Über dieses E-Book
Lieutenant Beryll Fox hat eine Ladung Gewehre per Schiff von England nach Mexiko gebracht. Von dort aus plant er, die Waffen über die Grenze zu schaffen. Der Bürgerkrieg steht kurz bevor. Und die Nordstaaten wissen über den Transport Bescheid.
Die graue Schwadron
Beryll Fox versucht im Auftrag des Konföderierten-Generals J. E. B. Stuart hinter den feindlichen Linien herauszufinden, wann und wo der Nordstaaten-General McClellan den nächsten Vorstoß plant.
Eine hochbrisante Mission läuft an. Doch im Kommandostab Stuarts gibt es einen Verräter.
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Rezensionen für Western Legenden 67
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Buchvorschau
Western Legenden 67 - Dietmar Kuegler
IN DIESER REIHE BISHER ERSCHIENEN
9001 Werner J. Egli Delgado, der Apache
9002 Alfred Wallon Keine Chance für Chato
9003 Mark L. Wood Die Gefangene der Apachen
9004 Werner J. Egli Wie Wölfe aus den Bergen
9005 Dietmar Kuegler Tombstone
9006 Werner J. Egli Der Pfad zum Sonnenaufgang
9007 Werner J. Egli Die Fährte zwischen Leben und Tod
9008 Werner J. Egli La Vengadora, die Rächerin
9009 Dietmar Kuegler Die Vigilanten von Montana
9010 Thomas Ostwald Blutiges Kansas
9011 R. S. Stone Der Marshal von Cow Springs
9012 Dietmar Kuegler Kriegstrommeln am Mohawk
9013 Andreas Zwengel Die spanische Expedition
9014 Andreas Zwengel Pakt der Rivalen
9015 Andreas Zwengel Schlechte Verlierer
9016 R. S. Stone Aufbruch der Verlorenen
9017 Dietmar Kuegler Der letzte Rebell
9018 R. S. Stone Walkers Rückkehr
9019 Leslie West Das Königreich im Michigansee
9020 R. S. Stone Die Hand am Colt
9021 Dietmar Kuegler San Pedro River
9022 Alex Mann Nur der Fluss war zwischen ihnen
9023 Dietmar Kuegler Alamo - Der Kampf um Texas
9024 Alfred Wallon Das Goliad-Massaker
9025 R. S. Stone Blutiger Winter
9026 R. S. Stone Der Damm von Baxter Ridge
9027 Alex Mann Dreitausend Rinder
9028 R. S. Stone Schwarzes Gold
9029 R. S. Stone Schmutziger Job
9030 Peter Dubina Bronco Canyon
9031 Alfred Wallon Butch Cassidy wird gejagt
9032 Alex Mann Die verlorene Patrouille
9033 Anton Serkalow Blaine Williams - Das Gesetz der Rache
9034 Alfred Wallon Kampf am Schienenstrang
9035 Alex Mann Mexico Marshal
9036 Alex Mann Der Rodeochampion
9037 R. S. Stone Vierzig Tage
9038 Alex Mann Die gejagten Zwei
9039 Peter Dubina Teufel der weißen Berge
9040 Peter Dubina Brennende Lager
9041 Peter Dubina Kampf bis zur letzten Patrone
9042 Dietmar Kuegler Der Scout und der General
9043 Alfred Wallon Der El-Paso-Salzkrieg
9044 Dietmar Kuegler Ein freier Mann
9045 Alex Mann Ein aufrechter Mann
9046 Peter Dubina Gefährliche Fracht
9047 Alex Mann Kalte Fährten
9048 Leslie West Ein Eden für Männer
9049 Alfred Wallon Tod in Montana
9050 Alfred Wallon Das Ende der Fährte
9051 Dietmar Kuegler Der sprechende Draht
