Krimi Doppelband 132 - Zwei spannende Thriller in einem Band!
Von Alfred Bekker
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(399XE)
von Alfred Bekker:
Der Kopf eines Mörders
In der Tiefe verborgen
Archäologen glauben einen Schädel aus prähistorischer Zeit zu finden – und stellen fest, dass es sich um ein Mordopfer unserer Tage handelt. Die Ermittler müssen sich beeilen, denn eine alte Geschichte von Schuld, Rache und Skrupelosigkeit ruft Mörder auf den Plan...
Alfred Bekker ist ein bekannter Autor von Fantasy-Romanen, Krimis und Jugendbüchern. Neben seinen großen Bucherfolgen schrieb er zahlreiche Romane für Spannungsserien wie Ren Dhark, Jerry Cotton, Cotton reloaded, Kommissar X, John Sinclair und Jessica Bannister. Er veröffentlichte auch unter den Namen Neal Chadwick, Henry Rohmer, Conny Walden, Sidney Gardner, Jonas Herlin, Adrian Leschek, John Devlin, Brian Carisi, Robert Gruber und Janet Farell.
Alfred Bekker
Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. 1984 machte er Abitur, leistete danach Zivildienst auf der Pflegestation eines Altenheims und studierte an der Universität Osnabrück für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen. Insgesamt 13 Jahre war er danach im Schuldienst tätig, bevor er sich ausschließlich der Schriftstellerei widmete. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten. Er war Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen. Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', 'Da Vincis Fälle', 'Elbenkinder' und 'Die wilden Orks' entwickelte. Seine Fantasy-Romane um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' und die 'Gorian'-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt. Darüber hinaus schreibt er weiterhin Krimis und gemeinsam mit seiner Frau unter dem Pseudonym Conny Walden historische Romane. Einige Gruselromane für Teenager verfasste er unter dem Namen John Devlin. Für Krimis verwendete er auch das Pseudonym Neal Chadwick. Seine Romane erschienen u.a. bei Blanvalet, BVK, Goldmann, Lyx, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.
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Krimi Doppelband 132 - Zwei spannende Thriller in einem Band! - Alfred Bekker
Krimi Doppelband 132 - Zwei spannende Thriller in einem Band!
von Alfred Bekker
Dieser Band enthält folgende Krimis
von Alfred Bekker:
Der Kopf eines Mörders
In der Tiefe verborgen
Archäologen glauben einen Schädel aus prähistorischer Zeit zu finden – und stellen fest, dass es sich um ein Mordopfer unserer Tage handelt. Die Ermittler müssen sich beeilen, denn eine alte Geschichte von Schuld, Rache und Skrupelosigkeit ruft Mörder auf den Plan...
Alfred Bekker ist ein bekannter Autor von Fantasy-Romanen, Krimis und Jugendbüchern. Neben seinen großen Bucherfolgen schrieb er zahlreiche Romane für Spannungsserien wie Ren Dhark, Jerry Cotton, Cotton reloaded, Kommissar X, John Sinclair und Jessica Bannister. Er veröffentlichte auch unter den Namen Neal Chadwick, Henry Rohmer, Conny Walden, Sidney Gardner, Jonas Herlin, Adrian Leschek, John Devlin, Brian Carisi, Robert Gruber und Janet Farell.
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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von
Alfred Bekker
© Roman by Author
COVER TONY MASERO
© dieser Ausgabe 2022 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen
Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.
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Der Kopf eines Mörders
Ein Harry Kubinke Kriminalroman
von Alfred Bekker
Der Umfang dieses Buchs entspricht 122 Taschenbuchseiten.
Ein Kopf wird aufgespießt am Zaun des Polizeipräsidenten von Frankfurt gefunden. Ist es eine Warnung aus dem kriminellen Milieu oder was steckt dahinter? Die Kommissare Harry Kubinke und Rudi Meier ermitteln.
