Der Elefant des Kaisers: Odo und Lupus, Komissare Karls des Großen, Neunter Roman
Von Robert Gordian
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Über dieses E-Book
Italien im frühen 9. Jahrhundert. Nach den Strapazen der letzten Wochen freuen sich Odo und Lupus, die Kommissare Karls des Großen, auf ein paar erholsame Tage in Verona – doch schon bald wecken seltsame Funde in der Stadt ihre Aufmerksamkeit: Wie sind die Schätze, die der Kaiser vor Monaten an den Kalifen von Bagdad sandte, in den Besitz der italienischen Bevölkerung gelangt? Ihre Nachforschungen führen Odo und Lupus auf den Mann, der die Gesandtschaft nach Bagdad führen sollte. Was hat er mit dem geliebten Elefanten des Kaisers zu tun, der einst das prächtigste Geschenk des Kalifen an das Fränkische Reich war? Um dieses Rätsel zu lösen, müssen sich Odo und Lupus auf ein gefährliches Spiel einlassen …
»Von allen historischen Kriminalromanen, die ich bisher gelesen habe, waren [Robert Gordians] die besten und spannendsten (vom Ursprungsroman der Gattung, dem ›Namen der Rose‹, natürlich abgesehen).« Franz Schröpf, Fantasia-Magazin
Jetzt als eBook kaufen und genießen: »Der Elefant des Kaisers« von Robert Gordian ist der neunte Band seiner historischen Spannungsreihe um Odo und Lupus, die Kommissare Karls des Großen, und wird alle Fans von Oliver Pötzsch und Ellis Peters begeistern. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks – der eBook-Verlag.
Robert Gordian
Robert Gordian (1938–2017), geboren in Oebisfelde, studierte Journalistik und Geschichte und arbeitete als Fernsehredakteur, Theaterdramaturg, Hörspiel- und TV-Autor, vorwiegend mit historischen Themen. Seit den neunziger Jahren verfasste er historische Romane und Erzählungen. Robert Gordian veröffentlichte bei dotbooks bereits die Romane »Abgründe der Macht«, »Mein Jahr in Germanien«, »Noch einmal nach Olympia«, »Xanthippe – Die Frau des Sokrates«, »Die ehrlose Herzogin« und »Die Germanin«. Bei dotbooks erschien auch seine historische Spannungsserie ODO UND LUPUS, KOMMISSARE KARLS DES GROSSEN mit den Einzelbänden »Demetrias Rache«, »Saxnot stirbt nie«, »Pater Diabolus«, »Die Witwe«, »Pilger und Mörder«; »Tödliche Brautnacht«, »Giftpilze; »Familienfehde«, »Der Elefant des Kaisers« und »Heidenmorde«. Desweiterem veröffentlichte der Autor seine historische Chronik DIE MEROWINGER mit den Einzelbänden: »Letzte Säule des Imperiums«, »Schwerter der Barbaren«, »Familiengruft«, »Zorn der Götter«, »Chlodwigs Vermächtnis«, »Tödliches Erbe«, »Dritte Flucht«, »Mörderpaar«, »Zwei Todfeindinnen«, »Die Liebenden von Rouen«, »Der Heimatlose«, »Rebellion der Nonnen«, und »Die Treulosen«. In der Serie ROSAMUNDE, KÖNIGIN DER LANGOBARDEN erschienen die Romane: »Der Waffensohn«, »Der Pokal des Alboin«, »Die Verschwörung« und »Die Tragödie von Ravenna«. Ebenfalls erschien bei dotbooks die beiden Kurzgeschichtenbände »Eine Mordnacht im Tempel« und »Das Mädchen mit dem Schlangenohrring«. Zu guter Letzt veröffentlichte der Autor bei dotbooks auch seine Reihe WÄREN SIE FRÜHER GESTORBEN mit kontrafaktischen Erzählungen über berühmte historische Persönlichkeiten: »Caesar, Chlodwig, Otto I., Elisabeth I., Lincoln, Hitler«, »Napoleon, Paulus, Themistokles, Dschingis Khan, Bolívar, Chruschtschow«, und »Karl der Große, Arminius, Gregor VII., Mark Aurel, Peter I., Friedrich II.«
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Der Elefant des Kaisers - Robert Gordian