9052 U. H. Wilken Blutige Rache
9053 Alex Mann Die fünfte Kugel
9054 Peter Dubina Racheschwur
9055 Craig Dawson Dunlay, der Menschenjäger
9056 U. H. Wilken Bete, Amigo!
9057 Alfred Wallon Missouri-Rebellen
9058 Alfred Wallon Terror der Gesetzlosen
9059 Dietmar Kuegler Kiowa Canyon
9060 Alfred Wallon Der lange Weg nach Texas
9061 Alfred Wallon Gesetz der Gewalt
9062 U. H. Wilken Dein Tod ist mein Leben
9063 G. Michael Hopf Der letzte Ritt
9064 Alfred Wallon Der letzte Mountain-Man
9065 G. Michael Hopf Die Verlorenen
9066 U. H. Wilken Nächte des Grauens
9067 Dietmar Kuegler Die graue Schwadron
DIE GRAUE SCHWADRON
NORD UND SÜD NO. 01
WESTERN LEGENDEN
BUCH 67
DIETMAR KUEGLER
BLITZ-VerlagBLITZ-Verlag
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Copyright © 2024 BLITZ-Verlag
Hurster Straße 2a, 51570 Windeck
Titelbild: Mario Heyer
Umschlaggestaltung: Mario Heyer
Logo: Mario Heyer
Satz: Torsten Kohlwey
Alle Rechte vorbehalten
www.Blitz-Verlag.de
ISBN: 978-3-7579-4895-5
9067v1
VORWORT
4.06.1951 - 3.12.2022
Der BLITZ-Verlag trauert um seinen hervorragenden Autor und guten Freund.
Dietmar Kuegler war eine Koryphäe auf seinem Gebiet. Er wird nicht zu ersetzen sein.
Er hinterlässt ein grandioses Lebenswerk, das für ihn noch längst nicht abgeschlossen war. Sein Amerikanistik-Magazin erfreute sich großer Beliebtheit, ebenso wie seine Fachbücher. Er wurde mitten aus seiner einzigartigen Schaffenskraft herausgerissen.
Der BLITZ-Verlag wird seine Romanwerke in Ehren halten und in seinem Sinne verwalten.
INHALT
Die Mission der Wölfe
Die graue Schwadron
Nachwort
Infos Zum Inhalt
Anmerkungen
Über den Autor
DIE MISSION DER WÖLFE
Er wusste, dass er verfolgt wurde. Er hatte es schon den ganzen Tag vermutet. Seit einer halben Stunde war er seiner Sache völlig sicher. Wayne Bannon fühlte zwar eine wachsende Spannung in sich, aber nicht die geringste Nervosität. Denn er wusste genau, was er zu tun hatte.
Die Sonne sank westlich von San Fernando. Der Golf von Mexiko schimmerte wie flüssige Glut. Die milde Brise vom Meer vertrieb nach und nach die Hitze des Tages. Wayne Bannon lockerte den Revolver im Holster, einen Army Colt, Kaliber .44, ein nagelneues Modell. Unauffällig wandte er sich um und sah seinen Verfolger. Es war ein kleiner, stämmiger junger Bursche, ein Mexikaner in geflicktem Hemd, ausgebeulten Hosen und mit löchrigem großem Strohhut. Ein Fischer war er nicht, wie es sie in San Fernando viele gab. Dagegen sprach schon das große Messer, das er am Gürtel trug.
Bannon bewegte sich zum Hafen hinunter. Der scharfe Geruch von Tang, Salz und Teer hing in den schmalen Gassen. Die Häuser waren aus Lehm gebaut und mit Stroh gedeckt. Der Hafen war klein. Außerhalb der Stadt lag der Strand für die Fischerboote, die dicht an dicht im Sand lagen, bereit, in den Stunden nach Mitternacht wieder auszulaufen.
