Metamotivation ist möglich: Existenziell statt Elektronisch gewonnene Erkenntnisse für das 23. Jahrhundert. Manifeste, Antiprosa, Neuropoesie & mehr: Werkquerschnitt durch alle 27 Bücher 2014 - 2020
Von Tom de Toys
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Über dieses E-Book
Tom de Toys
Tom de Toys (bürgerlich: Tom Holzapfel), geb. am 24.1.1968 in Jülich/NRW, lebt seit 2012 in Düsseldorf Eller Süd. Machte 1989 eine sogenannte Lochismus-Erfahrung, die seine "Direkte Poesie" als Neuropoesie initiierte. Gründete 1990 das Institut für Ganz & GarNix (g-gn.de), entdeckte 1994 die "Erweiterte Sachlichkeit" als Liebeslyrik-Therorie (liebe2go.de), gewann 2000 den ersten Nahbell-Lyrikpreis (poesiepreis.de), erfand 2001 die Quantenlyrik (quantenlyrik.de) und gründete seine Trademark POEMiE. Seit 2015 Anhänger von Nullyoga und Gastautor bei der LDL (Liga der Leeren). Organisierte bis 2017 drei Offlyrikfestivals (lyrikfestival.de). Seit 2018 als "zusätzliche Betreuungskraft" zertifiziert (betreuungsalltag.de), seit 2021 im unfreiwilligen #BETREUXIT. Reaktivierte 2019 seine Freejazz-Klavierreform "Das Desinteressierte Klavier" (nondualjazz.de). Alle lieferbaren Bücher @ Neurogermanistik.de & Neuroliteratur.de // Publikationen (Auswahl aus ca. 200 Büchern & Heften, seit 2014 mit ISBN): 1989 "Die Mystische Inflation" (Das komplette Frühwerk in 4 Bänden im Schuber), 1990 "Das Letzte Buch" (Kunstkatalog mit ausgewählten Bildern & Gedichten), 2014 "ZIELE DER ZÄRTLICHKEIT" (Jubiläumsausgabe aller E.S.-Liebesgedichte 1994-2014), 2015 "BODENLOS VERWURZELT WIE EIN STERN" (Großer Werkquerschnitt 1985-2015), 2018 "NEUROSMOG - ABGRUNDTIEFE WELTROUTINE" (Kritische Poplyrik 2011-2015), 2020 "POETROPIE" (Metapoetologie der Neuropoesie 1993-2020 inkl. Corona spezial), 2023 "SYMPTOMFREI OFFLINE" (45 neue definierte Gedichte 2020-2022)
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Buchvorschau
Metamotivation ist möglich - Tom de Toys
01) WELLNESSLYRIK (14 EUR) erschien am 25.7.2014
28.12.2010
PERMANENTER PERFEKTIONISMUß
nur 1x im leben
die fingernägel schneiden
und nie wieder
nur 1x den staub
von den regalen wischen
nur 1x im leben
aufs klo müssen
nur 1x den körper
komplett waschen
und dann nie mehr
nur 1x sex mit dem
ultimativen orgasmus
nur 1 einziges bild malen
nur 1 gedicht
1 gedanke
1 mystische erfahrung
1 traumfrau
1 lieblingsessen
1 sonnenuntergang
1 spaziergang
1 zigarette
1 flasche vom besten rotwein
1 handvoll lakritz
1 schokolade
1 auftritt mit 1 musiker
1 begegnung mit 1 gespräch
das alles auf 1 punkt bringt
einfach alles einfrieren
verewigen!
1x für immer aufräumen und
das zimmer als tempel benutzen
ohne jemals wieder
aus der sterilen meditation
gerissen zu werden
durch nichts
aus der ruhe gebracht werden
totale urruhe für immer
totenstille
leichenstarre
und dann?
wieder von vorne...