Alfred Bekker ist ein bekannter Autor von Fantasy-Romanen, Krimis und Jugendbüchern. Neben seinen großen Bucherfolgen schrieb er zahlreiche Romane für Spannungsserien wie Ren Dhark, Jerry Cotton, Cotton reloaded, Kommissar X, John Sinclair und Jessica Bannister. Er veröffentlichte auch unter den Namen Neal Chadwick, Henry Rohmer, Conny Walden, Sidney Gardner, Jonas Herlin, Adrian Leschek, Jack Raymond, John Devlin, Brian Carisi, Robert Gruber und Janet Farell.
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Alfred Bekker
© Roman by Author
© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.
Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.
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1
Irgendwo in Frankfurt.
Ein Hinterhof.
Der Killer hatte geduldig gewartet.
Aber es sollte sich lohnen.
Ihr seid schon so gut wie tot
, murmelte er vor sich hin
Jetzt trafen sie die Reihe nach ein. Mit ihren Motorrädern. Mit ihren Gang-Kutten. Mit ihren Waffen. Und vermutlich auch mit Drogen, denn von dem Handel damit lebten diese Leute schließlich.
Einer Gangkrieger nahm eine Pistole und ballerte in die Luft. Andere lachten. Viele von ihnen waren noch sehr jung. Und leichtsinnig.
Zu leichtsinnig.
Der Killer hatte sich vorgenommen, ihr Spiel hier und heute ein für allemal zu beenden.
Er würde ihnen keine Chance lassen.
Ein bisschen musste er noch abwarten.
So lange, bis sie vollzählig waren. Schließlich wollte er möglichst viele von ihnen auf einmal erwischen.
Walla! Baller hier nicht herum!
, rief einer von ihnen. Hört man sonst!
Hier hört das niemand!
, kam die Antwort.
Zwei zweitere Gangmitglieder trafen noch ein. Beide auf monströsen Trikes, die einen Höllenlärm machten. Die Gangmitglieder ließen die Motoren aufheulen, wieder schossen ein paar von ihnen in die Luft.
Jetzt war der Moment des Killers gekommen.
Er nahm die MPi und feuerte. Dreißig Schuss pro Sekunde leckten aus der Mündung heraus. Das ging so schnell, dass keinem von ihnen eine Chance blieb. Die Maschinenpistole knatterte los. Glücklicherweise waren diese Gangkrieger eitel. Sie trugen natürlich keine Kevlar-Westen, weil man darin fett aussah. Und davon abgesehen waren sie hier ja unter ihresgleichen. Wer hätte sie bedrohen sollen?
Diese Kerle trugen ihre Kutten mit verschnörkelten Gangsymbolen drauf. Und sie zeigten mit Vorliebe ihre Oberarme, die auch mit Tattoos übersät waren. Von Helmen, die den gesetzlichen Bestimmungen entsprachen, hielten sie auch wenig und oft genug trugen sie auch nicht. Sie vertrauten einfach darauf, dass die Polizei es vermied, sie zu kontrollieren.
Aber jetzt zuckten ihre Körper im Bleifeuer des Killers.
Einigen gelang es noch, die Waffe zu ziehen. Hier und da kam es zu einem ungezielten Schuss.
Aber das war nichts, was dem Killer gefährlich werden konnte.
Die sind tot, ehe sie begriffen haben, woher eigentlich geschossen wird!, ging es dem Killer durch den Kopf. In dem Hinterhof herrschte ein Höllenlärm. Die Echos machten es fast unmöglich, die Herkunft eines Schusses akustisch auch nur einigermaßen zuverlässig zu lokalisieren.
Einer nach dem anderen sank zu Boden. In verrenkter Haltung lagen sie in ihrem eigenem Blut. Hier und da gab es tückische Querschläger, wenn Kugeln von den Metallteilen der Maschinen abprallten.