Bannon merkte, dass sein Verfolger sich näherte. Er hatte etwas vor. Bannon hatte vorgehabt, ihn in den Hafen zu locken, wo seine Leute warteten. Der andere würde nicht mitspielen. Bannon beschleunigte seinen Schritt, bog unvermittelt in eine Seitengasse ab und presste sich gegen die Hauswand. Die Gasse war leer. Bannon hörte die schnellen Schritte des Mexikaners. Gleich musste er die Gasse erreicht haben.
Er sauste um die Ecke wie eine Kanonenkugel. Bannon schob den rechten Fuß vor. Der Mexikaner stürzte der Länge nach auf das Pflaster. Er stieß einen Fluch aus, rollte herum wie eine Katze und stand schon wieder auf den Beinen. Er war flink und wendig und wollte davonlaufen, als Bannon ihn schon am Kragen hatte und zurückriss. Der Mexikaner taumelte, ging in die Knie, drehte sich und stieß dabei die Rechte hoch. Der Bursche war mit allen Wassern gewaschen. Bannon hämmerte ihm die linke Faust entgegen. Der Mann krümmte sich schnaufend zusammen und prallte gegen die Hauswand.
Bannon drehte den Hemdkragen herum, dass dem Mann die Luft ausging, und presste ihn fest gegen die Wand. „Endstation, Amigo", sagte er.
„Was wollen Sie von mir, Señor?, ächzte der andere. „Lassen Sie mich los! Sie bringen mich um!
„Bestimmt sogar, sagte Bannon. „Es sei denn, du erzählst mir, warum du mir den ganzen Tag nachschleichst.
„Ich schleiche Ihnen nicht nach, Señor. Ich bin nur ein armer Fischer."
„So?" Bannons Stimme klang kalt. Mit einer blitzschnellen Bewegung riss er das Messer aus dem Gürtel des stämmigen Mannes. Die Klinge blinkte im Abendlicht.
„Eine merkwürdige Ausrüstung für einen armen Fischer, oder meinst du nicht, Amigo?"
Das Gesicht des Mexikaners verzerrte sich. Bannon sah Hass in seinen Augen glitzern.
„Wer hat dich geschickt?, fragte Bannon. „Na los, rede schon, sonst ziehe ich dir das Fell bei lebendigem Leib ab.
Der Mexikaner bog den Kopf zurück. Er röchelte. Er stand wie erstarrt, während er mit weit geöffnetem Mund rasselnd atmete. „Ich werde alles erklären", keuchte er.
„Haga el favor, Amigo, ich bitte darum!" Bannon lockerte etwas den Druck des Messers. Im selben Moment vernahm er rasche Schritte aus der Finsternis der schmalen Gassen. Er wandte den Kopf. Ein Schlag traf ihn. Zugleich ertönte ein schmerzerfüllter Schrei. Der Mexikaner vor ihm hatte das rechte Bein gehoben und zugetreten.
Er schlug die Hände vor das Gesicht, taumelte mit jammervollem Klagen zur Straßenecke hoch und brüllte: „Er ist hier!"
Wayne Bannon drehte sich und sah die Männer aus dem Schatten der Dämmerung heraneilen. Er konnte ihre Gesichter nicht erkennen. Sie trugen große Hüte und hielten Messer in den Fäusten.
Bannon wirbelte das Messer, das er seinem Verfolger abgenommen hatte, um den Zeigefinger. Es war ein wuchtiges, schweres Messer mit zehn Zoll langer Klinge. Bannon vollführte damit zwei schnelle Hiebe wie mit einem Säbel, und drei Kerle, die auf ihn hatten losgehen wollen, sprangen erschrocken wieder zurück.
Die anderen umkreisten ihn. Einer hob sein Messer zum Wurf. Da ließ Bannon das Messer in seiner Faust fliegen. Der Mann blieb wie angewurzelt stehen. Er beugte sich langsam nach vorn, starrte entsetzt auf den Messergriff, während er auf die Knie niedersank.