19.9.2011
TOTENTÄNZER
(DAS ULTIMATIVE ANTI-ALLTAGSGEDICHT
IN ZWEI VERSIONEN)
hektisches treiben
im schlafwandler modus
die bahn hat verspätung
die seele noch mehr
wer jetzt rennt RENNT... um
sein (1.verplantes; 2.verpeiltes)
leben HERUM wie die mütter
um ihre soldatensöhne der
schützengraben heißt heute schule
der friedhof ist längst schon
ein wellness center für drogenbosse
und wir stehen leicht
irritiert an der autobahn auffahrt
und bremsen ein letztes mal
um die musik lauter zu drehen
der nieselregen verrät die gewählte
jahreszeit auf dem kontinent aller
supertalente sims mir
sobald du bescheid weißt ich
brenne vor neugier auf weitere
informationen gez. Dein Dichter
und sein fast fertiges
super XL gedicht
3.11.2012
BEWUßTSCIENCEVERFASSUNGSSCHUTZKLEIDUNG
schrei mich an
wenn ich dir ausweiche
vom wetter erzähle mich wegdrehe
oder in schweigen hülle
als hätte ich dich nicht verstanden
komm schrei mich an
rüttel mich wach
schüttel mich
lass nicht locker
nur weil ich dir weismachen wollte
die fragen wären zu hoch für mich
oder zu sonderbar oder zu schwierig
weil ich mich gerne hinter dem alter verstecke
los schrei mich an
rüttel mich wach
schüttel mich
denn ich bin nicht senil
und ich jammer auch nicht
über das wetter und all meine wehwehchen
ich will von dir all diese fragen hören
nach deren antworten ich selbst
in der vergangenheit suchte
als meine sinne mir keinen streich spielten
mein körper nicht müde im sessel versackte
und mein bewußtsein hellwach in die ferne schweifte
wo gott und die liebe als schöne begriffe wohnen
die niemand mehr nachvollzieht aber
im alltag benutzt wie die normalen wörter für
kleidung nahrung und beziehungsprobleme
kritiklos und kommentarlos
wie apfel hose und angst
deren existenz davon abhängt daß wir
ein ding dazu beißen tragen und fühlen können
auch gott und die liebe brauchen handfeste beweise
ansonsten ersticke ich an den buchstaben
deren hohler klang meine seele vergiftet
komm schrei mich an
weil ich weder senil noch dement bin
rüttel mich wach
rezitier dieses gedicht laut und deutlich
obwohl ich überfordert scheine
schüttel mich panisch
schmeiß alle sachen zu boden
starr mir entsetzt in die augen und
lass nicht locker wenn ich behaupte
der text sei zwar nett aber die zeit nun um
schrei mich an rüttel mich wach
und erklär mir zitternd vor schreck
daß ich die reimlosen zeilen hier
absolut eigenhändig niederschrieb
um mich selbst in der zukunft zu nerven
nicht anzulügen nicht aufzugeben
den nahenden tod weder zu leugnen
noch auf die leichte schulter zu nehmen
los schrei mich an
sag mir die wahrheit
lies mir die großen gedanken vor
die mich mein leben lang weise begleiteten
gib mir mein ganzes gedächtnis
in einer einzigen stunde zurück
die gesamte erinnerung an mein eigenes werk
komm schrei mich an
rüttel mich wach
schüttel mich
bis ich es endlich kapiere
denn sonst hätte ich gegen mich selbst verloren
die dichtung als aufputschmittel hätte versagt
und das projekt poesie wäre kläglich gescheitert
28.8.2013
ZWANGLOSES ZUHAUSE
ICH
BIN
IN
MIR
BIN
ICH
BIN
WO
ICH
BIN
IN
MIR
BIN
ICH
IN
MIR
13.5.2014
NEUROSCHA(U)M
niemand
fragt mehr nach
dem religiösen WARUM
weil sich das scheinproblem
heute beim staunen erledigt hat
wenn ich der alten tradition
aus sehnsucht und suche
verhaftet wäre könnte ich
jetzt eigentlich sterben denn
das gewaltige rätsel des daseins
ist endlich gelöst es hat
sich urplötzlich und
vollkommen unerwartet
von selbst aufgelöst in diesem
einswerden des wortes ich
mit dem objekt seiner stillen
begierde als leere mitte
der ganzen materie aus der
das bewußtsein bewußtheit
von innen empfindet wo alles
nach außen gestülpt
umeinander tanzt in der
zeitrechnung aus zeitlosen
momenten der ankunft die
weder sehnsucht benötigen
noch ängste erzeugen
sondern das LEBEN
in seiner berausch...
...enden echtheit
feiern!
15.6.2014
NEUROGERMANISTIK
kein gedicht und kein gesang
hat diesen göttlichen tiefgang
der gefühle und erkenntnisse
in der sekunde wenn uns etwas
unbegreifliches passiert das
uns den atem raubt das hirn
wegpustet alle worte zaudern
lässt das unwahrscheinliche
ereignis zwingt die zellen
ohne bilder zu erschaudern
nicht in rätseln nicht in
reimen über unvorstellbares
zu plaudern sondern nur die
poesie des echten lebens
zu ertragen ja zu sagen
ja und nochmal ja ja ja
02) INWESENHEIT (14 EUR) erschien am 15.8.2014
16.1.1992
HILFE
Im Körperkreis
Zuhause
Wo Ich
Aus Der Ruhe
Zu Dir
Fließe
17./18.6.1997
D.A.S.
