Nun ja – Gesellschaft ist immer besser und geteilte Gefahr nur noch halbe Gefahr – oder?"

    „Das kommt darauf an – manchmal verdoppelt sie sich auch, wenn sich nicht jeder richtig verhält."

    „Den Himmlischen Heerscharen sei Dank – damit bist du jetzt hoffentlich am Ende!"

    „Immer noch nicht ganz! So habe ich zum Beispiel die Verkehrten Toasts noch nicht erwähnt ..."

    „Beim türkischen Krummsäbel! Wie ist das nun wieder zu verstehen?"

    „Dick Hammerdull, kurz und dick, und Pit ­Holbers, lang und dünn, wurden so genannt, weil sie im Kampf immer Rücken an Rücken stehen. Und sie haben noch eine weitere besondere Eigenart. Pit nämlich spricht in der Regel nur, wenn Dick ihn etwas fragt und dann auch nur, um diesem zuzustimmen – zumindest meistens ... manchmal aber auch nicht ..."

    „Holla! Das muss aber zu sehr seltsamen Wortwechseln führen!"

    „Nun ja – es ist immer gut, wenn man etwas zum Lachen hat! Ich erinnere mich, dass wir drei einmal auf einem schmalen Pfad, der an einem sumpfigen Weiher vorbeiführte, einer Indianerspur folgten. Dabei wurde Dicks Pferd von einer dicken Bremse gestochen, es scheute und Dick flog in hohem Bogen in den Sumpf. Als er rundum von Grünzeug behängt und mit einem fetten Frosch auf dem Kopf dem Schlammbad wieder entstieg, sagte er nur: Beim Manitu,

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