In diesem Augenblick griffen die anderen an. Bannon ließ sein rechtes Bein hochschnellen und empfing den Ersten mit einem Tritt in Gürtelhöhe. Der Mann wurde zurückgeschleudert und wälzte sich brüllend am Boden. Bannon fühlte einen Schlag in den Rücken, taumelte vor und zog trotzdem seinen Revolver. Er drückte ab, ohne zu zielen, als sich eine Faust um sein rechtes Handgelenk schloss. Ein gurgelnder Schrei: Ein Mann, der direkt vor ihm stand, war von der Kugel in den linken Oberschenkel getroffen worden. Die Hand des anderen Angreifers löste sich von Bannons Gelenk. Bannon drehte sich. Aus der Mündung seines Colts kräuselte sich eine Pulverdampffahne.
Die Männer wichen zurück. Bannon setzte mit zwei, drei Sprüngen auf die andere Straßenseite hinüber, drehte sich hier um und entfernte sich rückwärtsgehend zu der Gasse, die zum Hafen hinunterführte.
„Wir kriegen dich, sagte einer der Männer. „Wir sehen uns wieder, Hombre.
„Dann vergiss nicht, vorher mit dem Totengräber zu sprechen und dir einen Platz auf dem Friedhof auszusuchen."
Bannon ging noch ein Stück zurück, bis die Angreifer in den toten Winkel der Seitengasse gerieten und er nur noch einen Mann sehen konnte. Der Mann lehnte an einer Hauswand und hielt noch immer die Hände vor das Gesicht. „Hoffentlich kriegst du keinen Schnupfen", sagte Bannon. Dann wandte er sich ab und entfernte sich mit schnellen Schritten, wobei er immer wieder kurz stehen blieb und zurücklauschte.
Hinter ihm blieb es still. Aber Bannon blieb vorsichtig. Erst als er dem Hafen näherkam, war er sicher, dass er nicht mehr verfolgt wurde. Aber das galt nur für den Augenblick. Er wusste, wer die Männer waren, die hinter ihm her waren. Zumindest war er ziemlich sicher, es zu wissen. Woher sie allerdings über ihn Bescheid wussten, war ihm unklar. Was er und seine Leute in San Fernando vorhatten, war von Anfang an streng geheim gewesen. Er war mit sieben Männern hier. Jeden hatte er persönlich ausgewählt. Jeder wusste, dass er ihn gnadenlos niederschießen würde, wenn sich herausstellte, dass er geredet hatte.
Wayne Bannon sah den kleinen Hafen vor sich: zwei kurze, krumm gepflasterte Kais, mehrere schiefe Poller. Drei Frachtschiffe lagen ein Stück vor der Küste, so jämmerlich wie der Hafen selbst. Aber der Sonnenuntergang über der Laguna Madre war von berauschender Schönheit. Am westlichen Horizont verbrannte der Tag in einem lodernden Farbenmeer.
„Das Schiff wird noch im Laufe dieser Nacht erwartet, sagte Pablo. Bannon kannte seinen Nachnamen nicht. Einfach Pablo, ein kleiner, wendiger Mann, der an ein Wiesel erinnerte. „Ein Fischer hat den Schoner draußen im Golf gesehen. Es war doch Ihre Absicht, dass er nicht bei Tageslicht einläuft, Señor?
„Meine Absicht war, dafür zu sorgen, dass niemand, weder in San Fernando noch woanders, etwas davon merkt, dass es mit der Fracht dieses Schoners etwas Besonderes auf sich hat."
„Diskretion, Señor, nicht wahr? Pablo grinste verstehend. „Naturalemente, Señor. Dafür ...
„Dafür habe ich dir Schleimer fünfzig amerikanische Dollar gegeben, unterbrach ihn Bannon. „Wie viel haben dir die anderen gezahlt?
„Welche anderen, Señor? Was meinen Sie damit?"
„Ich meine die Kerle, die mir seit Tagen nachschleichen und vorhin versucht haben, mir den Bauch aufzuschlitzen."