(DIE ALLGEMEINE SACHE)
es gibt kein ich
es gibt kein du
es gibt kein es
kein dich und mich
es gibt nur alles
das ist alles
Winfried Wandler, 19.6.2001
ÜBERSTRÖMUNG
(DAS GROßE SPERMASPEKTAKEL)
im sinnlichen / zuhause / weil ihr / wie von sinnen / seid ihr / küßt euch hart und / heftig kurz vor jedem / untergang spürt ihr / die liebe zwischen / feuchten schenkeln öffnet / sich unendlichkeit hier / leuchtet alles / aus der grenzenlosen / wollust die zwei / menschheiten verbindet zwei / menschheiten erfinden / den schweiß ihrer Gegenseitigen / Gegenwart und / berauschen sich an dieser / lust auf etwas / leichtigkeit das bißchen / frieden dieses kleine / glück der menschen / die sich mögen die / sich wollen die / sich wenigstens ein bißchen / necken ihre geister aneinander / reiben ihre leiber umeinander / lecken von der einen zu der andern / front ihr seid / von eurem schweiß / besoffen nur / das eine zählt nichts / anderes zu hoffen / die geschlechter kämpfen / um geschlechter / übermenschen vögeln / mit gelächter / oder glaubt ihr etwa / an den lieben gott / vergeßt den schrott / ihr müßt nun / hüter der gefühle / spielen gegen diese postmoderne / kühle denkt ihr / denn da sei / noch mehr als bloß / mechanische langeweile... / LIEBE IST QUANTENMECHANISCH UND MEDITATIEF / wo früher ein gott wohnte / heute nur nullen und / einsen um euch / zu verstehen hat / jede ekstase / die richtigen neuromagnetischen werte / das tauschgeschäft / blüht und gedeiht wenn / der kosmische stromkreis stimmt / ist der andere gar / nicht weit //
5./6.8.2011
STOßGEBET EINES
ZEN-MEISTERS BEIM SEX
Meine neongrüne hirnhaut...
Meine blutorangen herzklappen...
Mein goldenes seelenflimmern...
Mein lapislazuli leuchtender leib...
Meine größten gelben gefühle...
Meine demütigen lila gedanken...
Mein harter gläserner schwanz...
Meine rosa erinnerungen...
Meine türkisen visionen...
Meine hellgraue müdigkeit...
Mein dunkelgraues vergessen...
Mein schwarzes nichtsein...
Mein weisses unendlichsein...
Dein weisses unendlichsein...
Unsere kunterbunt glitzernde liebe...
Unser gemeinsames blühen und welken...
Unser dahintreiben in lichtfluten...
Unser ocker gestreiftes wissen...
Unsere farblos geteilte leere...
03) NEUROSCHAMANISMUS (14 EUR) erschien am 20.8.2014
8.10.1990
VOM SELBST ZUM SEIN
[TRANSRELIGIÖSES URGEBET FÜR DAS 23. JHD.]
wenn ich von weit draußen heimkehre
erfolglos bei der sucht nach Sinn
und durch DAS WINDLOCH
IN DER MITTE EINES SPIEGELS springe
wo wirklich alles klitzeklein verendet
lande ich wieder auf derselben seite
weil es keine andere gibt
nur leuchtet mir das ganze jetzt
als unendlich große antwort
und ich steh frei
mit allen anderen verbunden
mittendrin und tanze lachend
durch die zeit
bis unsere Bewegung vollends
zur ewigkeit verschmilzt
20.7.1993
100% DA
wie könnte mein geist
denn abwesend sein
wenn er im körper
nicht nur wohnt
sondern dadurch
erst geschieht
ich gebe alles
ohne zu verlieren
weil bloß offensichtliches
dem willen lebbar bleibt
in deiner nähe
flüchtet nichts
5.7.1994
AUTHENTIZITÄT
...und zwischendurch
so tun als ob
dir alles weggenommen sei
nicht nur dein wichtigstes
und schönstes und
wertvollstes aller sachen
sondern alle sachen
alles wissen
aller glaube
alle möglichkeiten
alle menschen
einfach alles
weg
geklaut gestorben
aufgelöst
Du Bist Alleine
ganz allein
im freien offenen
mit dir und
nur mit dir
sonst nichts
noch nicht einmal
gedanken und gefühle
kein gedächnis
Nur Dein Körper
SCHAUT
aus sich heraus
und nimmt sich
seiend
wahr und
weiter im
spiel...