Über dieses Buch:
Italien im frühen 9. Jahrhundert. Nach den Strapazen der letzten Wochen freuen sich Odo und Lupus, die Kommissare Karls des Großen, auf ein paar erholsame Tage in Verona – doch schon bald wecken seltsame Funde in der Stadt ihre Aufmerksamkeit: Wie sind die Schätze, die der Kaiser vor Monaten an den Kalifen von Bagdad sandte, in den Besitz der italienischen Bevölkerung gelangt? Ihre Nachforschungen führen Odo und Lupus auf den Mann, der die Gesandtschaft nach Bagdad führen sollte. Was hat er mit dem geliebten Elefanten des Kaisers zu tun, der einst das prächtigste Geschenk des Kalifen an das Fränkische Reich war? Um dieses Rätsel zu lösen, müssen sich Odo und Lupus auf ein gefährliches Spiel einlassen …
Über den Autor:
Robert Gordian (1938–2017), geboren in Oebisfelde, studierte Journalistik und Geschichte und arbeitete als Fernsehredakteur, Theaterdramaturg, Hörspiel- und TV-Autor, vorwiegend mit historischen Themen. Seit den neunziger Jahren verfasste er historische Romane und Erzählungen.
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ODO UND LUPUS, KOMMISSARE KARLS DES GROSSEN
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DIE MEROWINGER
»Letzte Säule des Imperiums«
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»Zorn der Götter«
»Chlodwigs Vermächtnis«
»Tödliches Erbe«
»Dritte Flucht«
»Mörderpaar«
»Zwei Todfeindinnen«
»Die Liebenden von Rouen«
»Der Heimatlose«
»Rebellion der Nonnen«
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ROSAMUNDE, KÖNIGIN DER LANGOBARDEN
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Ebenfalls erschien bei dotbooks die beiden Kurzgeschichtenbände »Eine Mordnacht im Tempel« und »Das Mädchen mit dem Schlangenohrring« sowie die Reihe »Wären sie früher gestorben« mit kontrafaktischen Erzählungen über berühmte historische Persönlichkeiten:
»WÄREN SIE FRÜHER GESTORBEN: Caesar, Chlodwig, Otto I., Elisabeth I., Lincoln, Hitler«
»WÄREN SIE FRÜHER GESTORBEN: Napoleon, Paulus, Themistokles, Dschingis Khan, Bolívar, Chruschtschow«
»WÄREN SIE FRÜHER GESTORBEN: Karl der Große, Arminius, Gregor VII., Mark Aurel, Peter I., Friedrich II.«
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Originalausgabe September 2023
Copyright © der Originalausgabe 2023 dotbooks GmbH, München
Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.
Redaktion: Ralf Reiter
Titelbildgestaltung: Nele Schütz unter Verwendung eines Gemäldes von Bernardo Belloto
eBook-Herstellung: Open Publishing GmbH (ah)
ISBN 978-3-98690-819-5
***
Liebe Leserin, lieber Leser, wir freuen uns, dass Sie sich für dieses eBook entschieden haben. Bitte beachten Sie, dass Sie damit ausschließlich ein Leserecht erworben haben: Sie dürfen dieses eBook – anders als ein gedrucktes Buch – nicht verleihen, verkaufen, in anderer Form weitergeben oder Dritten zugänglich machen. Die unerlaubte Verbreitung von eBooks ist – wie der illegale Download von Musikdateien und Videos – untersagt und kein Freundschaftsdienst oder Bagatelldelikt, sondern Diebstahl geistigen Eigentums, mit dem Sie sich strafbar machen und der Autorin oder dem Autor finanziellen Schaden zufügen. Bei Fragen können Sie sich jederzeit direkt an uns wenden: info@dotbooks.de. Mit herzlichem Gruß: das Team des dotbooks-Verlags
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Kapitel 1
Gruß und Heil dem teuren Otfried, Archidiakon der Kirche St. Martinus in M.