„Sie sind überfallen worden, Señor?" Pablo verzog das Gesicht zu echter Trauer. Er war so etwas Ähnliches wie ein Hafenmeister. Im Grunde konnte man ihn aber nicht so bezeichnen, da San Fernando so etwas Ähnliches wie einen Hafen gar nicht hatte.
„Du bist ein verdammtes kleines Mistvieh! Bannons Rechte schoss vor und krallte sich um Pablos ohnehin zerknautschten Hemdkragen. „Du hast uns verraten, Mann. Ich sollte dich im Hafenbecken ersäufen. Weißt du, dass meine Leute draußen warten, um dich in Stücke zu reißen?
„Lassen Sie mich los, Señor!" Die Stimme Pablos überschlug sich. Er zappelte in Bannons eisernem Griff, aber er wagte nicht, Widerstand zu leisten.
„Wer steckt dahinter, Pablo? Du weißt, wo wir herkommen."
„Ich weiß gar nichts, Señor."
„An deiner Stelle würde ich nicht versuchen, mich zu reizen. Du stehst nahe davor, dass ich dir den Hals umdrehe."
„Sie sind Tejano, ¹ Señor."
„Dann weißt du auch, dass wir Ärger mit den Yankees haben."
„Ich kenne solche Unterschiede nicht", ächzte Pablo, als Bannon ihm den Hemdkragen immer enger drehte.
„Du weißt Bescheid, Pablo. Du weißt auch, was der Schoner geladen hat, auf den wir warten."
„Señor! Bitte! Sie bringen mich um."
„Verlass dich drauf, dass das nicht das Schlimmste ist, sagte Bannon. „Wenn ich mit dir fertig bin, bist du dankbar, wenn du sterben darfst.
„Señor! Die Stimme Pablos war die blanke Verzweiflung. „Was soll ich denn tun, wenn ein Mann wie Miguel Marquez Auskünfte von mir verlangt? Sie verlassen San Fernando bald, ich aber muss hierbleiben. Sie könnten mich töten, Señor. Aber Sie hätten keinen Vorteil davon. Miguel Marquez würde mich auf jeden Fall umbringen.
Bannon blickte Pablo scharf an, dann versetzte er ihm einen Stoß und ließ ihn los. Pablo flog in einen Korbstuhl, der bedenklich schwankte, und blieb schnaufend sitzen, während er mit beiden Händen seinen Hals massierte.
„Es lässt sich nicht geheim halten, wenn sieben Gringos in eine kleine Stadt wie San Fernando reiten", sagte Pablo. Seine Stimme wurde wieder kräftiger.
„Ich habe von ihm gehört, sagte Bannon. „Hat er sich geäußert, was er von uns verlangt?
„Er hat gar nichts gesagt, Señor. Miguel Marquez redet nicht mit einem kleinen, unwichtigen Mann wie mir über seine Pläne."
„Hör zu, Pablo: Er wird nicht nur Fragen gestellt haben. Oder tauchen so oft sieben Tejanos in San Fernando auf?"
„Das ist es eben, Señor: In letzter Zeit lassen sich fast überhaupt keine Americanos ² mehr hier blicken. Deswegen ist es Miguel Marquez aufgefallen, dass Sie hier sind."
Bannon dachte nach. Er trat an das einzige Fenster der schäbigen Hütte und blickte auf die Bucht hinaus, die sich jetzt in Dunkelheit hüllte. Draußen sah er die Umrisse seiner Männer. Sie warteten auf ihn. Er hatte sich eine Weile in Grenznähe aufgehalten, bevor er mit seinen Männern nach Mexiko geritten war. Er kannte den Namen Miguel Marquez. Das war einer der vielen Revolutionäre, wie sie in Mexiko so zahlreich waren. Man konnte denken, dass sie auf Bäumen wuchsen. Sehr oft war ihre Revolution nichts weiter als eine Vertuschung von Straßenräuberei mit dem einzigen wohltätigen Motiv, sich selbst die Taschen zu füllen. Hinter Miguel Marquez schien etwas mehr zu stecken. Aber wie auch immer: Für jeden Anführer einer Bande, die sich aus ehemaligen Campesinos und kleinen Rancheros zusammensetzte, musste die Aussicht, eine Ladung erstklassige Waffen erbeuten zu können, verlockend sein.