1.4.1997
URSCHALL (G²)
plötzlich bricht
die gnadenlose gegenwart
unendlich zwischen uns
herein als leerer spalt im
wirklichkeitsgefüge öffnet
sich erschütternd schnell
die lüge aller trägen
träume durch das echte
dasein in der mitte
aller zeiten aller räume
mark und bein und
duldet keine widerrede
liebe war dagegen
bloß ein nettes wort
hier riecht es immerfort
ein bißchen
nach verbrannten
seelen leben
hart und hell
3.2.2005
(EMP)FÄNGER AM (S)ENDE(R)
schalt dein inneres radio ein
schalt es ein
schalt es ein
es ist dein eigenes
radio in der seele
dein radio im gehirn
in den fingerspitzen
unter den füßen
über dem kopf
mitten durchs herz
dringt die schwingung
deiner eigenen stimme
deiner inneren stimme
es ist die stimme
einer anderen dimension
im hier und jetzt
dein echtes leben ist
ein einziges großes radio
alle instrumente sind
überflüssig sämtliche
elektronischen ersatzreligionen
quatsch – was du brauchst
findest du ganz allein
in dir selbst in dir
selbst empfängt dich
ein grenzenloses loch das
ist das ende aller blockaden
das ende sämtlicher einbildungen
es ist das radikale
radio deiner seele die wellen
eines leeren ozeans
sprechen direkt
durch dich
26.+27.+30.3.2007
ÜBERZENiL
kein anfang
und
kein ziel
kein universum
keine strahlung
keine ungeduld
kein blatt vorm mund
kein kraftverlust
kein urlaub und
kein klima und
kein mensch kein
monster keine
AUGENBLICKE
kein signal
kein blumentopf
kein bierdeckel
und keine krankheit
kein kein kein kein
nie mehr zähneputzen
nie mehr autowaschen
nie mehr häuser bauen
rasen mähen haare schneiden fingernägel
ATMEN
bücher lesen und
gedichte schreiben
nie mehr nie mehr
nie nie
mehr
29./30.1.2014
DÜSSELDORFER ELEGIE
dieses gedicht richtet sich
weder an selbstmörder noch sublimationskünstler
es dient nicht der verdrängung
vertuschung verharmlosung von tatsachen
in ihm passiert keine ablenkung vom eigentlichen
die literatur hat hier nicht mehr das ziel
auf einem poetisierten niveau zu unterhalten
die unterhaltung ist hiermit zuende
das ende der poesie kennt keine grenzen
die realität sieht dramatischer aus
als der radikalste text
das jahrtausend der religionen ist überstanden
der historische wahn der epochen museumsreif
die symbole der freizeitkulturen anachronistisch
das herz schlägt nicht mehr für eine große sache
sondern nur WEIL ES SCHLÄGT
das gehirn neuroniert nicht mit abstraktionen
sondern nur alternativen und
alternativen sind ausverkauft
die produktion wurde eingestellt
die fabriken gesprengt
auf den kratern wachsen gänseblümchen
niemand pflückt blumen
die vasen bleiben leer
rote rosen verwelken an ihrem natürlichen ort
und die menschen verschwinden
nachdem sie geboren wurden
mal früher mal später
mal durch einen unglücklichen umstand
einen dummen zufall oder
erst wenn sie alt und gebrechlich sind aber
verschwinden tun sie alle nachdem sie
ein paar überflüssige worte wechselten
einige echtzeitereignisse miterfanden
das ein oder andere schicksal erlitten
und sich nicht fragten
WOZU DAS DENN GUT SEI
warum es die wirklichkeit gibt und
weshalb wir noch immer
das halbe leben verschlafen
die andere hälfte verträumen und
hoffen im jenseitigen licht aufzuwachen
während DIE SONNE SCHEINT und
die dinge beleuchtet
die wir hinundher bewegen
solange die lebenszeit reicht
die bewegung ist trivialisiert
eine echte bewegung braucht eine idee
eine idee braucht fanatiker
die daran glauben
ICH GLAUBE NICHT MEHR SONDERN ICH SPÜRE
das dasein
in seiner banalsten geheimnislosigkeit
und empfinde die kostbaren sekunden
der anwesenheit als exakt das was sie sind
nämlich ANWESENHEIT