Vielleicht kriege ich es ja noch hin, einen Tank explodieren zu lassen!, dachte der Killer. Aber so etwas funktionierte meistens nur im Film.
Schließlich war Ruhe.
Der Killer trat aus seiner Deckung.
Die MPi hielt er in seiner Rechten.
Er ließ kurz den Blick schweifen.
Sein Handy klingelte. Er griff in die Innentasche seiner Jacke.
Hallo, Günther
, sagte eine Stimme. Ist alles erledigt?
Ich kann mich nicht erinnern, jemandem wie Ihnen erlaubt zu haben, mich Günther zu nennen!
Ein Fall von Frühdemenz, Günther? Wäre bedauerlich.
Wenn Sie mich Günni nennen, komme ich vorbei und erschieße Sie!
Was ist jetzt Sache?
Es ist alles erledigt. Einen Moment...
Der Killer schaltete die Kamera des Handys ein und richtete sie auf die Erschossenen. Die Aktion >Unsere Stadt soll sauberer werden< ist abgeschlossen
, sagte der Killer dann.
Das ist eine Daueraktion, Günther.
Wenn Sie das sagen...
Keiner von uns sollte das je vergessen.
2
Besser wird das nicht
, sagte der Arzt. Sie haben bei dieser Schießerei mehrere Kugeln im Gesichtsbereich abbekommen.
Wenn Sie das sagen... Ich erinnere mich nicht.
Das ist normal. Sie können froh sein, dass Sie überlebt haben.
Ob ich darüber froh sein kann, weiß ich noch nicht.
Die andren sind tot. Alle.
Und ich habe den Knast vor mir!
Jedenfalls wird das Lachen schief bleiben. Das ist nicht zu ändern. Aber wenigstens sieht Ihr Gesicht nicht so aus, dass sich andere davor fürchten müssen.
Er lachte.
Schief.
So wie von nun an immer.
Vielleicht wäre das gar nicht so schlecht
, meinte er.
Der Arzt hob fragen die Augenbrauen. Was?
Wenn man sich vor meinem Gesicht fürchten würde.
3
Herr Dr. Wildenbacher, weswegen sind Sie hier?
Das frage ich mich allerdings auch!
Es ist immer gut, wenn der Patient weiß, weswegen er zum Therapeuten geht. Das erleichtert die gemeinsame Arbeit.
Ich bin kein Patient
, sagte Wildenbacher. Damit beginnt es schonmal. Patient heißt ‘Leidender’. Ich leide aber an nichts.
Aber möglicherweise leiden andere an Ihnen, Herr Wildenbacher.
Dann sollen die zum Therapeuten gehen und >Gespräche< führen. Das sind dann ja auch tatsächlich Patienten im wahrsten Sinn des Wortes. Ich aber nicht. Ich bin nur hier, weil man mich dazu verdonnert hat.
Wir sprechen neuerdings durchaus auch von Klienten - insofern gebe ich Ihnen Recht, dass sich auch unsere fachliche Sichtweise in dieser Hinsicht etwas verändert hat.
Das ist genauso verlogen. Ich bin nicht Ihr Klient! Ihr Kunde!
Wildenbacher lachte auf. Ich bezahle Sie nicht und Sie handeln auch nicht in meinem Auftrag.
Nun, wir brauchen uns nicht über Begriffe zu streiten. Kommen wir zur Sache - und damit zu dem Grund, weswegen Sie hier sind.
Ich bin hier, weil mein Vorgesetzter das so will
, sagte Wildenbacher. „Und weil ein paar übersensible, empfindliche Seelen sich über mich beschwert haben."
Es ist von Mobbing die Rede.
Mobbing? Weil ich einer Mitarbeiterin, die saumäßige Arbeit abgeliefert hat, das auch so deutlich gesagt habe? Weil eine andere Mitarbeiterin, mit der ich gezwungen war, dieselben Räumlichkeiten zu teilen, inzwischen versetzen ließ - was im übrigen zu unser aller Besten ist?