„Was hast du Marquez gesagt?" Bannon drehte sich um.
Pablo musterte ihn furchtsam.
„Nur, dass Sie auf ein Schiff aus England mit einer wertvollen Fracht warten."
„Du hast nicht gesagt, um was es sich dabei handelt?"
„Señor, er kannte Ihren Namen. Er hat gesagt: Bannon war Texas Ranger. Für wen arbeitet er heute? Er hat gesagt, die Americanos werden sich bald die Köpfe einschlagen. Bannon arbeitet für den Süden. Was braucht der Süden?"
„Ja, was braucht der Süden?", fragte Bannon.
„Marquez hat nichts dazu gesagt."
„Vermutlich hat er sich eine Menge gedacht. Bannon fixierte Pablo drohend. „Ist er in der Stadt? Liegt er in San Fernando auf der Lauer? Wird er uns angreifen, wenn der Schoner einläuft?
„Oh, no, Señor! Pablo schüttelte voller Überzeugung den Kopf. „Marquez würde niemals in San Fernando angreifen. Er hat Freunde hier. Er würde nichts tun, was seine Freunde in Gefahr bringt.
Pablo hob mit einer hilflosen Geste beide Arme. „Vermutlich hat er ein paar von seinen Leuten hier, aber höchstens zur Beobachtung."
„Das heißt also, solange wir in San Fernando sind, sind wir sicher?"
„Es tut mir leid, Señor, wenn ich Sie in Schwierigkeiten gebracht habe."
„Wo sitzt Marquez?"
Pablos Gesicht hatte einen nichtssagenden Ausdruck angenommen. Bannon überlegte, ob er die Antwort aus Pablo herausprügeln sollte, dachte aber dann, dass es der Mühe nicht wert war.
„Zu wem hast du sonst noch gesprochen, Pablo?"
„Zu niemandem, Señor." Pablos Stimme klang im Brustton der Überzeugung, geradezu empört, dass Bannon ihm zutraute, ein Klatschweib zu sein.
„Du hast nicht zufällig einem kaiserlichen Beamten gegenüber etwas erwähnt?"
„Ich schwöre! Niemals, Señor! Außerdem: Ich weiß ja gar nichts!"
Bannon ging zur Tür und öffnete sie. Mit gedämpfter Stimme sagte er: „Pale."
Wie aus dem Boden gewachsen tauchte ein hagerer Mann vor ihm auf.
„Geh rein und gib auf ihn acht. Er darf sich nicht aus der Hütte rühren, bis das Schiff da ist. Du lässt ihn nicht aus den Augen. Er darf auch nicht ans Fenster. Lass ihn nicht mit der Lampe hantieren, etwa den Docht rauf- oder runterdrehen. Nichts, was danach aussieht, als gebe er jemandem auf irgendeine Weise Zeichen."
„Und wenn er es versucht?"
„Bring ihn nicht um, sagte Bannon. „Wir werden auch so Ärger genug kriegen.
Bannon trat hinaus und ließ den anderen Mann eintreten. Er wandte den Kopf und sah Pablos angstvoll verzerrtes Gesicht, als er den anderen sich nähern sah. Bannon schloss die Tür.
Er ging zu seinen Leuten hinüber, die sich rings um die Hütte niedergelassen hatten: Männer mit scharf geschnittenen, dünnlippigen Gesichtern und kalten Augen. Ihre Gegenwart gab Wayne