ohne verschnörkelung ohne zusatzstoffe
die dinge sind dinge das ganze das ganze
ich sitze ich liege ich laufe ich stehe
ich tue ein paar wenige dinge
danach tue ich andere dinge und dann
schaue ich menschen zu wie sie
aus meinen dingen ihre dinge erschaffen
aus denen ich wiederum meine schaffe
die ganze erschaffung von lebenswelt
aus dem geiste der großen gebärden
und in dieser welt halten wir uns
einige zeit über wasser
wir halten uns auf
wo die hände schon selbstgebaute und
selbstgewählte haltegriffe ergreifen und
halten uns aus
wenn wir die hände schütteln und
denken nicht nach
über die tagtägliche langeweile
das leben der abenteuerlosen
zwangsläufigkeit aller abläufe
in die alles irgendwie mit verwickelt ist
ohne sich selber darüber bewußt zu sein
daß alles IST und nicht anders kann
als so SELBST zu sein wie alles andere
mag es mineral oder mensch heißen
atom oder automobil pelikan oder plastik
metall oder maulwurf gebüsch oder gebäude
die dinge sind allesamt an dem platz
wo sie hingehören sie hören einander zu
wie sie atmen rauschen knirschen
knacken rascheln zischen brummen flattern
was wenn jedes ding erkennen würde
daß es IST und
nicht aus seiner haut entweichen kann
der fels empfände plötzlich sein gewicht
und wie die brandung ihn umspült und
müßte dort am strand verharren
weil er keine beine hat
der strauch wird sich der dornen bewußt
und wie der wind die äste wiegt und
stände da inmitten der prärie und
wüßte nicht warum das universum sowas braucht
der ganze blaue erdenball treibt
durch die kalte schwarze leere um die sonne
und die sonne hätte ein gefühl für ihr verglühen
der planet ein selbstbewußtsein für
die atmosphäre
alles würde sich beim namen nennen
und bestätigen ES IST DAS SEIENDE
das unfassbare ganze das
um sich bescheid weiß
04) JETZT ODER NIE (20 EUR) erschien am 13.11.2014
BERLIN, 21.5.2007
DÜSSELDORF, 25.11.2011
DÜSSELDORF, 12.1.2013
05) ZIELE DER ZÄRTLICHKEIT (16 EUR) erschien am 19.11.2014
12.12.1994, 1.E.S.
WIEDERGEBORENE
wir nahmen
uns
in uns
und schauten
in den augen
in den mündern
das beseelte
mich mit dir und
dich mit mir und
hatten hunger
aus winternächten
da wir zwischen
häuser rannten
die den krieg
erinnern wohnen
überall in uns
verblieben
verblieben
9.4.1995, 2.E.S.
ENTARTETE
geteiltes glück ist millimeterarbeit
morgens neben dir
erwacht geteiltes
glück ist
millimeterarbeit unverbrauchter
schenkel schmiegen sich im
hinterland der öffentlichen
brennstoffmängel noch nach jahren
schamlos sachlich als
ein zuckerfreies grab mit
neongrüner beleuchtung von allen
seiten aufgerichtet wie
die echte stunde null
mein weltkrieg endet
bei dir
27.1.1997, 12.E.S.
(D)UR(CH)DÄNKER
hart auf hart
zueinander fasten
ewigkeit zerteilen
in dich und
in mich und
niemand anders
kommt um
uns zu heilen
hier beginnt
die schrecksekunde wächst
und weitet körper
körperlich ertasten jedes
mal das erste
grabmal
leuchten
22.11.1998, 22.E.S.
WIRKLICHKEITS(T)RÄUMER
mitten
im kalten
herz der nation
unendlich glücklich
und allein
mit dir so eins
daß unsere gesichter
ineinander wohnen
als ewiges
küssen zu früher
zukunftsreisen gnadenloser
gegenwartslippen ohne zwischenraum
von hirn zu hirn
lesbar wie das
jenseits selbst
30.9.2001, 32.E.S.
ÜBER1ANDERE
...und beide becken
bewegen sich sanft
auf einer bodenlosen welle
durch die körper
fließen alle zeiten
in die gegenwart
der zutraulichen menschenkinder
zwischen tag und nacht
und nacht und tag
kein krieg kein sieg
kein nichts kein
garnichts kann uns trennen
weil wir uns
beim namen nennen
dasein hat begonnen
jede frage ist zerronnen
es passiert und...