Hören Sie...
Nein, hören Sie mal: Ich bin Gerichtsmediziner. Ich habe es mit Leichen zu tun und muss herausfinden, woran die gestorben sind. Die Tatsachen liegen bei uns im Institut buchstäblich auf dem Tisch. Da drückt man sich klar und deutlich aus.
Man hat Ihnen gesagt, dass Sie etwas achtsamer sein sollen. Etwas sensibler.
Da bin ich der falsche für
, sagte Wildenbacher.
Herr Wildenbacher, Sie haben ja schon zwei Kolleginnen erwähnt, die sich explizit über Sie beschwert haben....
Weicheier!
In jüngster Zeit sind jetzt noch etwas schwerwiegendere Vorwürfe eines Institutsmitarbeiters hinzugekommen.
Keine Ahnung, von wem Sie sprechen.
Ich spreche von Herrn Schmidtbauer.
Herr Schmidtbauer hat fundamentale Regeln missachtet, die man bei einer Obduktion einhalten muss! Wenn so Gutachten erstellt werden, dann sind Fehlurteile vorprogrammiert! Ich habe ihm bei mehreren Gelegenheiten sehr deutlich gesagt, dass für einen wie ihn kein Platz an unserem Institut ist!
Herr Schmidtbauer glaubt, dass Ihre fortgesetzte und massive Kritik transphob motiviert ist.
Trans was?
Wildenbacher hob die Augenbrauen. Er schien überrascht zu sein.
Herr Schmidtbauer war bis vor wenigen Jahren noch Frau Schmidtbauer, bevor er sich einer entsprechenden Behandlung unterzog. Damals arbeitete er allerdings schon an der Akademie des Bundeskriminalamtes in Quardenburg.
Ja, aber nicht in unserer Abteilung!
Wie gesagt, Herr Schmidtbauer bestreitet die sachliche Motivation Ihrer fortgesetzten, massiven Kritik und hat die Personalvertretung eingeschaltet, weil er sich von Ihnen gemobbt fühlt. Er wirft Ihnen transphobe Ressentiments vor.
Bis heute hatte ich keine Ahnung, dass Herr Schmidtbauer mal Frau Schmidtbauer war. Glauben Sie ich schaue mir alle Mitarbeiter aller Abteilungen so genau an? Ich habe schon genug mit meinen Leichen zu tun...
Ja, das ist ja vielleicht ein Teil des Problems, Herr Dr. Wildenbacher.
Wie?
Dass Sie Ihren Mitmenschen nicht genug Aufmerksamkeit zuwenden. Nicht genügend Achtsamkeit und Sensibilität! Und genau deswegen sind Sie ja hier: Um diesen Missstand abzubauen und Schwierigkeiten in der Kommunikation mit anderen Mitarbeitenden in Zukunft zu vermeiden.
So ein Quatsch
, sagte Wildenbacher. Ich habe keine Schwierigkeiten mit irgendwem. Und wer Schwierigkeiten mit mir hat, der soll mir gefälligst aus dem Weg gehen! Dann gibt es auch keine Probleme.
Herr Wildenbacher, woher kommt diese Aggressivität.-
Was für eine Aggressivität?
Die Aggressivität, die tief in Ihnen ist und die immer wieder aus Ihnen hervorbricht und den Umgang mit Kollegen beeinträchtigt.
Ich bin nicht aggressiv! Und ich war immer der Sensibelste von allen! Jedes Mal, wenn ich eine Leiche auf dem Tisch habe, dann weine ich erstmal etwas. Und dasselbe tue ich, bevor ich ein Steak oder Weißwurst esse! Dann halte ich innere Zwiesprache mit dem Schwein, das auf meinem Teller liegt und bitte es um Vergebung dafür, dass ich Hunger habe!
Jetzt versuchen Sie, unsere gemeinsame Arbeit, die so konstruktiv begonnen hat, ins Lächerliche zu ziehen.