Ich versprach Euch bei unserer leider einzigen Begegnung, für die ich mich vielmals bedanke, Euch irgendwann Nachricht zu geben über den Fortgang und das Ende der merkwürdigen Geschichte, in die wir verwickelt waren. Mit Eurer Hilfe gerieten mein Amtsgefährte Odo und ich als Königsboten (das heißt jetzt als Boten des Kaisers) am Ende auf die richtige Spur und verließen eine Straße, die nicht zum Ziel führen konnte. Leider hatte Euer Bischof Euch gerade zu dem Zeitpunkt, da ich auf der Durchreise in Eurer Stadt weilte, mit vielen Kommissionen und Pflichten eingedeckt, so konntet Ihr Euch kaum meiner Gesellschaft widmen, und es war nicht möglich, Euch gründlich über alles aufzuklären. Jetzt will ich das nachholen.
Zuvor aber eine Bitte. Dieser Brief ist allein für Euch bestimmt, zeigt ihn niemandem und behaltet seinen Inhalt für Euch. Es hat sich nämlich am Ende herausgestellt, dass vieles, wenn nicht das meiste, wovon wir überzeugt waren, nicht der Wahrheit entsprach und ein böser Verdacht, auf den wir unsere Untersuchungen stützten, falsch war. Und da es nun auch noch um einen Fall geht, in dem unser gnädiger Kaiser Karl sozusagen den Mittelpunkt bildet und selber nicht müde wird, seine Ansichten dazu verbreiten zu lassen, müssen wir äußerst vorsichtig sein. Denn wer es wagt, zu offen und keck eine einmal von allen angenommene Geschichte zu bezweifeln, riskiert seinen Kopf. Und so verhält es sich auch mit dieser Geschichte vom Kalifen Harun ar-Raschid und dem Elefanten Abul Abbas.
Es soll ein langer Brief werden, lieber Freund Otfried, ich will ausführlich sein. Es ist die Geschichte eines bizarren, unnötigen und zufälligen Verbrechens, wie Ihr ja schon wisst. Ihr sollt nun erst einmal erfahren, wie es dazu kam. Macht es Euch in Eurer Zelle bequem und zündet eine große Kerze an, die Euch einige Stunden lang leuchtet. Vielleicht werdet Ihr noch eine zweite anzünden müssen.
Sind wir überhaupt dazu gekommen, einander richtig vorzustellen? Die Zeit war zu kurz. Von Euch weiß ich lediglich, dass Ihr nach Eurer Zeit im Kloster an verschiedenen Bischofskirchen im Dienste Gottes tätig wart und seid, als Diakon, als Priester und nun als Archidiakon. Ein schöner und schneller Aufstieg, zu dem ich Euch gratuliere. Von mir wisst Ihr nur, dass ich, zuerst Mönch in Fulda, jetzt Diakon und Notarius der Hofkanzlei, als Königsbote tätig bin, nach der Krönung unseres Herrn Karl in Rom am Weihnachtstag des Jahres 800 natürlich Bote des Kaisers. Ihr wusstet, wenn ich Euch recht verstand, noch gar nicht, dass jetzt Königsboten als Stellvertreter des Herrschers ad hoc unterwegs sind, die ein missaticum, eine Mission, haben, um in den verschiedenen Teilen des Reiches für Recht und Ordnung zu sorgen. Zu diesen Männern gehöre auch ich. Wie es dazu kam? Ich weiß es nicht. Irgendjemand muss mich Unwürdigen für dieses hohe Amt empfohlen haben.
Lasst Euch kurz erzählen, wie es dazu kam, dass mir diese Ehre zuteil wurde. Eines Tages – es war im Jahr des Herrn 778 – wurde ich von unserem Herrn Kanzler aufgefordert, in der Pfalz Ingelheim an einer Versammlung hochgestellter Personen – Grafen, Bischöfen, Äbten und anderen – teilzunehmen, auf der auch Herr Karl auftrat, der damals noch oder »nur« fränkischer König war. Ich hatte zunächst keine Ahnung, was ich in diesem erlauchten Kreis zu suchen hatte. Der König hielt uns eine Rede, in der er mit für ihn ungewöhnlich heftigem Zorn Missstände anprangerte, die überall im Reich die göttliche Ordnung störten.