11.1.2008, 54.E.S.
ÜBER(SCH)WIEGE(NE)
wortlos
lieben wir uns
sprechen ist nicht nötig
wir zerfließen ganz
in unseren armen denn
ich liebe mich und du liebst dich
so sehr daß keinem etwas fehlt
was ausgesprochen werden müsste
wenn sich beide seelen treffen
wo sie wirklich sind
darf alles ohne angst sich selbst genügen
atem atmet weiter
körper bleiben körper
geist ist geistig
dinge sind begreifbar
rätsel sind geheimnisvoll
und glück macht glücklich
weil wir zwischen sämtlichen sachverhalten
wohnen als sei gegenwart noch mehr
als gegenwart von ewigkeit
mal ganz zu schweigen
13.9.2009, 60.E.S.
GEHEiMNiSLOSE
jetzt kann ich dir die ungelesenen gedichte zeigen
so als ob ich sie vor deinen augen schriebe
hier ist zukunft durch vergangenheit verewigt
und wir trauen unsern augen kaum daß liebe
doch noch wahr wird nach dem ganzen terror
den wir gern als welt bezeichnen der
das gegenteil von unsrer sehnsucht ist das
gegenteil von allen gegenteilen
jetzt wirds endlich philosophisch
jetzt wirds tief und exis exis exis ten zi ell
wir sind die liebenden die es nicht geben darf
wir sind die unerwarteten die plötzlichen
der virus dessen kräfte im unendlichen verwurzeln
dessen auswirkungen nicht vorhersehbar
in den geschichtsprozess eingreifen
wie schamanen nur nicht mehr so einsam wie sie
die uns lebenslänglich weggefährten waren
waren ja doch WAREN denn wir sind zuhause
wir sind angekommen wir SIND
endlich dem geheimnis nahe
näher als wir es aus kinofilmen kennen
näher als topmanager jemals begreifen
näher als die psychologen als gesund erachten
näher als spießbürger
in der kirche ihrem hohlen gott
1.4.2011, 63.E.S.
ECHTHEITSEXTATIKER
DAS sind die lippen die mich küssen
DAS sind die augen die mich sehen
DAS sind die worte die mir gänsehaut bereiten
DAS BIST DU
DAS ist die stimme die mein herz berührt
DIE HÄNDE die mich weinen lassen
DAS GEFÜHL das mich durch die jahrhunderte geleitet
DAS BIST DU und du bist KEIN gespenst
du bist KEIN traum du bist ein echter mensch
aus fleisch und blut und geist und licht
DU BIST mir näher als der größte philosophische
gedanke NÄHER sogar als mein ich wir sind
ein wunder wir sind das
verbotene vertriebene vermisste
das begehrte das entscheidende WIR SIND
die ganze menschheit in nur einem einzigen moment
wenn wir uns küssen leuchten sterne mittags
galaxien verschmelzen das universum zittert
weil wir gott sind weil wir um uns WISSEN
und nicht müde werden uns zu lieben
als ob alles nur auf uns gewartet hätte
27.6.2013, 96.E.S.
VERS(UNKEN)E
die wörter durchleben
ihren eigenen trott während
wir uns berühren ohne
den ganzen schrott denn
die haut kennt ein wissen
das seelen verbindet
selbst wenn niemand dafür
eine erklärung findet
kein gott kein genie und
kein wissenschaftler versteht
was die liebenden in ihrer
eigenen welt verspüren
warum sie sich durch die
jahrhunderte mit derselben
sehnsucht verführen
06) METAMOTIVATION . . . (14 EUR) erschien am 18.12.2014
Sommer 1990 (gewidmet Erich Fromm & Fluxus)
KÄMPFE KÜNSTLER
(FÜR SICH STATT GEGEN ANDERE)
Eigentlich geht es in der Kunst nicht um die Bilder sondern deren Inhalt.
Diesen ins Leben umsetzen bedeutet plastische Bilder zu finden,
deren sozialer Selbstzweck heilsam ist.
Erst dann hat sich rückwirkend die Nützlichkeit eines Kunstwerks bewiesen
als LEBENSAUSLÖSER .
Aber der perversen Bewußtseinshaltung
typischer Kunstkonsumenten sowie besessener Künstler selber
verdanken