Ich ziehe nichts ins Lächerliche! Das ganze >ist< nämlich einfach nur lächerlich. Da brauche ich nichts mehr zu ziehen!
Herr Wildenbacher, wann in Ihrem hat diese Wut, die Sie erfüllt, begonnen.
Jetzt wollen Sie mit mir über meine Kindheit sprechen?
Das wäre etwas, womit wir weiterarbeiten könnten.
Wissen Sie was, um über meine Kindheit zu sprechen, da kennen wir uns einfach nicht gut genug.
Also...
Aber es gibt in der Tat eine Sache, die mich wütend macht!
"Lassen Sie es ruhig heraus, Herr Dr. Wildenbacher!
Es macht mich wütend, dass ich die Kühlfächer in unserem Institut voller Leichen habe, die ich alle obduzieren müsste, die alle mutmaßliche Opfer von Gewaltverbrechen sind und bei denen es Angehörige gibt, die wissen wollen, wer diese Menschen umgebracht hat - aber stattdessen sitze ich hier, zum über eine Wut zu schwadronieren, die gar nicht vorhanden ist und über Probleme, die nur in der Einbildung von Menschen wie Ihnen existieren.
Wildenbacher sah auf die Uhr an seinem Handgelenk.
Er sagte nach einer Pause und mit hochrotem Gesicht: Eine Dreiviertelstunde sollte das hier dauern.
Richtig.
Die ist jetzt vorbei.
Nun, wir...
Was bedeutet, ich gehe jetzt.
Wildenbacher erhob sich. Und jetzt beklagen Sie sich nicht, dass ich aggressiv geworden bin! Ich bin nämlich die Ruhe selbst!
Die Tür knallte ins Schloss.
Wildenbacher war fort.
Und der Therapeut machte ein betroffenes Gesicht - und sich dann ein paar Notizen. Da haben wir noch einen langen Weg vor uns, dachte er.
4
Frankfurt, am frühen Morgen...
Das Anwesen von Gunnar Bellenborn, dem Polizeipräsidenten von Frankfurt, lag direkt am Fluss. Nebel war über Nacht vom Fluss aus über den Rasen gezogen und hatten den Bereich zwischen dem Haupthaus aus Sandstein und der mannshohen Begrenzungsmauer mit dem gusseisernen Tor eingehüllt. Man konnte kaum ein paar Meter weit sehen.
„Na komm schon! Ich bin der Polizeichef und habe es zu sagen!" Bellenborn war fast zwei Meter groß und selbst in dem ausgeleierten Jogging-Anzug, den er um diese Zeit trug, eine imposante, respekteinflößende Erscheinung. Sein Hund schien davon kaum beeindruckt. In der Regel gehorchte er nicht, und Bellenborn hatte den Eindruck, dass sich das Tier von jedem was beibringen ließ - nur von ihm nicht.
Der Hund bellte und rannte ein Stück zum Tor.
„Ja, was willst du mir denn zeigen?", knurrte Bellenborn.
Das Tier konnte sich gar nicht mehr beruhigen. Immer wieder verschwand es in der grauen Nebelwolke und kehrte dann zu Bellenborn zurück.
„Jetzt hast du mich erzogen, was?", knurrte er und ging hinter seinem Hund her.
Dann war er nahe genug am Tor, um es auch sehen zu können.
„Oh, mein Gott", flüsterte er, als er zu den gusseisernen Spitzen hinaufsah. Blut tropfte auf den Boden.
5
Gunnar Bellenborn hatte für einen Moment das Gefühl, als ob ihm jemand einen Faustschlag in die Magengrube versetzt hätte.
Der Hund schnüffelte an dem Blut, das entlang der gusseisernen Gitterstäbe entlanggelaufen war. Blut - und noch etwas anderes. Gunnar Bellenborn wusste genau, was es war. Er hatte es an Dutzenden von Tatorten selbst gesehen, kannte das Aussehen, die Konsistenz und den Geruch von…
...Hirnmasse!