»Die Unordnung übersteigt jedes Maß«, rief er. »In den Wäldern lauert Raubgesindel, keine Straße ist sicher. Die adeligen Herren gebieten mit Willkür, die Richter kennen die Gesetze nicht, überall verfallen die Sitten!« Er nannte dann Beispiele, die uns schaudern machten: Äbte missbrauchten die ihren Klöstern verliehene Immunität, um Verbrecher zu schützen; Grafen gingen lieber auf die Wildschweinjagd als auf die Jagd nach Mördern und Räubern; Bischöfe zelebrierten die heilige Messe in betrunkenem Zustand; Priester betrieben Zinswucher; Mönche stellten verheirateten Frauen nach; in den Kirchen machten Händler ihre Geschäfte; es würde überall gegen die Natur gesündigt, sogar unter den nächsten Verwandten; nach heidnischem Brauch würden noch immer die Geister der Toten beschworen, Wettermacher und Wahrsager trieben ihr Unwesen.
Mit erhobener Stimme schloss der König: »Wir müssen handeln! Es genügt nicht mehr, mit den Qualen der Hölle zu drohen! Die Unholde, die Übeltäter, die Rechtsbeuger kümmern sich nicht um das Jüngste Gericht. Deshalb müssen sie ihre Strafe auf Erden erhalten.«
So sprach König Karl. Und dann erklärte er uns, welche Maßnahme er zunächst treffen werde. Er ist nämlich nicht einer von denen, die nur lamentieren und jedes Mal, wenn ein Unglück geschieht, nur Entsetzen heucheln und sich dann schnell wieder zu Tisch setzen. Nein, er wollte wirklich handeln! Er hatte beschlossen, dasselbe zu tun wie sein Vater, König Pippin: Er wollte Königsboten – missi dominici – aussenden, Männer mit Generalmandat und umfassender Vollmacht gegenüber allen örtlichen Machthabern, den adeligen Herren, den Ortsvorstehern und den Prälaten. Zu mehreren sollten sie reisen, gewöhnlich zu zweit, begleitet von einem Schutztrupp. Ohne Zeit zu verlieren, sollten sie allesamt »per verbum nostrum, ex nostri nominis auctoritate« (auf Unser Geheiß, mit dem Gewicht Unseres Namens) nach einer kurzen juristischen Vorbereitung und einer Eidleistung in der Pfalzkapelle aufbrechen.
Nun endlich begriff ich, aus welchem Grunde man mich zu dieser Versammlung geladen hatte. Auch ich würde also zu denen gehören, die die Ordnung im Reich wiederherstellen sollten. Erst später erfuhr ich, dass es vor allem meine Kenntnisse des römischen Rechts wie auch der Volksrechte und Stammesgesetze in den unterschiedlichen Regionen waren, die mich für die Mission geeignet machen sollten.
Natürlich wollte ich nun gleich wissen, in welche Gegend unseres fränkischen Riesenreiches, das sich von den Pyrenäen bis zur Elbe erstreckt, der König mich schicken und wen er als meinen Amtsgefährten nominieren werde. Es sollten immer ein Adeliger und ein Geistlicher gemeinsam reisen. Ich fürchtete schon, dass es ein stolzer Graf oder ein Vicarius sein würde, der sogleich als Anführer auftreten und mich kleinen, rundlichen, bescheidenen Kuttenträger nur der Form halber neben oder hinter sich dulden würde. Es kam jedoch anders. Odo, ein Königsvasall, der aus der Gegend von Reims stammte, wurde benannt, und trotz anfänglicher Vorbehalte waren wir bald Freunde. Das war auch notwendig, denn schon auf unserer ersten Missionsreise mussten wir fest zusammenhalten, um nicht unterzugehen. Sie führte uns in das wilde Sachsen