Gunnar Bellenborn hatte bei der Streifenpolizei des Frankfurt Polizeipräsidium angefangen und sich später nach und nach hochgearbeitet. Mordkommission, Abteilung für organisiertes Verbrechen, später war er in die Leitungsebene gewechselt und hatte es schließlich ganz an die Spitze gebracht. Der Polizeipräsident einer Großstadt wie Frankfurt kam an Ansehen und Popularität für manche Bürger noch vor dem Bürgermeister.
Und dass viele seiner Kollegen ihn schätzten, hatte mit Sicherheit auch etwas damit zu tun, dass Bellenborn diesen Beruf wirklich von der Pike auf gelernt hatte. Niemand hatte das Gefühl, dass da einer von oben herab mit seinen Untergebenen redete. Schließlich war Bellenborn mal einer von ihnen gewesen und wusste, wo den Polizisten der Schuh drückte.
Bellenborns Gedanken wirbelten in diesem Augenblick nur so durcheinander. Sie begannen förmlich in seinem Hirn zu rasen. Der Hund winselte und blickte nach oben, zu den Spitzen auf dem gusseisernen Tor.
Ein menschlicher Kopf war dort zu sehen. Er war auf die mittlere und somit höchste Spitze aufgespießt worden. Ein Auge war nur noch eine klaffende Wunde. Vermutlich durch einen Schuss. Die Austrittswunde war vermutlich viel größer. Bellenborn brauchte sie gar nicht zu sehen, um sich das vorstellen zu können. Für lange Jahre war so etwas für ihn schließlich Routine gewesen.
„Schweine, murmelte er nur. „Diese Schweine!
6
Der Kopf auf dem Tisch des Gerichtsmediziners sah nicht gut aus. Das war genau das Bildmaterial, aus dem schlechte Träume gemacht sind, aber Rudi und ich hatten keine andere Wahl, als uns die Details anzusehen.
„Tja, mehr ist von dem Kerl anscheinend nicht übrig geblieben, sagte Gerold M. Wildenbacher in seinem charakteristischen Bayern-Akzent. Der Gerichtsmediziner unseres Ermittlungsteams Erkennungsdienst der BKA Akademie in Quardenburg wischte sich die Hände ab. Er trug Latexhandschuhe, Kittel, Schutzkleidung, Mundschutz und eine Brille, die ihn möglicherweise davor bewahrte, dass infektiöse Flüssigkeitsspritzer mit den Schleimhäuten seiner Augen in Kontakt kamen. Irgendetwas Undefinierbares klebte an seinen Latexhandschuhen. Ich wollte gar nicht näher wissen, was das war. „Eine Obduktion unter diesen Umständen als vollständig zu bezeichnen, widerstrebt mir irgendwie, ganz egal zu welchem Zeitpunkt man das sagt
, meinte Wildenbacher.
„Sie meinen, weil die Leiche nicht vollständig ist?", schloss ich.
„Sie müssen das Gemüt eines Schlachtergesellen haben, Harry."
Ich war perplex.
„Ich?", vergewisserte ich mich.
„Ja, sicher!"
„Sie sprechen wirklich von mir?"
„Sie sprechen kaltherzig von einer Leiche. Nennen Sie ihn ein Opfer. Dann erweisen Sie ihm den nötigen Respekt."
In diesem Moment fragte ich mich ernsthaft, ob Wildenbacher irgendwelche Substanzen genommen hatte, die geeignet waren, die Persönlichkeit zu verändern. Normalerweise war Wildenbacher für sein Schlachtergemüt bekannt. Einer mit rauen bayerischen Manieren, der wenig Rücksicht auf Befindlichkeiten anderer zu nehmen pflegte. Schon gar nicht auf die einer
